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(GZ-19-2017)
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LVBW-Generalversammlung in Regensburg:

 
Wasserkraft stärken
 

Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung dürfen nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Der Umstieg auf saubere Energie ist entscheidend, um zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen und den Wirtschaftsstandort Deutschland fit für die Zukunft zu machen“, betonte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW), Hans-Peter Lang, bei der Generalversammlung in Regensburg. Nahezu 220 Gäste hatten den Weg ins Kolpinghaus gefunden. 

Lang zufolge gibt es einen 10-Punkte-Plan, wonach die Wasserkraft als stärkste erneuerbare Energie in Bayern ausgebaut werden soll. „Ich habe aber das Gefühl, dass sich die Bayerische Staatsregierung davon verabschiedet hat. Ich sehe jedenfalls keine Bemühungen, die Wasserkraft zu stärken“, monierte der wiedergewählte Vorsitzende. Spreche man mit führenden Landespolitikern, so sei für sie die Wasserkraft ein schwieriges Thema.

„Die Wasserkraft hat in Bayern die längste Tradition von allen Energien. Rund 50 % der deutschen Wasserkraftanlagen werden in Bayern betrieben. Um die Wasserkraftanlagen haben sich regional wertvolle Wertschöpfungsketten von Mühlen, Sägewerken und Handwerksbetrieben gebildet, die unseren ländlichen Raum geprägt, aber auch stabilisiert haben. Offensichtlich zählt dies aber nicht“, so Lang.

Für die Behörden sei immer nur der gute ökologische Zustand maßgeblich. Dieser werde allein daran gemessen, ob die gewünschte Fischfauna vorhanden ist oder nicht. „Auch ich bin für einen guten ökologischen Zustand. Es kann jedoch nicht sein, dass der Wasserkraft die Schuld für den Rückgang der Fischpopulation gegeben wird“, urteilte der Vorsitzende.

Aus einer Sicht müssen alle Gründe für den Rückgang beleuchtet und untersucht werden. Die Ergebnisse seien sodann in einem objektiven Prozess miteinander abzuwägen, um zu einem fairen Ergebnis für alle Beteiligten zu gelangen. Es gelte, folgende Punkte vorrangig zu untersuchen: Beseitigung der organischen Belastungen durch Abwassereinleitung und diffuse Einträge aus der Landwirtschaft; Beseitigung der Beeinträchtigung der Gewässerstruktur; Bejagung von fischfressenden Räubern, wie z. B. Kormoran, Mink, Fischotter, etc. und fehlendes Makrozoobenthos.

„Sofern man diese Punkte nicht in den Griff bekommt, ist es völlig müßig, höheres Restwasser abzugeben. Es wird sich nämlich dann auch nichts ändern, falls wir unsere Wasserkraftwerke komplett abschalten“, erklärte Lang und bilanzierte: „Sie sehen, dass es bei der Wasserkraft noch viel zu tun gibt und immer wieder Neuerungen anstehen. Gerade deshalb ist der Zusammenschluss in den Verbänden bis hin zum Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke und zum Bundesverband Erneuerbare Energie notwendig.“

Unverzichtbarer Beitrag zur Energiewende

Ministerialdirigent Rudolf Escheu, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien, Energieeffizienz im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie unterstrich in Vertretung von Staatssekretär Franz Josef Pschierer, MdL, dass das gesamte Ministerium an der Seite der Wasserkraft und für eine Fortführung des EEG steht. „Das EEG ist maßgeblich für den starken Ausbau der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren verantwortlich. Es leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Energiewende. Für einen stabilen weiteren Zubau ist das EEG nicht wegzudenken. Es stellt sich daher weniger die Frage, ob das EEG fortgeführt werden soll, entscheidend ist vielmehr, wie die Förderung fortgeführt wird.“

Ein weiteres Ansteigen der EEG-Umlage, die mit 6,88 Cent/kWh einen Rekordwert erreicht hat, muss nach Escheus Ansicht vermieden werden. Die Belastbarkeit von Unternehmen und Haushalten durch die Energiepreise sei an ihre Grenzen gekommen. Die Umstellung auf Ausschreibungen für Windenergie und Photovoltaik (und zum 1. September 2017 erstmals Biomasse) sei ein Schritt in die richtige Richtung und trage erfolgreich zur Kostendämpfung bei.

Notwendig ist laut Escheu allerdings „ein Gesamtkonzept, das den Stromkostenanstieg bremst und gleichzeitig zu einer besseren Markt- und Systemintegration insbesondere von volatilem Wind- und PV-Strom führt“. Hierzu habe das bayerische Wirtschafts- und Energieministerium ein Gesamtkonzept für eine Strompreisbremse entwickelt, das sich aus den Komponenten Senkung der Stromsteuer, Streckungsfonds und Systemwechsel bei der Förderung erneuerbarer Energien hin zu mehr marktorientiertem Verhalten zusammensetze.

Systemwechsel

Ein solcher Systemwechsel würde aus Sicht des Ministerialdirigenten auch dazu beitragen, den Börsenstrompreis zu stabilisieren und damit der nicht EEGgeförderten Stromerzeugung indirekt nutzen. Diese drei Stufen könnten aufeinander aufbauen, aber auch jede Stufe unabhängig von der Realisierung der Vorstufe umgesetzt werden.

Um aus der Stromwende auch in den Sektoren Wärme und Mobilität eine Energiewende zu machen, müsse mittel- und langfristig auch die unterschiedliche Bepreisung der verschiedenen Energieträger auf die Tagesordnung gesetzt werden. Sektorkopplung könne nicht funktionieren, solange Strom durch die hohe EEGUmlage einen eklatanten Wettbewerbsnachteil hat.

Wie Escheu hervorhob, „ist die Wasserkraft die wichtigste Säule der erneuerbaren Stromerzeugung in Bayern, die es zu bewahren gilt. Die Förderung der systemdienlichen Stromerzeugung durch Wasserkraft darf nicht geschmälert werden. Wir brauchen Rahmenbedingungen für die Wasserkraft, die insbesondere Modernisierungen und Nachrü- stungen bestehender Anlagen möglich machen, um die bayerischen Ausbauziele für Strom aus Wasserkraft zu erreichen.“

Im Anschluss referierte Daniel Falbesoner von der Geppert GmbH in Hall in Tirol über das Thema „Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an Wasserkraftturbinen“. Er erläuterte rechtliche und wirtschaftliche Hintergründe, Sicherheit und Betreiberpflichten, den Ablauf der Wartungsarbeiten an Turbine, Rohrleitung, Einlaufbauwerk, Laufrad, Düsen, Leitapparat, Lagern, Wellendichtung sowie Generator und E-Technik und gab abschließend Tipps aus der Praxis.

DK

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