Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-21-2016)
Kommentar von Stefan Rößle
 
► Stefan Rößle, Landrat im Landkreis Donau-Ries, KPV-Landesvorsitzender:
 
Lust aufs Land wecken

Liebe Leserinnen und Leser,

etliche Befragungen aus den vergangenen Jahren haben ergeben, dass das Leben auf dem Land als attraktiv empfunden wird und viele Menschen gerne im Grünen wohnen wollen. Leben auf dem Land kann auch enorm viel Lebensqualität bieten: Die Natur mit Wald und Wiese lockt, so beginnt der sonntägliche Spaziergang in sauberer und frischer Luft direkt vor der eigenen Haustür. Die Verkehrsbelastung ist vergleichsweise gering und in idyllischer Stille lässt sich herrlich vom stressigen Berufsalltag entspannen.

Tomaten und Gurken aus dem eigenen Anbau schmecken ohnehin viel besser als die lastwagengereiften Massenprodukte aus den holländischen Großgewächshäusern vom Supermarkt. Auf dem Land können zudem geliebte Haustiere wie Hund und Katze mit viel Auslauf artgerecht gehalten werden. Scheune, Wald und kleine Bäche versprechen für den Nachwuchs eine Kindheit voller Abenteuer. Man kann Feste feiern, wie sie fallen: Im eigenen Haus beschwert sich kein Nachbar über Ruhestörung. Auch das soziale Miteinander in den örtlichen Vereinen und die Nachbarschaftshilfe werden hier noch groß geschrieben, denn jeder kennt jeden. Darüber hinaus ist das Leben auf dem Land für Sparfüchse bestens geeignet. Ob Autoversicherung, Miete, das eigene Haus auf schönem Grundstück oder die Pizza beim Italiener - in vielen Fällen ist der Lebensunterhalt günstiger als in urbaner Umgebung.

Ich könnte jetzt meine blumige Aufzählung der positiven Aspekte noch beliebig fortsetzen und damit den Eindruck untermauern, dass die Lust aufs Land ungebrochen ist und den kleinen Städten, Gemeinden und Dörfern quasi automatisch eine goldene Zukunft bevorstünde. Doch weit gefehlt. Nicht zuletzt durch den demografischen Wandel, die Zugkraft der pulsierenden Metropolen und den Strukturwandel in Wirtschaft und Landwirtschaft ist in den ländlichen Räumen die Liste der großen Herausforderungen nach wie vor sehr lang. Als Kommunalpolitiker vor Ort haben wir mit vielen großen und kleinen Baustellen zu kämpfen, um auf dem „Land“ gute Rahmenbedingungen zu bieten.

Dazu gehören unter anderem die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der Nahversorgung mit Einzelhandel und Wirtshaus, Haus- bzw.  Fachärzte und schnelles Internet bis in den letzten Weiler. Die Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) kämpft seit Jahren erfolgreich für eine Unterstützung von Seiten der höheren politischen Ebenen und der Freistaat Bayern sowie der Bund stellen auch diverse Förderprogramme zur Verfügung. Aber dennoch sind aufgrund unterschiedlichster Ausgangssituationen kreative Lösungsansätze von Nöten.

Dabei ist auch das Thema Leerstände von wachsender Bedeutung. In immer mehr Innenstädten stehen Gebäude leer, sei es im Einzelhandel durch Geschäftsaufgaben, weil es an Nachfolgern mangelt oder aus rein wirtschaftlichen Gründen wegen der zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet. In den Ortschaften sind meist aufgrund des demografischen Wandels Häuser und ganze Höfe verlassen und liefern ein trostloses Bild. Auf der anderen Seite fehlt es auch im ländlichen Raum oftmals an geeignetem Wohnraum. Viele private Grundstücke in den Innenbereichen liegen brach. Der Schuh drückt also in doppelter Hinsicht: Zum einen herrscht im Freistaat insgesamt ein enormer Flächenverbrauch durch Neu- und Straßenbau. Neue Baugebiete werden dabei vor allem auf der grünen Wiese erschlossen. Zum anderen leeren sich die ländlichen Ortskerne zunehmend bzw. leben dort mittlerweile vorwiegend ältere Personen.

Um diese Entwicklung etwas einzudämmen, kann ein intelligentes Flächenmanagement allen beteiligen Akteuren Hilfestellung bieten. Ein derartiges Projekt haben wir aktuell in unserem Landkreis Donau-Ries mit einigen Modellkommunen gestartet. Ziel ist es, durch die Sammlung von Daten über Leerstände und Verkaufsabsichten  letztendlich mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen – auch für die Gruppe der Einpendler. Wir wollen damit auch innerörtliche Baulücken schließen und dadurch mehr Leben in die Ortskerne bringen.

Wir sind uns durchaus bewusst, dass diese Maßnahme mit viel Arbeit und etwas Geduld verbunden sein wird. Denn gerade vor dem Hintergrund  der Niedrigzinspolitik werden wir gegenüber den Immobilienbesitzern große Überzeugungsarbeit leisten müssen. Zudem wird auch nach wie vor Wohnbauland in gewissem Maße großflächig ausgewiesen werden. Trotzdem ist das Potenzial eines intelligenten Flächenmanagements enorm groß. Es verkörpert ein hochwirksames Instrument, um schrittweise das Werben um Flächen und Leerstand anzuschieben. Denn insgesamt wollen wir als kommunale Mandatsträger und als KPV alles daran setzen, den ländlichen Raum zu stärken, die Lust aufs Land zu wecken und den Menschen dort eine liebens- und lebenswerte Zukunft mit all ihren Vorzügen zu ermöglichen - in Ergänzung und im Miteinander zu den ohnehin in positiver Weise aufstrebenden bayerischen Metropolen.

Ihr Stefan Rößle, Landrat im Landkreis Donau-Ries, KPV-Landesvorsitzender

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