Interviews & Gesprächezurück

(GZ-1/2-2021)
GZ-Interview mit LEW-Vorstand Norbert Schürmann
 

► GZ-Interview mit LEW-Vorstand Norbert Schürmann:

 

Auf dem Weg zur Energie von morgen

Mit ihrem breiten Leistungsspektrum zeigt sich die Lechwerke AG gut für die Zukunft aufgestellt. „Mit LEW haben Bürger und Kommunen einen verlässlichen Partner an der Seite, der Strom, Gas, Wärme und Glasfaser aus einer Hand liefert“, unterstrich LEW-Vorstand Norbert Schürmann im Gespräch mit der Bayerischen GemeindeZeitung.

GZ: Thema Breitbandausbau: Deutschland rangiert hier im internationalen Vergleich nicht auf den vorderen Rängen. Auch im Inland zeigt sich ein starkes Gefälle zwischen Stadt und ländlichen Regionen. Wie beurteilen Sie den Ausbauzustand generell? Welche Maßnahmen von Bund und Land wären dringend notwendig?

Schürmann: Aufgrund des enormen Bedarfs an Datenvolumen, der in Deutschland innerhalb von zehn Jahren um das Zehnfache steigen wird, ist es absolut erforderlich, eine leistungsfähige Dateninfrastruktur aufzubauen.

Laut dem Bundesverband Breitbandkommunikation BREKO werden 2025 mehr als 75 Prozent der Haushalte Bandbreiten in einer Größenordnung von mehr als 500 Mbit/s nachfragen. Glasfaser ist dabei die Technologie, die hohe Bandbreiten garantiert. Im städtischen Bereich liegt die Verfügbarkeit von 1.000 Mbit/s oder mehr Bandbreite pro Haushalt derzeit bei rund 80 Prozent, im ländlichen Bereich dagegen nur bei unter 20 Prozent.

GZ: Was hat LEW als regionalen Energieversorger bewogen, in den Telekommunikationsmarkt einzusteigen?

Schürmann: Die LEW-Gruppe ist seit Jahrzehnten in der Stromerzeugung, der Stromverteilung und dem Energievertrieb aktiv. Um unsere Netzinfrastruktur zu steuern, haben wir eigene Glasfaserleitungen genutzt. Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde die LEW TelNet GmbH gegründet. Sie erbrachte zunächst vor allem interne Dienstleistungen für die LEW-Gruppe.

Weil sich Bedarf und Rahmenbedingungen entsprechend entwickelten, entschlossen sich die Lechwerke in der Folge, die Wertschöpfung zu vertiefen und mit LEW TelNet auch Angebote für Unternehmen und Behörden aufzulegen. Als Bund und Land 2009 entsprechende Breitband-Förderprogramme ins Leben riefen, nutzten wir auch diese konsequent.

Mittlerweile kann LEW TelNet auf einen erheblichen Marktanteil in unserer Region verweisen. In einzelnen, ausgewählten Kommunen setzen wir auch privatwirtschaftlichen Ausbau von Glasfaser um.

Förderprogramme nutzen

GZ: Ist es möglich, privatwirtschaftlichen Ausbau mit Förderprogrammen zu ergänzen?

Schürmann: Auch das. Seit 2009 nutzt LEW TelNet gemeinsam mit Kommunen Förderprogramme zur Breitbandgrundversorgung in Bayern zum Aufbau von Hochgeschwindigkeitsnetze in Bayern. Gerade im ländlichen Raum bei der Erschließung von Orten und Ortsteilen in den Außenbereichen sind nicht selten einzelne Weiler und Höfe anzutreffen. Hier raten wir den Kommunen, entsprechende Förderprogramme zu nutzen, um am Ende eine flächendeckende Erschließung mit guter Versorgung zu gewährleisten.

Darüber hinaus enthält unser Portfolio auch eigenwirtschaftlichen Ausbau: etwa bei Neubau- und Gewerbegebieten sowie in ausgewählten Kommunen mit dem Produkt LEW Highspeed, mit dem wir Internet, Telefonie und TV-Dienste über Glasfaser bis ins Haus bieten. Unser Ziel ist, gemeinsam mit den Kommunen in unserer Region den Breitbandausbau bestmöglich voranzutreiben.

