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(GZ-13-2023 - 6. Juli)
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► Deutscher Sparkassentag in Hannover:

 

„Weil‘s um mehr als Geld geht“

 

Mehr Tempo bei der Bewältigung der großen Zukunftsaufgaben hierzulande hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, beim Deutschen Sparkassentag in Hannover unter dem Motto „Weil‘s um mehr als Geld geht“ gefordert. „Entscheidend für eine gute Zukunft sind eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, eine faire Vermögensverteilung, ausreichend bezahlbarer Wohraum und die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Diese Themen dulden keinen Aufschub“, hob Schleweis hervor.

Rund 2.700 Verantwortliche aus allen Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, Vertreter der kommunalen Träger der Sparkassen und der Landesregierungen kamen beim Sparkassentag zusammen. Davon waren über 20 Redner aus Politik und Gesellschaft zu Gast, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Dr. Robert Habeck, Finanzminister Christian Lindner und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde. Sie wies darauf hin, dass die Menschen in der Eurozone sich auf weitere Zinserhöhungen einstellen müssten. In einer beispiellosen Serie hatte die EZB seit Juli 2022 den Leitzins sieben Mal erhöht. Mittlerweile liegt er bei 3,75 Prozent.

Mit der „Hannoverschen Erklärung“ hat sich die Sparkassen-Finanzgruppe zu den wichtigsten Zukunftsthemen posi-
tioniert. „Vor dem Hintergrund der notwendigen Energiewende und aktueller geostrategischer Herausforderungen ist eine breite soziale Teilhabe der wichtigste Erfolgsfaktor. Wir werden unseren Beitrag leisten, um Deutschland als größte Volkswirtschaft mitten in Europa zukunftsfähig aufzustellen. Wir haben die Kraft, unsere Kundinnen und Kunden bei diesem Veränderungsprozess zu begleiten“, heißt es.

Besondere geschäftspolitische Schwerpunkte sollen unter anderem in folgenden Bereichen gesetzt werden:

Finanzierung der Transformation in den Unternehmen: „Drei Viertel der deutschen Unternehmen haben eine Geschäftsbeziehung zu Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, rund 43 Prozent der insgesamt ausgereichten Kreditmittel kommen aus unserer Gruppe. Wir wollen nicht nur ‚grüne‘ Investments tätigen, sondern möglichst allen Unternehmen den Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität ermöglichen und finanzieren. Regulatorische Vorgaben, etwa die Taxonomie, die Kapitalanforderungen oder andere Regulierungen müssen diese Transformation unterstützen und zu diesem Zweck dringend überprüft werden.“

Finanzierung der Energiewende: „Wir bekennen uns zur gezielten und kraftvollen Finanzierung der Energiewende – in der Infrastruktur bei Anlagen für Wind-, Bio- und Solarenergie und bei Energienetzen, aber auch bei individuellen energetischen Maßnahmen unserer Kundinnen und Kunden. Infrastrukturmaßnahmen mit Bürgerbeteiligung wollen wir besonders unterstützen und einen Schwerpunkt bei der energetischen Sanierung des Wohnungsbestands setzen. Unser Ziel ist es, den größten Beitrag zur notwendigen Sanierungsfinanzierung von Wohnimmobilien zu leisten – mindestens einen unserem heutigen Marktanteil von rund 35 Prozent entsprechenden Anteil; entweder aus eigenen Mitteln oder durch Kreditvergaben auf Grundlage öffentlicher Fördermittel.“

Mehrwert für alle: „Wir investieren gezielt in die Attraktivität und die Weiterentwicklung unserer jeweiligen Geschäftsgebiete. Die regionale Ausrichtung aller Sparkassen stellt sicher, dass wir uns auf unser Geschäftsgebiet auch dann konzentrieren, wenn sich jenseits davon attraktivere Geschäftsmöglichkeiten bieten. Für öffentlich-rechtlich organisierte kommunale Sparkassen ist das Regionalprinzip bereits eine zwingende Folge ihrer kommunalen Trägerbindung. Wir stellen die Teile unseres Jahresüberschusses, die wir nicht zum eigenen Wachstum und zur Risikovorsorge benötigen, den Menschen des eigenen Geschäftsgebiets durch Spenden und Sponsorings der Institute sowie Ausschüttungen der inzwischen über 750 Sparkassenstiftungen zur Verfügung. Damit ist die Sparkassen-Finanzgruppe der größte nichtstaatliche Kultur- und Sportförderer und einer der großen Förderer sozialer Belange. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich in besonderer Weise bürgerschaftlich für örtliche Belange.“

