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(GZ-1/2-2017) 
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 ► Neuer UBA-Praxisleitfaden:

 

Demografie und Abfallwirtschaft

 

Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren deutliche gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen, auf die sich das kommunale Handeln einstellen muss. Ebenso wie andere Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge ist davon die Abfall- und Entsorgungswirtschaft betroffen. In welchem Ausmaß, zeigt eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie des Öko-Instituts und des Deutschen Instituts für Urbanistik.

Die Ergebnisse sind in einem kommunalen Praxisleitfaden aufbereitet, der die sich abzeichnenden Herausforderungen für verschiedene Siedlungsstrukturtypen analysiert und Empfehlungen für Anpassungsmaßnahmen in den Bereichen Abfallaufkommen/ Stoffströme, Entsorgungslogistik, Anlagenpark, Personalwirtschaft und Finanzen unterbreitet.

Veränderungsprozesse

Empfohlen wird, sich mit den Veränderungsprozessen besonders in den stark wachsenden kreisfreien Großstädten, wovon Prognosen zufolge mehr als 17 Millionen Einwohner betroffen sein werden, und in den schrumpfenden ländlichen Regionen intensiv zu befassen. Für die Abfallwirtschaft bedeutet dies, dass überwiegend in bereits dicht besiedelten Städten und Regionen tendenziell mit einem höheren Aufkommen an Haushalts- und Geschäftsmüll gerechnet werden muss. Umgekehrt wird in vielen bereits dünn besiedelten ländlichen Kreisen tendenziell ein Rückgang des Müllaufkommens erwartet.

Laut Leitfaden können Kommunen dem demografischen Wandel durch aktive Maßnahmen zur Abfallvermeidung sowie zur Verbesserung der Getrennterfassung verschiedener Abfallfraktionen begegnen. Ein erhöhtes Trennverhalten hätte sinkende Mengen im Restabfallaufkommen zur Folge. Gleichzeitig würde das Aufkommen verwertbarer Abfälle steigen (getrennt erfasste organische Abfälle und Wertstoffe). Vor allem für wachsende Kommunen mit steigenden Abfallmengen können diese steuernden Maßnahmen Bedeutung erlangen.

Im Bereich der Logistik müssten Kommunen künftig auf die Ansprüche der alternden Bevölkerung, gleichzeitig aber auch auf sinkende oder steigende Abfallmengen reagieren. Ziel möglicher Anpassungsmaßnahmen sei eine effiziente Abfallbewirtschaftung, trotz veränderter Abfallmengen und Servicebedarfe. Insgesamt seien Anpassungen des Sammelsystems wie andere Behältergrößen möglich, außerdem könne die Digitalisierung der Abfallwirtschaft hilfreich sein. Beispielsweise könnten Apps und Smarte Systeme sowie Füllstands-Sensorik (RFID) die Abfallwirtschaft in ihren Aufgaben unterstützen. Im Rahmen der Stadtplanung und der Entwicklung neuer Siedlungsgebiete seien Vakuumsammelsysteme in der Lage, den Aufwand bei der Sammlung und beim Transport von Abfällen reduzieren.

Ältere Menschen unterliegen häufig einer eingeschränkten Mobilität. Die Erreichbarkeit und das Design von Sammelbehältern zur Entsorgung von Abfällen können bereits eine Hürde sein. Für Kommunen besteht die Möglichkeit, Behältergröße und -form an die Bedürfnisse der alternden Bevölkerung anzupassen. Dies kann durch die Installation von Unterflurbehältern oder Halbunterflurbehältern erfolgen. Auch die Neigung von Abfallbehältern durch entspre- chende Vorrichtungen sowie Deckel im Deckelsystem können das Einwerfen erleichtern.

Des Weiteren sollte auf die Zugänglichkeit und Gestaltung der Sammelstellen geachtet werden. So sind ein barrierefreier Zugang sowie ein gepflegter Zustand der Müllplätze von großer Bedeutung. Dies hat vor allem psychologische Wirkung. Sauberkeit und Ordnung vermitteln ein Sicherheitsgefühl, vor allem bei der hochbetagten Bevölkerung, und können somit einen Beitrag zur sachgemäßen Nutzung der Müllbehälter leisten.