GZ: Wie ist die Nachfrage? Wie weit reicht Ihr Aktionsradius?

Schürmann: LEW TelNet hat seit 2009 insgesamt etwa 250 Breitbandprojekte umgesetzt. Der privatwirtschaftliche LEW Highspeed-Glasfaserausbau (seit 2018) umfasst aktuell 14 Projekte. Unser Versorgungsgebiet schließt sowohl Schwaben als auch traditionell Teile Oberbayerns mit ein.

Zwischen Donauwörth und Schongau, von Landsberg bis Ulm, betreiben wir ein mittlerweile 4.500 Kilometer langes Glasfasernetz. In diesem Bereich sind wir der größte regionale Glasfasernetzbetreiber. Zum Vergleich: Als LEW TelNet 1997 an den Start ging, waren es 700 Kilometer, 2009 mit Beginn des Förderprogramms 1.100 Kilometer und 2018 3.000 Kilometer Glasfasernetz.

GZ: Welche Schritte umfasst der Breitbandausbau mit LEW Highspeed?

Schürmann: LEW Highspeed setzen wir in ausgewählten Kommunen um. Am Anfang steht zunächst einmal die Abstimmung mit Bürgermeistern und kommunalen Gremien. So eine flächendeckende Glasfasererschließung ist ein Kraftakt, bei dem alle gemeinsam an einem Strang ziehen müssen. Dann gehen wir in die so genannte Vorvermarktung, die in der Regel zwei Monate dauert. Mittels Veranstaltungen vor Ort bzw. Online-Beratungen ist die Marktresonanz dann sehr schnell spürbar.

Fakt ist, dass in den allermeisten Fällen die nötige Vorvermarktungsquote von mehr als 35 Prozent der Haushalte erreicht wird, oft deutlich mehr. Gehen wir in die Umsetzung mit LEW Highspeed, haben Kunden dann zum Beispiel den Vorteil, den Hausanschluss kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen sehr eng und konstruktiv. Das hat auch damit zu tun, dass die Lechwerke bereits seit 120 Jahren in der Region aktiv sind.

Wichtiger Standortfaktor

GZ: Das heißt, Sie haben keine Schwierigkeiten, Kommunen zu finden, die ausbauen wollen?

Schürmann: Das ist richtig. Die Glasfasertechnologie ist ein wichtiger Standortfaktor, für uns ein klares Wachstumsthema. Gerade in den vergangenen Corona-Monaten haben uns übrigens auch viele Unternehmenskunden mit Blick auf das Thema Homeoffice vermehrt kontaktiert. Bei diesen Kunden haben wir dann schnell höhere Übertragungskapazitäten zur Verfügung gestellt. So konnten wir den Geschäftsbetrieb der Unternehmen unterstützen und zudem einen Mehrwert in der Region generieren.

GZ: Die Lechwerke AG gehört jetzt ebenso wie das Bayernwerk zur E.ON-Gruppe. Gibt es Projekte, in denen der Breitbandausbau gemeinsam gestemmt wird?

Schürmann: In der Gemeinde Merching haben LEW und Bayernwerk als Netzanbieter erfolgreich ein gemeinsames Glasfaser-Pilotprojekt gestartet. Nun wird das Breitbandnetz der Gemeinde auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

GZ: Themenwechsel. Die Lechwerke blicken – wie bereits erwähnt – auf eine 120-jährige Geschichte zurück. Der Name verrät, wo der Konzern seinen Ursprung hat. Wie wichtig ist die Wasserkraft für das Erreichen einer Energiewende und sehen Sie in Ihrem Versorgungsgebiet oder generell Ausbaupotenzial?

Schürmann: Verglichen mit anderen Bundesländern ist die Wasserkraft in Bayern eine sehr starke erneuerbare Energiequelle. Unsere Wasserkraft verknüpft in idealer Weise Tradition und Moderne. Das ist auch die DNA der Lechwerke.

