Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-20-2017)
gz kommentatorin gabriele bauer
 

► Gabriele Bauer, stv. KPV-Landesvorsitzende, Oberbürgermeisterin Stadt Rosenheim:

 

Integrationsmanagement noch im Entwicklungsstadium

Liebe Leserinnen und Leser,

was bleibt zwei Jahre nach den großen Flüchtlingsströmen? Es gibt sie noch, die ehrenamtlichen Helfer, die Paten, die jeden Tag ihr Bestes geben für die Geflüchteten in unserer Stadt. Doch die Themen haben sich verändert. Jetzt geht es nicht mehr darum, die ersten Dinge des Alltags zu erledigen. Jetzt geht es darum, die Integrationsleistung tatsächlich zu bewältigen.

Im Fokus stehen dabei nicht nur Flüchtlinge. Es geht auch um große Zuwanderungsgruppen aus südosteuropäischen EU-Ländern.

Die harte Realität dabei ist: Nicht jeder Bedarf – und sei er auch noch so berechtigt oder gewünscht – kann befriedigt werden. Das mag frustrieren. Aber es geht nicht anders. Auch in der Integrationspolitik sind die Mittel begrenzt. Vor diesem Hintergrund müssen Integrationsmaßnahmen so effizient wie möglich eingesetzt werden. Das wirksamste Mittel ist Bildung.

Diesen Zusammenhang sieht auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und finanziert allein in Bayern derzeit rund 80 „Bildungskoordinatoren für Neuzugewanderte“ in Landkreisen und kreisfreien Städten – auch in Rosenheim. Für die Verlängerung dieser Förderung um weitere zwei Jahre sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Ihre Aufgabe: Bildungsangebote für Neuzugewanderte in einer kommunalen Verantwortungsgemeinschaft zu steuern, um so Zugänge zu Bildungsangeboten zu verbessern und Angebotslücken zu schließen.

Wie kann das funktionieren? Wichtig in Rosenheim war im ersten Schritt eine umfassende Analyse der Angebotsstruktur, der Bildungsbeteiligung sowie der Bildungserfolge von Neuzugewanderten. Die Ergebnisse wurden im ersten Rosenheimer Bildungsbericht „Integration durch Bildung“veröffentlicht. Außerdem konnten im vergangenen Jahr gute Kooperationsstrukturen entwickelt werden. Bei inzwischen zwei Rosenheimer Bildungsforen diskutierte eine breite Öffentlichkeit über die Themen Zuwanderung und Gesellschaft.

Der Bildungsbericht zeigt an vielen Stellen Ansatzpunkte für kommunales Handeln. Dabei geht es um Qualitätsmanagement, etwa in Kindertagesstätten, um Standardisierung von Prozessen, zum Beispiel bei der Kooperation mit den allgemeinen und beruflichen Schulen. Es geht auch um Transparenz und kultursensible Öffentlichkeitsarbeit, um interkulturelle Öffnung und Qualifizierung in den Betrieben, in den Schulen, Vereinen und auch der Stadtverwaltung. Schritte, die richtig und wichtig sind und vieles verbessern.

Parallel dazu ist es allerdings notwendig, dass von Beginn an Informationen über sprachliche Kompetenzen, Bildungsbiographien oder berufliche Qualifikationen vorliegen. Nur so können passgenaue Bildungsangebote wie Sprach- oder Orientierungskurse bereitgestellt werden – nicht erst bei der Arbeitsvermittlung.

Viele Probleme allerdings bleiben: Wie kann Integration kommunal gesteuert werden, wenn solch wichtige Informationen über Neuzugewanderte nicht zur Verfügung stehen? Wie können Informationen und Ressourcen an zentraler Stelle so gebündelt werden, dass eine aktive Niederlassungsbegleitung in den Kommunen gewährleistet werden kann?

Integration ist ein Angebot, aber auch eine Verpflichtung zu eigener Anstrengung.

Nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“ muss klar sein, dass Integration nur gelingen kann, wenn unsere offene, demokratische und pluralistische Werteordnung anerkannt und respektiert und unsere Sprache erlernt wird. Wer sich dieser Integration verweigert, muss mit Konsequenzen rechnen.

Das Integrationsmanagement steht erst am Anfang. Fest steht nur, dass es in diesen Fragen keine kommunalen Insellösungen geben darf.

Ihre Gabriele Bauer, stv. KPV-Landesvorsitzende, Oberbürgermeisterin Stadt Rosenheim

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