Effizientere Logistik

„Vor allem schrumpfende Kommunen werden ihre Logistikstruktur an sinkende Abfallmengen partiell anpassen müssen“, heißt es in dem Leitfaden. Dabei sollte der Anpassungsprozess vor allem eine Effektivitätssteigerung in der Logistik anstreben. Kommunen hätten die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Maßnahmen auf diese Entwicklung zu reagieren, u.a. durch:

  • Kleineres Behältervolumen
  • Nachbarschaftstonnen (Gemeinschaftstonne)
  • „Sack im Behälter“-Systeme können praktikabel sein für wachsende Städte mit wenig Platzangebot
  • Straffung des Tourenturnus (Ausdehnung der Abfuhrintervalle)
  • Verdichtetes Bringsystem.

Vor allem Nachbarschaftstonnen könnten eine attraktive Lösung darstellen, da damit die Abfälle mehrerer Haushalte zusammen erfasst werden. Dabei teilen sich mehrere benachbarte Haushalte einen Abfallbehälter, wodurch die Abholung und der Transport effizient sind. Hierbei müssten ggf. Anpassungen der kommunalen Abfallgebührensatzungen erfolgen, die Ausnahmen vom Anschluss- und Benutzungszwang für Behältergemeinschaften erlauben. Besonders in schrumpfenden Regionen mit langen Transportwegen wird aus Kostengründen eher eine Dezentralisierung der Sammlung von Abfällen als Lösung gesehen.

Steigende Abfallmengen sind vor allem in wachsenden Kommunen zu erwarten. Diese kön- nen durch größere Behältervolumen und eine Erweiterung des Fuhrparks und des Personals auf die steigenden Abfallmengen reagieren. Dabei ist zu beachten, dass die Größe der Behälter begrenzt und nicht unendlich anpassbar ist, so dass gegebenenfalls eine höhere Anzahl an Behältern notwendig ist. Weiterhin müssten entsprechende Stellflächen vorhanden sein, was zu Flächenkonkurrenzen führt. Zudem sei ein zusätzlicher Personalaufwand notwendig.

Eine Erweiterung des Personals und des Fuhrparks zieht eine Erhöhung der Kosten für die Abfallwirtschaftsunternehmen nach sich. Dies kann zu einem Anstieg der Abfallgebühren führen. Aus diesem Grund sind Maß- nahmen der Abfallvermeidung und eventuell zur Optimierung des Trennverhaltens sehr wichtig. Des Weiteren sind Belange der Abfallwirtschaft bereits frühzeitig in die Planungsprozesse der Stadtentwicklung zu integrieren, vor allem die Entwicklung von neuen Baugebieten hält dazu große Potenziale bereit.

Bei sinkenden Abfallmengen besteht die Gefahr des unwirtschaftlichen Betriebs von Anlagen. Vor allem für schrumpfende Kommunen kann dies zukünftig eine Herausforderung darstellen. Durch flexible Anpassungskonzepte können Kommunen die Potenziale der bestehenden Anlagen analysieren und nutzen. So können die frei werdenden Kapazitäten für die Verwertung neuer Stoffströme genutzt werden. Dies ist allerdings von der Art und dem Aufbau der Anlage abhängig. Ist der Anlagenpark für einen Umbau nicht geeignet, könnte der Rückbau von Anlagen eine Möglichkeit sein, um Kosten zu reduzieren. Dies ist vor allem für die Kommunen eine Option, deren Anlagen bereits abgeschrieben sind. Nach Rückbau der Anlage sind Verträge mit Anlagenbetreibern aus der Umgebung eine Alternative.

Bestehende Anlagen können beispielsweise durch Umbaumaßnahmen, die der Effizienzsteigerung dienen, höhere Abfallmengen aufnehmen. Laut Praxisleitfaden stellt dies insbesondere eine Option dar, um auf steigende Restmüllmengen zu reagieren.

DK

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