Wir wollen Gestalter sein für die Energiewende in Bayerisch-Schwaben. Gerade LEW Wasserkraft steht für die Optimierung der Wasserkraft, für Nachhaltigkeit und neue Wege der Zusammenarbeit im Dialog mit Kommunen, Verbänden, Vereinen, Anliegern und der Wissenschaft. Nicht umsonst wurde sie 2019 mit dem Bayerischen Umweltpreis ausgezeichnet. Die Wasserkraft ist der Ursprung der LEW und gleichzeitig wichtiger Baustein der Energiezukunft.

GZ: Welche Möglichkeiten bieten sich aktuell?

Schürmann: Wir sehen zwar momentan keine Möglichkeit, Wasserkraftwerks-Neubauten zu realisieren. Aber wir sehen die Chance, Modernisierungsprojekte weiter voranzutreiben, sprich beispielsweise den Wirkungsgrad zu steigern. Womit wir wieder beim Thema Digitalisierung sind.

GZ: Das heißt, es werden jetzt nicht unbedingt neue Turbinen eingebaut, sondern es wird digital nachjustiert?

Schürmann: Sowohl als auch. Am LEW-Wasserkraftwerk in Meitingen beispielweise, das neben den Werken in Gersthofen und Langweid als UNESCO-Welterbestätte ausgezeichnet wurde, haben wir neben der Modernisierung der Kraftwerkssteuerung auch neue Turbinen eingebaut, die jetzt einen noch höheren Wirkungsgrad haben.

Natürlich sind wir immer bestrebt, unsere Prozesse zu optimieren und damit effizienter zu realisieren. In Hochwasser-Situationen müssen wir zum Beispiel immer auch darauf vorbereitet sein, die Fahrweise der Wasserkraftanlagen entsprechend anzupassen. Hierzu ist ein störungsfreier Betrieb erforderlich.

Deshalb haben wir unsere Wasserkraft-Anlagen weitestgehend mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet. Dank der umfassenden Digitalisierung lassen sich nun von unserer Zentralwarte aus alle Kraftwerksfunktionen kontrollieren und bedienen. Mögliche Störungen können präzise analysiert und wo möglich über eine Fernwartung beseitigt werden. Zudem lassen sich die Funktionen des Leitsystems nun auch von außerhalb der Zentralwarte aufrufen. Zum Beispiel vom Laptop eines Servicetechnikers, der vor Ort im Kraftwerk eine Wartung durchführt.

Das Soll ist (fast) erfüllt

GZ: Im Energiekonzept der Bundesregierung ist ein Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von 80 Prozent für das Jahr 2050 vorgesehen. Wie hoch ist der Anteil im Energiemix der LEW und welche Position hat die Wasserkraft in diesem Gefüge?

Schürmann: 2019 betrug der Anteil der erneuerbaren Energiequellen in unserem Stromnetz mehr als 70 Prozent, 2020 nach ersten Schätzungen sogar nahezu 80 Prozent. Dabei haben Wasserkraft und Photovoltaik in unserem Versorgungsgebiet jeweils einen Anteil von 36 Prozent, Biomasse 23 Prozent und Wind 5 Prozent. Vor allem die Photovoltaik entwickelt sich dynamisch.

GZ: Stichwort Elektromobilität: Wenn der regional erzeugte Strom auch noch regional genutzt wird, wie mit der Elektromobilität möglich, bleibt die Wertschöpfung daheim. Welche Vorteile ergeben sich für Kommunen, als Vorbild voranzugehen und ihren Fuhrpark entsprechend umzustellen?

Schürmann: Wir setzen auf Elektromobilität. Sie ist ein wichtiger Erfolgsfaktor der Verkehrswende. Diese Antriebsform ist aus unserer Sicht die richtige strategische Ausrichtung für die nächste Generation.

Auch hier spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle: Mithilfe intelligenter Ladesteuerung kann ein teurer Netzausbau vermieden und Elektromobilität wettbewerbsfähig gemacht werden. Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigen wir in einer Tiefgarage in Meitingen. Dort haben wir mehrere Stellplätze mit Ladeboxen ausgestattet und ein dynamisches Lastmanagement integriert, unseren sogenannten eLoad Manager. Das Lastmanagementsystem passt die Ladeleistung dynamisch an den Stromverbrauch im Gebäude an.

