Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-11-2020)
Kommentar von Christoph Göbel
 

► Christoph Göbel, stv. Landesvorsitzender der KPV Bayern, Landrat des Landkreises München:

 

Die Pandemie beschleunigt auch positive Prozesse

Liebe Leserinnen und Leser,

noch Anfang dieses Jahres konnte sich vermutlich kaum jemand vorstellen, dass nur wenige Monate später ein Krankheitserreger nahezu die ganze Welt fest im Griff haben würde. Binnen kürzester Zeit wurde unser Leben – das Privat- wie das Arbeitsleben – gründlich auf den Kopf gestellt. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Schulen, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen – nichts war so – und ist es teilweise noch immer –  wie wir es aus den vergangenen Jahrzehnten gewohnt waren.

Auch der Behördenalltag wurde innerhalb weniger Tage massiv umgekrempelt. Gesundheitsämter mussten personell verstärkt und zum Teil organisatorisch neu aufgestellt werden, aber auch ein Großteil der restlichen Verwaltung – sowohl in den Landratsämtern als auch in Gemeinde- und Stadtverwaltungen – bekommt die Auswirkungen der Pandemie in der täglichen Arbeit zu spüren.

Gleiches gilt für die Bürgerinnen und Bürger, die die Dienstleistungen der Ämter in Anspruch nehmen wollen. In der Anfangszeit wurde der Parteiverkehr in vielen Behörden erst einmal drastisch heruntergefahren, Vorsprachen waren vielfach nur mit vorheriger Anmeldung möglich, persönliche Kontakte wurden größtenteils auf Telefon und elektronische Wege verlegt.

Auch die finanziellen Folgen der Pandemie machen sich in den Behörden mittlerweile massiv bemerkbar; denn wer hatte schon solch große Summen für die Beschaffung von Schutz-
ausrüstung und Desinfektionsmitteln für die Ausstattung von Test- und Behandlungszentren, die Einrichtung von Quarantäneunterkünften für Geflüchtete und vieles mehr im Blick, als im vergangenen Jahr der Haushalt aufgestellt wurde? Und wenn die unmittelbaren Ausgaben heute vielleicht noch irgendwie bezahlbar erscheinen, spätestens mit dem zu erwartenden Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen bekommen Kommunen und zeitversetzt die Landkreise die Auswirkungen der Corona-Krise finanziell noch schmerzlich zu spüren.

Aber in allem Schlechten liegt auch immer etwas Gutes. Wer bisher daran zweifelte, dass ein Großteil der Aufgaben auch im Homeoffice erledigt werden kann, ist spätestens jetzt eines Besseren belehrt worden. Wie viele andere Verwaltungen und Unternehmen haben auch wir im Landratsamt München innerhalb weniger Tage die Homeoffice-Quote drastisch erhöht.

Natürlich ist in vielen Arbeitsbereichen der unmittelbare persönliche Kontakt wichtig, vielfach auch unerlässlich, in anderen Bereichen funktioniert die Kundenbetreuung aber mindestens genauso gut per Telefon und E-Mail. Das birgt viele Chancen, zum Beispiel für Beschäftigte, die aus ihrer familiären Situation heraus nicht so oft ins Büro fahren können und deshalb deutlich weniger arbeiten als sie könnten und möchten.

Auch für die gerade im städtischen Umfeld immer knapper werdende Ressource Raum ist es ein echter Gewinn, wenn auch nach überstandener Pandemie mehr vom Schreibtisch daheim gearbeitet wird. Ebenso können die Umwelt und die überlasteten Verkehrssysteme merklich entlastet werden, wenn Arbeitsort- und Arbeitszeit flexibler genutzt werden.

Und nicht zuletzt wirkt sich die Situation – so zumindest mein Gefühl – positiv auf den Zusammenhalt in den Verwaltungen aus. Retten wir also die positiven Auswirkungen dieser ansonsten wenig erfreulichen Situation mit in die Zukunft. Dann können wir auch gestärkt daraus hervorgehen.

Ihr Christoph Göbel, stv. Landesvorsitzender der KPV Bayern, Landrat des Landkreises München

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