Aus den Kommunenzurück

(GZ-15/16-2017) 
Aus den Kommunen
 ► Denkmalschutzmedaille 2017:
 
Auszeichnung für fünf Bürgermeister 
 

Gemeinsam mit Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil hat Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle in München an 31 Persönlichkeiten und Institutionen, die sich um Bau- oder Bodendenkmäler im Freistaat verdient gemacht haben, die Denkmalschutzmedaille 2017 verliehen. Unter den Ausgezeichneten befinden sich auch fünf Erste Bürgermeister. 

„Mit ihrem Einsatz helfen die Preisträgerinnen und Preisträger ganz wesentlich, die sicht- und begreifbare Geschichte Bayerns zu erhalten. Denkmäler sind lebendige Zeugen der Geschichte; sie geben unserer Heimat ihr Gesicht und stiften Identität. Die Trägerinnen und Träger der Denkmalschutzmedaille haben sich mit Kreativität und Ausdauer um die Denkmäler im Freistaat verdient gemacht. Die Denkmalschutzmedaille würdigt ihren beispielgebenden Einsatz“, unterstrich Minister Spaenle.

Gemeinschaftswerk Denkmalpflege

Generalkonservator Prof. Dipl.- Ing. Architekt Mathias Pfeil betonte: „Ich bin jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, wie vielfältig das Engagement der Trägerinnen und Träger der Denkmalschutzmedaille ist. Sie zeigen mit ihren Verdiensten die ganze Bandbreite der Denkmalpflege – Einzelpersonen, Familien und Vereine, die Denkmäler erhalten, ehrenamtlich Engagierte in der Bodendenkmalpflege, Denkmalvermittlung in den Medien: Es gibt so viele Möglichkeiten, sich im Bereich der Denkmalpflege einzubringen. Denkmalpflege lebt vom Engagement vieler Begeisterter, sie ist ein Gemeinschaftswerk – bei der Verleihung der Denkmalschutzmedaille wird das besonders deutlich.“

Instandsetzung einer Synagoge

Für die Instandsetzung der ehemaligen Synagoge Fellheim (Landkreis Unterallgäu) wurden 1. Bürgermeister Alfred Grözinger und 1. Vorsitzender Christian Herrmann für den Förderkreis Synagoge Fellheim e. V. ausgezeichnet. Ursprünglich 1786 erbaut, war aufgrund erheblicher statischer Schäden bereits 1859 ein größerer Umbau der ehemaligen Fellheimer Synagoge unerlässlich. Im Zug dieser Arbeiten erfolgte eine Neugestaltung im romanischen bzw. maurisch-byzantinischen Stil.

Die Gemeinde ging bei der vorbildlichen Instandsetzung sehr sensibel auf die Geschichte des Hauses ein: Zwar orientierte man sich bei der Instandsetzung am Erscheinungsbild von 1859, doch blieben auch Spuren der zwischenzeitlichen Nutzung als Mehrfamilienhaus erhalten. Heute wird die ehemalige Synagoge Fellheim als kulturelles Zentrum, Lern- und Veranstaltungsort genutzt.

1. Bürgermeister Markus Höfling erhielt für die Instandsetzung der Wein- und Kulturgaden Thüngersheim (Landkreis Würzburg) die Denkmalschutzmedaille. Die ehemaligen Kirchgaden in Thüngersheim sind letzter Bestandteil der früheren Kirchhofummauerung der Pfarrkirche St. Martin. Die sechs Gaden sind als zweigeschossige Satteldachbauten mit unterschiedlicher Firsthöhe überliefert. Sie dienten ursprünglich als wehrhafte Vorratsbauten.

In den letzten Jahren übernahm die Gemeinde Thüngersheim schrittweise die Gaden von ihren früheren Eigentümern und entwickelte ein Konzept zur Nutzung der lange leerstehenden Gebäude. Nach einer substanzschonenden Instandsetzung präsentieren die denkmalgeschützten Gaden heute die Thüngersheimer Geschichte und bieten Raum für kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und die Touristeninformation. Die ursprünglich kleinteilige Struktur wurde bewahrt und die neue Nutzung daran angepasst.