Die E-Autos werden mit der Leistung geladen, die das Gebäude aktuell nicht benötigt. Das verhindert eine Überlastung der Leitungen und ermöglicht gleichzeitig komfortables Laden auch mehrerer Fahrzeuge am selben Entnahmepunkt. Eine aufwendige und teure Erhöhung der Leistung ist damit nicht nötig.

GZ: Im Dezember hat der Bund durch eine Gesetzesänderung den Einbau privater Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Mehrfamilienhäusern erleichtert. Sehen Sie hier eine Chance für den Umstieg der Bevölkerung auf Elektrofahrzeuge?

Schürmann: Das ist ein weiterer wichtiger Baustein. Wir stellen aktuell einen erheblichen Zuwachs an Neuanmeldungen von Elektrofahrzeugen fest. Dies hat u.a. mit dem neuen Programm der Bundesregierung „Ladestationen für Elektroautos – Wohngebäude“ (KfW 440) zu tun. Ziel ist es, Privatpersonen zum Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge zu motivieren. Dabei wird ein Investitionszuschuss von 900 Euro pro Ladepunkt gewährt. Insgesamt werden 250.000 private Ladepunkte gefördert.

Übrigens betreibt LEW mit mehr als 300 öffentlichen Ladepunkten das größte Ladenetz in der Region. Die Strommengen für alle Ladepunkte stammen ausschließlich aus erneuerbaren Quellen.

Smart City Konzepte

GZ: Elektromobilität ist nur ein Baustein für eine smarte City oder Region. Beschäftigt sich die LEW mit der Digitalisierung von Kommunen und wenn ja, welche Angebote haben Sie an unsere Leser?

Schürmann: Um sog. Smart City Konzepte umzusetzen, haben wir ein Produkt namens Inno.Live entwickelt. Gemeinsam mit den kommunalen Verwaltungen werden dabei mittels Sensoren Abläufe und Services intelligent vernetzt und digital gesteuert. Dadurch können die Kommunen ihre Arbeitsabläufe optimieren, den Bürgerservice verbessern und Kosten einsparen.

GZ: Haben Sie praktische Beispiele für die digitale Steuerung kommunaler Abläufe?

Schürmann: LEW Inno.Live besteht aus drei Komponenten: Sensoren, einem Funksystem und einer eigens entwickelten Datenbank. Die Sensoren erkennen beispielsweise, ob Türen offen oder geschlossen sind, melden volle Müllbehälter oder zeigen an, wann Blumenbeete gegossen werden müssen. Diese Daten übermitteln sie über ein besonders kostengünstiges und energiesparendes LoRa-Funksystem. Über ein Gateway werden die Daten in einem weiteren Schritt per Mobilfunk in eine zentrale Datenbank übertragen und dort aufbereitet. In einem Online-Portal stehen die Informationen den Nutzern zur Verfügung.

Der Effekt ist, dass Kosten reduziert und beispielsweise Fahrwege optimiert werden. Das ist dann auch wieder ein Beitrag zum Klimaschutz. Das Produkt Inno.Live ist in einigen Kommunen wie Stadtbergen, Königsbrunn und Denklingen bereits umgesetzt, mit zahlreichen weiteren Kommunen sind wir im Gespräch.

GZ: Um solche Angebote entwickeln zu können, werden viele Daten benötigt. Welche Zukunftsvision kann mit diesem „Rohstoff der Zukunft“ eines Tages Wirklichkeit werden?

Schürmann: Mit Blick auf die Energiewirtschaft ist die Digitalisierung ein wichtiger Baustein, um unser Klimaschutzziel 2050 zu erreichen. Aus unserer Sicht ist es möglich, ein Energiesystem aus vielen tausend erneuerbaren Energiequellen aufzubauen. Deshalb lautet unsere Strategie: Energiezukunft – grün, digital, dezentral. Unsere Zukunftsvision ist der Dreiklang aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit.

DK

 

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