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(GZ-10-2021)
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Ich, Pino, First Cat im Rathaus

„Pechschwarz, wunderschön und charakterstark“ lauten die Adjektive, mit denen der Bürgermeister „the first cat“ des Rathauses beschreibt. Sabrina musste den Kater in seinen guten Händen zurücklassen. Pino belauscht jetzt für uns den Rathauschef. Da das kluge Tier über juristische Vorkenntnisse verfügt, kann es sich ohne Weiteres mit „The Chief Mouser to the Cabinet Office”, Socks und Choupette messen.

„So, ich hoffe, Du fühlst Dich im Büro auch ohne Sabrina wohl. Heute mach ich nicht so lange, höchstens bis Vier. Und dann wäre es schön, wenn Du hier irgendwo sitzen würdest – ich habe keine Lust, Dich lange zu suchen.“ Der Bürgermeister kam nach langen Wochen des Homeoffice Dank sinkender Inzidenzzahlen mal wieder in sein Büro. Traurige Premiere: Das erste Mal ein Bürotag ohne Sabrina.
Sabrina hat sich im Auftrag der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nach Afrika aufgemacht, um als Projektleiterin den Aufbau und den nachhaltigen Unterhalt von Schulen zu begleiten. Getreu dem Motto: Bildung ist Zukunft.

Die feierliche Ansprache des Bürgermeisters gebührte mir: Pino. Ich war – oder besser: bin – der Kater von Sabrina. Pechschwarz, wunderschön und charakterstark. Deshalb bringt es der Bürgermeister auch nicht übers Herz, mich ins Tierheim abzuschieben oder mich tagsüber bei sich zu Hause zu lassen. Er hat Sabrina versprochen, sich gut um mich zu kümmern und es bis heute nicht bereut – denke ich.

Natürlich ist eine Katze von einem anderen Kaliber als ein Hund. Ein Hund ist von seinem Herrchen/Frauchen/Diverschen ja abhängig wie der Junkie von der Nadel. Er macht Männchen, holt Stöckchen, gibt Pfötchen oder – igitt – Küsschen, nur damit der ihn besitzende Mensch füttert, tränkt und bei Regen ins Haus lässt.

Für eine Katze undenkbar, dass jemand sie besitzen könnte, soweit man Besitz korrekt als Ausübung der Sachherrschaft versteht (vor Sabrina war ein Amtsrichter mein Wohnungsgenosse). Natürlich ist es bequem zu wissen, wo in der Küche der Napf mit dem feinen Haschee steht, wie treuherzig man schauen muss, um ein Leckerchen zu bekommen und es schmeichelt einen doch, wenn der Hausgenosse oder die Hausgenossin ein absurd teures Katzenglück-Produkt kauft, um angeblichem Feuchtigkeitsmangel entgegenzuwirken.

Aber primär ist eine Katze frei und schert sich um niemanden, vor allem lässt man sich als Katze nicht sagen, was man zu tun oder zu lassen habe. Was natürlich taktisches Handeln nicht ausschließt, also etwa den Kratzbaum zu benutzen statt dem Sofa und auffindbar zu sein, wenn es dem Menschen gefällt. Somit ist es nicht ehrenrührig, wenn ich um Vier gut sichtbar auf dem Fensterbrett des Vorzimmers liegen werde.

Ich werde dann meinen ersten Tag als offizielle Rathaus-Katze Revue passieren lassen und mich in meiner neuen Prominenz sonnen. Schließlich lassen sich eine Reihe außergewöhnlicher Katzen nennen, die es auf administrativer Ebene zu etwas gebracht haben. Da ist etwa Socks, die „first cat“ der Vereinigten Staaten, als Bill Clinton Herr im Weißen Haus war. Oder gar eine Institution wie „The Chief Mouser to the Cabinet Office”, der oberste Mäusefänger in Downing Street 10. Das Amt geht auf die Zeit Heinrichs VIII zurück und der Kollege ist Beamter, dessen Unterhalt die Krone im Jahr 100 Pfund kostet. Anders als Socks und ich ist er auch nicht an den amtierenden Hausherrn gebunden, sondern sieht die Premierminister kommen und gehen.

Bleibt nur noch die Frage übrig, wieso Sie von mir heute und fortan regelmäßig in dieser Kolumne lesen können. Eine Katze die hört, denkt und schreibt – etwa in dieser Reihenfolge? Ein Kater, der über rudimentäre juristische Bildung verfügt, Geschichtskenntnisse hat und gespannt das politische Geschehen verfolgt? Gut, etwas Geheimnis und Rätselhaftigkeit möchte ich um mich und meine Person schon wissen. Aber wenn Karl Lagerfelds Choupette oder Meredith von Taylor Swift über eigene Twitterkanäle verfügten, warum soll ich dann keine Kolumne schreiben?

Mein Chef, der Bürgermeister, ist, wie zu erwarten war, nicht um Vier, sondern erst um Sechs aus seinem Büro aufgetaucht, um nach Hause zu fahren. Er sah mich freudig auf der Fensterbank und nahm mich auf den Arm. Jede Wette, er dachte an Rainer Maria Rilke: „Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe“.

Ihr Pino

Pino

 

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