Diversität: „Unsere Gründungsidee ist umfassende Teilhabe. Wir werden insbesondere den Anteil der weiblichen Führungskräfte, vor allem in den Vorständen, in den kommenden Jahren deutlich steigern. Unser Ziel ist eine gleichberechtigte Vertretung der Geschlechter in allen Führungsebenen.“

Zugang zu Beratung für alle: „Durch ein umfassendes und qualifiziertes Beratungsangebot in allen Teilen des Landes stellen wir sicher, dass alle an den wirtschaftlichen Chancen der Transformation durch eigene Investments teilhaben können. Bereits ab 25 Euro pro Monat bieten wir allen die Möglichkeit, die Energiewende mitzufinanzieren bzw. am volkswirtschaftlichen Wertzuwachs teilhaben zu können. Auch ein nur partielles Provisionsverbot im beratungsfreien Geschäft lehnen wir ab, weil dies eine Gefahr für eine breite Wertpapierberatung darstellt. Für die politisch gewünschte breitere Beteiligung der Bevölkerung am volkswirtschaftlichen Wertzuwachs und für die Mobilisierung privaten Kapitals für Zwecke der Energiewende wäre dies kontraproduktiv.“

Datensouveränität: „Als einer der größten Anbieter von IT-Dienstleistungen in Europa sind wir bereit, mit unserem Know-how gezielt die Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität Europas im digitalen Bereich zu unterstützen. Das betrifft insbesondere die Einführung eines gemeinsamen elektronischen Identitätsnachweises in Europa sowie mit der European Payment Initiative (EPI) die Einführung eines gemeinsamen europäischen Zahlungssystems.“

Umfassende Einlagensicherheit: „Sicherheit ist in unsicheren Zeiten eine wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft der Menschen, den Wandel mitzugestalten. Mit unserem Institutssicherungssystem erfüllen wir die europäischen Vorgaben für die Einlagensicherung.

Wir stellen zugleich durch präventives Handeln im Sicherungssystem sicher, dass Einlagensicherungsfälle möglichst umfassend ausgeschlossen werden. Damit bieten Sparkassen ein Höchstmaß an Sicherheit und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Vertrauen in unser Finanzsystem. Mit einer Vergemeinschaftung von Einlagensicherungssystemen in Europa würde dieses Vertrauen massiv und unnötig gefährdet. Risiko und Haftungsverantwortung dürfen nicht getrennt werden.“

Flächendeckende Präsenz: „Die Kundinnen und Kunden bestimmen bei uns die Zugangswege zu den Dienstleistungen der Sparkasse und deren Gewichtung. Wir bieten alle gewünschten Zugangskanäle an. Angesichts des erkennbaren Wandels des Kundenbedarfs werden die digitalen Zugangskanäle und digitale KundenService-Center weiter ausgebaut. Wir bekennen uns gleichzeitig zu einer flächendeckenden Präsenz der Sparkassen.“

Zukunft sei nicht ohne finanziellen Aufwand zu haben, biete aber große wirtschaftliche Chancen, erläuterte Sparkassenchef Schleweis: „Von diesen Chancen muss jeder profitieren können. Das erfordert eine gerechte Vermögensverteilung und deshalb einen breiten Zugang zu Wertpapiergeschäften. Das muss erleichtert, nicht erschwert werden.“

„Die Sparkassen stehen seit jeher für die Stabilität und Sicherheit. Für Vertrauen und Beständigkeit. Diese Werte werden weltweit auch mit unserem Land verbunden“, stellte Bundeskanzler Olaf Scholz fest. Für eine nachhaltige Energieversorgung und für die Dekarbonisierung der Wirtschaft brauche es private Investitionen. Die Sparkassen als „Finanzierer unseres Mittelstands, als Finanzierer auch der Energiewende“ werden gebraucht, um diese Investitionen zu mobilisieren, erklärte Scholz.

Die jüngsten Turbulenzen im amerikanischen und Schweizer Bankenmarkt sind aus seiner Sicht nicht mit den Jahren 2008 und 2009 zu vergleichen. Alle Beteiligten hätten aus der Finanzkrise gelernt. „Die Reformen waren weitreichend und sie sind wirksam“, bekräftigte der Kanzler. Ein aktueller Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reform des Rahmens für Krisenmanagement im Bankensektor gehe aber in Teilen zu weit.

In Deutschland und in anderen Mitgliedstaaten gebe es gut funktionierende Sicherungssysteme für kleine Banken. „Diese sollten wir nicht ohne Not über den Haufen werfen.“ Die Bundesregierung setze sich deshalb bei den Verhandlungen in Brüssel für den Erhalt der Institutssicherung ein. „Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken müssen und werden eine stabile Säule unseres deutschen Finanzsystems bleiben“, unterstrich Scholz.

DK

 

 

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