Interviews & Gesprächezurück

(GZ-23-2018)
gz interview mit matthias diessl
 

► GZ-Interview mit Herrn Landrat Matthias Dießl, Vorsitzender AGFK Bayern und Landrat des Landkreises Fürth:

 

Radverkehr gemeinsam fördern

GZ: Herr Dießl, jüngst wurde die Studie Mobilität in Deutschland veröffentlicht. Der Radverkehrsanteil ist nur gering gestiegen. Welche Rolle kann ein kommunaler Verband wie die AGFK dabei spielen, den Radverkehr zu fördern?

Matthias Dießl: Die AGFK ermöglicht es Kommunen, die den Radverkehr stärken wollen, von bewährten Praxisbeispielen zu lernen. Mit 65 Mitgliedskommunen ist ein enormes, praktisches Fachwissen im Netzwerk vorhanden.

Die AGFK bietet außerdem Veranstaltungen wie Seminare und Exkursionen an. Es gibt also immer wieder neuen Input von Experten, den man in der Form als einzelne Kommune wohl auf diese Weise nicht bekommen würde. Mit der Förderung unserer Mitgliedskommunen kann der Verein aktiv auf eine weitere positive Entwicklung des Radverkehrs hinarbeiten.

GZ: Der Freistaat Bayern hat im vergangenen Jahr ein Radverkehrsprogramm aufgelegt, um den Radverkehr zu fördern. Kann man also davon ausgehen, dass nun der große Wurf für den Radverkehr kommt?

Dießl: Das Radverkehrsprogramm begrüße ich sehr. Ziel ist demnach bis zum Jahr 2025 ein Radverkehrsanteil von 20
Prozent. Mit dem Programm zeigt der Freistaat zwar den Weg zu diesem Ziel auf, aus unserer Sicht ist das Programm aber an einigen Stellen noch zu unkonkret. Wir haben deshalb 15 Forderungen an den Freistaat formuliert, die das Radverkehrsprogramm schärfen und so den Anstieg des Radverkehrs maßgeblich voranbringen sollen.

Im Wesentlichen geht es darum, Hürden für Kommunen in der Umsetzung fahrradfreundlicher Maßnahmen abzubauen. Ein Beispiel ist die erleichterte Anweisung von Tempo 30 an Hauptstraßen oder auch mehr Unterstützung bei der Errichtung von Fahrradabstellanlagen. Wenn Kommunen mehr für die Fahrradfreundlichkeit tun wollen, müssen alle Voraussetzungen geschaffen sein, dass sie dies möglichst einfach umsetzen können. 

GZ: Der Löwenanteil dürfte aber doch weiterhin bei den Kommunen liegen – immerhin wird das Fahrrad ja vor allem für kürzere Distanzen genutzt?

Dießl: Ja, das stimmt. Deshalb gibt es auch Netzwerke wie die AGFK, um die Kommunen zu unterstützen. Wichtig ist, dass wir wirklich Wert auf das „fahrradfreundlich“ legen. Wer bei uns Mitglied ist, muss Radverkehrsförderung wirklich ernst nehmen und auch immer wieder nachweisen.

Deshalb gibt es das Zertifizierungsverfahren, das die Situation vor der Aufnahme in die AGFK auf Herz und Nieren prüft. Dabei zeigt sich, 
ob eine Kommune wirklich auf dem Weg in die Fahrradfreundlichkeit ist. Und wenn nicht, erhält die Kommune viele konkrete Vorschläge, wie sie das schaffen kann.

GZ: Der Landkreis Fürth, dessen Landrat sie sind, hat sich selbst zertifizieren lassen. Ist diese Überprüfung nicht eher abschreckend?

Dießl: Nein, im Gegenteil. Obwohl die Prüfung umfassend ist, sehen die meisten Kommunen die Bereisung als wertvolle Beratung an. Die grundsätzliche Entscheidung der Kommunen, fahrradfreundlich zu werden und den Mitgliedsantrag zu stellen, ist ja vorher schon erfolgt – die Bereisung ist dann also eine echte und ehrliche Bestandsaufnahme – und zeigt auf, was unter Umständen noch getan werden muss. Auch im Landkreis Fürth haben wir hier viele gute Tipps und einige Hausaufgaben bekommen.

GZ: Im letzten Jahr war eine Delegation der AGFK in Amsterdam. Glauben Sie, dass es irgendwann Besuchergruppen gibt, die nach Bayern kommen um die Fahrradfreundlichkeit zu bestaunen?

Dießl: So beeindruckend Amsterdam ist, war es für mich als Entscheidungsträger besonders spannend zu erfahren, welche Entwicklung die Stadt überhaupt genommen hat: Bis in die 1970er Jahre hat sich Amsterdam nämlich in puncto Verkehr überhaupt nicht von anderen großen, europäischen Städten unterschieden.

Es war dann eine bewusste politische Entscheidung: weg vom Auto, hin zum Rad. Erst das hat all die Veränderungen angestoßen, deren Ergebnisse wir heute in so beeindruckender Art sehen. Wenn wir es also schaffen, dieses Gesamtverständnis für mehr Radverkehrsförderung in den Kommunen langfristig zu etablieren, ist ein solcher Wandel sicherlich auch in Bayern lang-fristig möglich.

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