Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-15/16-2021)
gz kommentator josef mederer
 

► Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern:

 

Denkmäler schaffen Heimat

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht hatten Sie in den Monaten des Lockdowns Gelegenheit, Ihre nähere Umgebung intensiver zu erkunden, als Sie das vorher gemacht haben. Und vielleicht haben Sie dabei auch die eine oder andere Entdeckung gemacht: Ein historischer Friedhof, an dem Sie immer nur vorbeigefahren sind. Die Fassaden der Häuser in einer Einkaufsstraße, deren Schönheit in „normalen Zeiten“ nicht aufgefallen ist. Oder eine Kirche, die mit ihren vielen An- und Umbauten von vielen Jahrhunderten erzählt.

Kirchen, Kapellen und Klöster, Schlösser und Landsitze, Bauern- und Bürgerhäuser: Denkmäler schaffen Heimat. Sie sind ein augenfälliger Bestandteil unserer Geschichte und prägen das äußere Erscheinungsbild Oberbayerns enorm. Dass sie heute noch existieren und auch künftigen Generationen erhalten bleiben, haben wir den vielen privaten, kirchlichen und kommunalen Eigentümerinnen und Eigentümern zu verdanken, die Zeit und Geld in den Erhalt denkmalgeschützter Bauwerke und Objekte investieren.

Weil dem Bezirk Oberbayern die große Bedeutung des Denkmalschutzes bewusst ist, engagieren wir uns dafür schon seit vielen Jahren mit einem eigenen Förderprogramm. Zwei Mal im Jahr vergibt der Bezirk Zuschüsse für die Denkmalpflege. Über 30 Millionen Euro sind seit 2004 auf diesem Weg an Kirchenstiftungen, Kommunen und Privatpersonen geflossen. Aktuell stellen wir jährlich rund 2,5 Millionen Euro dafür bereit. Das ist ein enormer Rückfluss der Bezirksumlage in die Landkreise und Städte, der letztlich allen zugute kommt.

Neben dem finanziellen Aspekt haben wir mit unserer Denkmalpflegeförderung natürlich auch eine politische Entscheidung getroffen. Denn während der Schutz von Natur und Umwelt heute allgemein anerkannt ist, wird der Schutz von historischen Gebäuden oft kontrovers diskutiert. Der Bezirk Oberbayern hat sich in dieser Frage eindeutig positioniert:

Er fördert alle Eigentümerinnen und Eigentümer denkmalgeschützter Objekte, ob privat, kirchlich oder kommunal. Wir finden, dass das der beste Weg ist, zum Erhalt unserer einzigartigen Kulturlandschaft beizutragen.

Wir alle wissen aber auch, dass die Sanierung alter Gemäuer langwierig und aufwändig sein kann. Von Bauabschnitt zu Bauabschnitt, nach vielen oftmals nicht leicht zu treffenden Entscheidungen ist es verständlich, dass sich die eine oder der andere fragt: Lohnt sich das überhaupt? Wäre ein Neubau an dieser Stelle nicht einfacher und lukrativer gewesen? Es ist zweifelsohne eine gewaltige Leistung, eine in die Jahre gekommene Immobilie instand zu setzen oder instand zu halten. Der Bezirk Oberbayern möchte dieses große Engagement deshalb – über seine Förderung hinaus – noch einmal besonders würdigen. Er hat deshalb den Oberbayerischen Denkmalpreis ins Leben gerufen.

Bei der ersten Vergabe des Preises hat er fünf vorbildlich sanierte Denkmäler ausgezeichnet: das Bauernhaus „Beim Fesiger“ in Altomünster (Landkreis Dachau), die Kaitl-Alm bei Ruhpolding (Landkreis Traunstein), den Schacky-Park bei Dießen am Ammersee (Landkreis Landsberg am Lech), das ehemalige Schusterhaus in Kochel am See (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und die Burgruine Werdenfels im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Das Preisgeld betrug in diesem Jahr insgesamt 17.000 Euro. Maximal vergeben wir für den Oberbayerischen Denkmalpreis 25.000 Euro.

Voraussetzung für die Auszeichnung ist, dass die Objekte innerhalb der letzten drei Jahre Mittel aus dem Förderprogramm der Denkmalpflege vom Bezirk Oberbayern erhalten haben. Weitere Kriterien sind die fachliche Qualität, die Aspekte Nachhaltigkeit und Ökologie sowie die kulturelle Bedeutung der Denkmäler für Oberbayern. Die Auswahl hat eine Jury getroffen, der neben Mitgliedern des Bezirkstags von Oberbayern und Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler auch jeweils ein Vertreter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege sowie des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege angehören. Den Preis verleiht der Bezirk Oberbayern alle zwei Jahre.

Die erste Verleihung unseres neuen Preises war auch für uns beim Bezirk Oberbayern eine schöne Erfahrung. Denn wir durften miterleben, wie stolz die Ausgezeichneten auf das von ihnen Erreichte sind. Wer sich intensiv mit einem alten Haus beschäftigt, der lebt mit ihm und hält die Geschichte eines Gemäuers lebendig, das ihn später selbst einmal überleben wird. Das hat eine ganz eigene Qualität.

Denkmäler verbinden die Zeiten miteinander. Sie sind Zeugen unserer Geschichte, zu der nicht nur idyllische Parkanlagen, Almen, Schlösser oder Kirchen gehören, sondern auch Industriedenkmäler und Gedenkstätten. Aus diesem Grund haben wir auch einen von neun Anerkennungspreisen an die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung e. V. verliehen, die die Tonröhrenbauwerke auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII im Landkreis Landsberg am Lech vor dem Einsturz bewahrt.

Denkmäler führen aber auch in die Zukunft. Deshalb freut es mich persönlich immer besonders, wenn „neues Leben in alte Mauern“ einzieht. Viele Gebäude schreien ja regelrecht nach einer neuen Nutzung. Und so finde ich es nur folgerichtig, wenn ein ehemaliges Mesnerhaus, ein einstiger Kuhstall oder eine Tenne heute neu genutzt werden: als Jugend- oder Kulturzentrum, Alters-WG oder hochwertiger Wohnraum.

Ihr Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, Präsident des Bayerischen Bezirketags

 

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