Fachthemazurück

(GZ-1/2-2017)
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► Projekt des ökologischen Verkehrsclubs VCD:
 
Multimodal unterwegs

Wie bewegen wir uns in der Stadt von Morgen fort? Wird es weiterhin Fahrgäste geben, die an unübersichtlichen Tariftabellen scheitern? Werden Anwohner von Hauptstraßen noch immer Tag für Tag krankmachende Schadstoffe einatmen müssen? Und wird es auch dann noch Verkehrsbetriebe geben, die nach 22 Uhr den Dienst einstellen? Eine lebenswerte Stadt sieht jedenfalls anders aus.

Viele Ideen werden aktuell dem Praxistest unterzogen. Mit dem Projekt „Multimodal unterwegs – intelligent vernetzt durch die Stadt der Zukunft“, gefördert von Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium, unterstützt der ökologische Verkehrsclub VCD Kommunen, Nahverkehrsbetriebe und StartUps bei der Entwicklung ihrer Produkte. In Berlin stellte der Verband jetzt eine Befragung zum inter- und multimodalen Verkehrsverhalten von Großstädtern vor.

Attraktiver ÖPNV

Das zentrale Ergebnis der repräsentativen Befragung von rund 1.000 Großstädtern lautet: Der ÖPNV muss starkes Rückgrat sein. Schließlich verzichten nur sieben Prozent der Großstädter auf den öffentlichen Nahverkehr. Die Integration weiterer Mobilitätsangebote macht demnach nur Sinn, wenn der ÖPNV ein attraktives Angebot zur Verfügung stellt. Darüber hinaus geben die Bürgerinnen und Bürger an, dass ihnen neben einem guten Preis der einfache Einstieg mit einmaliger Anmeldung bzw. Registrierung auch für Carsharing und Mietfahrräder wichtig ist.

Die Großstadt ist von einem Mix der Verkehrsmittel geprägt. Nicht nur der eigene Pkw, auch das Zufußgehen, das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr werden häufig genutzt. Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Verkehrsmittel kann von verschiedensten Faktoren abhängen. Zentral für die Befragten ist die gute Erreichbarkeit ihrer Ziele (84 %). Einfach, flexibel und zuverlässig soll es nach dem Willen der meisten Befragten vorrangehen. Im Vergleich dazu sind die Kosten weniger wichtig. Eine untergeordnete Rolle spielen „weiche Faktoren“ wie die Sicherheit (40 %), die Privatsphäre (30 %) oder die eigene Tagesform (22 %).

Digitale Routenplanung

Auch wenn das Zufußgehen in Erhebungen zur Verkehrsleistung (Anzahl der Wege x Wegelänge) regelmäßig eine untergeordnete Rolle spielt, wird deutlich, dass fast alle Bürgerinnen und Bürger auch Fußgänger sind (75 % häufig/sehr häufig), sei es für die kurzen Wege im Quartier oder als Zugang zu anderen Verkehrsmitteln. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht nur von Stammkundschaft geprägt. Viele Fahrgäste steigen nur gelegentlich in Bus und Bahn ein. Lediglich jeder 14. Großstädter kommt gänzlich ohne öffentlichen Nahverkehr aus, während bereits 22 % der Erwachsenen ohne Auto mobil sind.

Die Routenfindung ist ganz klar zu einer digitalen Domäne geworden. Online-Kartendienste und Navigations-Apps finden für die meisten Befragten den Weg zum Ziel. Für die Fahrgäste von Bus und Bahn spielt aber auch weiterhin der altbekannte Fahrplanaushang an der Haltestelle eine wichtige Rolle.

Ein weiteres Schlüsselelement, das derzeit in einigen Städten erprobt wird, sind sogenannte Mobilitätsstationen. Einige setzen auf großflächige Stationen mit vielen Fahrzeugen und Beratungspersonal im Stadtzentrum, andere beschränken das Angebot, sind dafür aber dezentral in den Stadtquartieren präsent. Zumeist finden sich hier Leihfahrräder und Carsharing-Fahrzeuge, auch Fahrradbügel und Ladesäulen für Elektro-Autos sind an einigen Standorten installiert. Um die Mobilitätsstation tatsächlich als Zugangsstelle zu einer vernetzten Mobilität zu etablieren, ist es wichtig, auf die Vorstellungen der potentiellen Kunden einzugehen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen kurze Wege zur Mobilitätsstation wichtig sind. Das spricht für eine höhere Anzahl eher dezentraler Mobilitätsstationen in den Quartieren. Mit Abstand, aber ebenfalls von Bedeutung, sind Abstellmöglichkeiten für den Pkw (50 %) und das Fahrrad (42 %).

Multimodal meint, nicht auf ein einziges Verkehrsmittel festgelegt zu sein, sondern je nach Gelegenheit und Angebot auf das eine oder andere zurückzugreifen. Eine Sonderform ist das intermodale Reisen, wobei gleich mehrere Verkehrsmittel auf einem Weg kombiniert werden. Dabei gibt jeder Vierte an, regelmäßig mehrere Verkehrsmittel zu einer Fahrt zu kombinieren. Das geschieht besonders in der Freizeit (28 %), aber auch im Berufsverkehr (26 %).

Intermodal vs. monomodal

Betrachte man ausgewählte Kohorten der Gesamtstichprobe, fallen zwei Gruppen auf - ÖPNV-Vielfahrende und junge Erwachsene, die besonders gerne und häufig intermodal unterwegs sind. Diejenigen, die hauptsächlich mit dem eigenen Pkw fahren, kombinieren nur auf 10 % (Einkauf) bis 21 % (Freizeit) ihrer Wege mehrere Verkehrsmittel – sind also vorwiegend monomodal unterwegs.

 Good-Practice-Beispiel MVG

Wie der VCD lobend hervorhebt, entwickelt sich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) vom klassischen Nahverkehrsunternehmen zum umfassenden Mobilitätsdienstleister für München. Unter dem Claim „Ganz einfach mobil“ baut sie Sharing-Angebote weiter aus. Zentrale Elemente des Vorhabens sind das kommunale Leihradsystem MVG Rad, eine erste Mobilitätsstation als Pilotprojekt, stationäres und free-floating Carsharing, zwei Apps und Vergünstigungen für ÖPNV-Stammkunden.

An der Mobilitätsstation an der Münchner Freiheit bündelt die MVG alle Mobilitätsbausteine. So stehen neben U-Bahn, Bus und Tram insgesamt sechs ausgewiesene Carsharing-Parkplätze zur Verfügung, zwei davon mit eigener Ladeinfrastruktur für E-Carsharing, ein Stellplatz ist exklusiv für das stationäre Carsharing von Stattauto reserviert. Zusätzlich gibt es Fahrradabstellanlagen und Park&Ride-Parkplätze sowie einen Taxistand in der unmittelbaren Umgebung. Eine Informationsstele – direkt neben der ebenfalls vorhandenen MVG Radstation mit 15 Stellplätzen gelegen – gibt einen Überblick über das vielfältige Mobilitätsangebot vor Ort.

Neben der Pilotstation an der Münchner Freiheit werden in den kommenden Jahren voraussichtlich 14 weitere Mobilitätsstationen im Stadtgebiet entstehen - darunter vier Stationen im Rahmen des EU-Projekts „City2Share“ in Untersendling und acht weitere im Rahmen des EU-Projekts „Smarter Together“.

DK

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