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(GZ-19-2017) 
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 ► Lechwerke (LEW) schaffen mit ihrem Projekt „Ökokonto Nord“ Ausgleichflächen auf Vorrat:
 
Renaturiertes Niedermoor auf 110 Hektar
 

Lew

Von links: Georg Dinger, Landschaftsarchitekt (Eger&Partner), Anton Burnhauser, Höhere Naturschutzbehörde, Regierung von Schwaben und Stefan Huggenberger, Projektleiter LEW Verteilnetz vor einer neu angelegten Feuchtmulde. RED

Feuchtmulden und artenreiche Wiesen, die als renaturiertes Niedermoor heimischen Tier- und Pflanzenarten geschützten Lebensraum bieten – das ist Ziel des Projekts „Ökokonto Nord“. Mit dem Projekt haben die Lechwerke und die Regierung von Schwaben ein neues Konzept entwickelt, um große, zusammenhängende Ausgleichsflächen zu schaffen. Auf einer Fläche von insgesamt 110 Hektar in der Nähe von Buttenwiesen im Landkreis Dillingen an der Donau setzt LEW derzeit mit einem Landschaftsarchitekten das umfangreiche Maßnahmenpaket um. Mit dem Konzept des Ökokontos geht LEW neue Wege bei naturschutzrechtlichen Ausgleichsverpflichtungen. 

Möglich wurde die Einrichtung des Ökokontos durch die Flurneuordnung von insgesamt 4.200 Hektar, von denen 400 Hektar als Ausgleichsflächen renaturiert werden. Von diesen 400 Hektar wiederum verantwortet die LEW 110 Hektar. Der Buttenwiesener Bürgermeister Hans Kaltner spricht begeistert von diesem Projekt, das „europaweit seines Gleichen sucht“. Kaltner war, als Mitglied im Arbeitskreis, bereits vor seiner Bürgermeistertätigkeit maßgeblich in die Flurneuordnung involviert und kennt die Konflikte, die die intensive Landwirtschaft mit vielen kleinen Ausgleichsflächen hat. Auf den nun zusammenhängenden Flächen wird eine Landwirtschaft möglich, wie sie vor noch nicht allzu langer Zeit in dieser Gegend üblich war. Besonders Wert wurde auf die Einbindung der Landwirte gelegt. Die neuen Weiden und Wiesen werden an hiesige Landwirte zur Pflege übergeben. Kaltner sieht auch eine Übertragbarkeit auf andere Gemeinden.

ÖkologischerAusgleich

Bei Eingriffen in die Natur und das Landschaftsbild, etwa durch den Bau von Strommasten oder die Erneuerung von Leitungen, sind die Lechwerke, so wie andere Vorhabenträger auch, laut dem Bayerischen Naturschutzgesetz zu ökologischem Ausgleich verpflichtet. Oft lässt sich der Ausgleichsbedarf jedoch nicht vor Ort umsetzen, weil dafür geeignete Flächen fehlen. Zudem bringen einzelne isolierte Maßnahmen nur wenig für die Natur. Hier setzt das neue Konzept an: Anstatt wie bisher viele einzelne und kleinteilige Ausgleichsflächen zu schaffen, wird im Projekt „Ökokonto Nord“ in den nächsten Monaten ein großes zusammenhängendes Gebiet nach einem zusammen mit den Naturschutzbehörden erarbeiteten Konzept renaturiert.

Win-Win-Win-Situation

„Bei unserem Ökokontokonzept schaffen wir Ausgleichsflächen auf Vorrat und können dann Wertpunkte abbuchen, wenn aufgrund einer Baumaß- nahme ökologischer Ausgleich geschaffen werden muss.“ Stefan Huggenberger, Projektleiter bei der LEW Verteilnetz, spricht von einer „Win-Win-Win-Situation“: Erstens profitiert die Landwirtschaft, indem sie als Ackerland unattraktive Moorflächen durch die Flurneuordnung eintauschen konnte und die Moorflächen für eine Bewirtschaftung als Weide oder Wiese renaturiert werden.

Minimierter Pflegeaufwand

Als zweites WIN führt Huggenberger an, dass die LEW Verteilnetze ihren Ausgleichsbedarf gleich über viele Jahre sichert und aufgrund der zusammenhängenden Fläche den bürokratischen Aufwand genauso wie den Pflegeaufwand minimiert. Und zuletzt ist der naturschutzfachliche Nutzen bei zusammenhängenden Flächengrößer: Es entsteht großflächig renaturierter Lebensraum für die heimische Flora und Fauna. Die Wiedervernässung des Moores dient dem Klimaschutz.

Lebensräume für zahlreiche Tierarten

„Durch spezielle Aussaatverfahren, wie z.B. Heudrusch oder Heumulch, sollen wieder artenreiche Wiesen entstehen“, erklärt Landschaftsarchitekt Georg Dinger. „Damit schaffen wir auch Lebensräume für eine Vielzahl an Tierarten. Als Indikatorengruppe dienen hier wiesenbrü- tende Vogelarten, die nur mit den passenden Habitatstrukturen erfolgreich brüten können.“ Brachvogel und Kibitz, die es im Donau Ried noch gibt, sollen eine gesunde Population erreichen, durch die sie vor Fressfeinden geschützt sind.

Anton Burnhauser, Vertreter der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Schwaben, schätzt, dass es noch drei bis fünf Jahre dauern wird, bis im Unterthürheimer Ried Wiesenbrüterschutz, Moorschutz und die Wiederherstellung von artenreichen Wiesen in einem vernünftigen Zielzustand erreicht werden. Das Maßnahmenkonzept für die Lauterbacher Ruten ist noch nicht abschließend festgelegt. Die Umsetzung hierfür ist im Zeitraum 2018 und 2019 geplant.

Als Pilotprojekt hat LEW dieses Konzept bereits von 2010 bis 2012 mit dem Ökokonto Süd bei Apfeldorf im Landkreis Landsberg erprobt. Dort wurde auf einer knapp zehn Hektar großen Fläche ein zusammenhängendes Maßnahmenpaket umgesetzt, um das beeinträchtigte Hochmoos zu renaturieren.

RED

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