Positiv für das öffentliche Leben

Die vorbildliche Instandsetzung dieses besonderen Baudenkmals wirkt sich positiv auf das öffentliche Leben in Thüngersheim aus: Das Projekt stärkt die Identität der Gemeinde und hat den Ortskern wiederbelebt.

Für die Instandsetzung der historischen Kellergasse Oberhaid (Landkreis Bamberg) wurde 1. Bürgermeister Carsten Joneitis geehrt. Die Kelleranlage im Oberhaider Ortsteil Unterhaid, die zum Ende des 18. Jahrhunderts entstand, diente zunächst ausschließlich der Lagerung von Bier. Im frühen 19. Jahrhundert begannen die örtlichen Brauereien, ihr Bier direkt in der Kellergasse auszuschenken. Ende der 1970er Jahre endete die Nutzung der Unterhaider Kellergasse als beliebter Freizeittreff. Sie verfiel zusehends, bis 2008 zuerst eine Notsicherung und anschließend eine schrittweise Instandsetzung erfolgten. Heute wird in den Sommermonaten wieder Kellerbier ausgeschenkt, einer der Keller wurde zum „Grünen Klassenzimmer“ umgestaltet.

Gemeinde als „oberster Bauherr“

Die Aufgabe von Carsten Joneitis als 1. Bürgermeister der Gemeinde Oberhaid war es, die vielen Bauherren zu koordinieren und in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Gemeinde übernahm die Rolle des „obersten Bauherrn“: Sie war der Ansprechpartner für Fachbehörden und Fördergeber und ging bei der Finanzierung in Vorleistung.

Für ihre Verdienste, dass das wertvolle Gebäudeensemble des Klosters Raitenhaslach (Landkreis Altötting) als Gesamtanlage heute im Eigentum der Stadt Burghausen ist und mit dem Akademiezentrum der TUM eine in die Zukunft gerichtete Nutzung gefunden hat, wurden 1. Bürgermeister Hans Steindl und Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann ausgezeichnet.

Wertvolles Kloster erhalten

2003 erwarb die Stadt Burghausen auf Initiative ihres Bürgermeisters Hans Steindl große Teile des Klosterensembles und bewahrte dieses damit vor einer zersplitternden Verwertung. TUM Präsident Herrmann entwarf die Idee einer Wiederbelebung der barocken Klosteranlage durch eine Nutzung als Akademiezentrum der TU München. Mit diesem Ziel begann die Instandsetzung.

Kloster Raitenhaslach ist ein ganz besonderes Anschauungsobjekt dafür geworden, wie ein Denkmal durch behutsame Instandsetzung als baugeschichtliches Dokument bewahrt und zugleich hochmodern genutzt werden kann.

Fachlich qualifizierte Eigenleistung

Ebenfalls mit der Denkmalschutzmedaille gewürdigt wurden Bürgermeister Leonhard Stork (Gemeinde Thaining), Gertrud Toepfer (Heimatverein Thaining) und Gabriele Klinger (Förderverein Rochlhaus e. V.) für die Instandsetzung des Rochlhauses Thaining (Landkreis Landsberg am Lech). Zum Tag des offenen Denkmals 2015 wurde das Rochlhaus der Öffentlichkeit übergeben: Nach zweijähriger Bauzeit war die Instandsetzung des Denkmals abgeschlossen. 

Nach jahrelangem Leerstand hatte die Gemeinde ihr ältestes profanes Gebäude 2003 erworben. Zur Unterstützung der Gemeinde gründete sich der Förderverein Rochlhaus Thaining. Sein Ziel war es, die Instandsetzung durch fachlich qualifizierte Eigenleistung voranzutreiben. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit machte der Verein zudem auf die Arbeiten aufmerksam und sammelte Gelder für die Rettung des bedrohten Denkmals. Begleitet wurde die Instandsetzung zudem vom Heimatverein Thaining. Die beiden Vereine kümmern sich heute um das denkmalgeschützte Doppelhaus und seine Nutzung. Die gemeinsame Arbeit an der Instandsetzung des Rochlhauses hat in der ganzen Region Vorbildwirkung entfaltet. 

DK

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