Interviews & Gesprächezurück

(GZ-10-2019)
gz interview Dr Birgit Kress
 

► Dr. Birgit Kreß, erste Bürgermeisterin aus Markt Erlbach, sprach mit der GZ über ihre Vorbildrolle:

 

Rathauschefinnen im Gespräch mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner: Vorbild Bürgermeisterin

Auch wenn immer mehr Frauen in Städten und Gemeinden politisch aktiv werden, sind sie immer noch unterrepräsentiert. Dr. Birgit Kreß, erste Bürgermeisterin aus Markt Erlbach, sprach mit der Bayerischen Gemeindezeitung über ihre Vorbildrolle und die Vorteile für Frauen, wenn sie sich politisch engagieren.

Mut für den Einstieg in die Politik machen – das war das Ziel einer Gesprächsrunde von Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit Bürgermeisterinnen aus ganz Bayern. Aigner hatte dazu auch die frauenpolitischen Sprecherinnen der im Landtag vertretenen Fraktionen eingeladen.

„Wir brauchen mehr Frauen, die Lust auf die Kommunalpolitik haben“, betonte die Präsidentin. Auf keiner politischen Ebene gäbe es so viele Gestaltungsmöglichkeiten wie in der Kommunalpolitik. Dennoch: in Bayern sind derzeit nur 186 Bürgermeisterinnen für das Wohl ihrer Gemeinde verantwortlich.

Hemmschwellen für Frauen

„Unsere Idee ist, im Vorfeld der Kommunalwahlen 2020 verstärkt auf uns aufmerksam zu machen“, fasste Dr. Birgit Kreß, erste Bürgermeisterin aus Markt Erlbach und Sprecherin der ARGE „Frauen führen Kommunen“ des Bayerischen Gemeindestags, den Ansporn der Bürgermeisterinnen zusammen. Kreß und ihre Mitstreiterinnen Katharina Rottenwallner (erste Bürgermeisterin Altfraunhofen), Marianne Zollner (Mühldorf am Inn), Michaela Mühlen (Inning am Holz), Liane Sedlmeier (Osterhofen) und Regina Wohlpart (Viereth-Trunstadt), diskutierten mit den Abgeordneten, welche Hemmschwellen es gerade für Frauen gibt, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren.

 Ilse Aigner

Neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Amt, ging es vor allem auch um die Altersversorgung der Bürgermeisterinnen und die oft fehlenden Rückkehrmöglichkeiten in den Beruf. Oft stehe auch das Image der Politik und zahlreichen Abendtermine einem Engagement im Wege. Kreß will hier aber die Vorbildrolle der amtierenden Bürgermeisterinnen stärken.

„Best practice“ gab es dazu von Bürgermeisterin Michaela Mühlen, die seit fünf Jahren ehrenamtlich tätig ist. Sie stellte vor, wie sich ihre Rolle als Mutter bestens mit ihrer Rolle als Rathauschefin vereinbaren lässt.

Gerade in Kommunalparlamenten sind Frauen unterrepräsentiert. Sie führen nur neun Prozent der Rathäuser in Bayern. Im Landtag sind es 26, im Bundestag 30 Prozent. Kommunalpolitik ist also nach wie vor eine Männerdomäne, auch wenn der Anteil stetig zunimmt. Nach den bayerischen Kommunalwahlen 1996 lag er bei rund 2,2 Prozent, 2002 bei 3,9 Prozent, 2008 bei 5,9 Prozent und 2014 bei knapp neun Prozent. Doch auch wenn es in diesem Tempo so weitergeht, wird der Frauenanteil erst im Jahr 2038 bei rund 44 Prozent liegen und das bei einem Bevölkerungsanteil von mehr als 50 Prozent.

Frauen führen Kommunen

Der Bayerische Gemeindetag will das ändern. Dazu haben im Februar 2016 Bürgermeisterinnen aus ganz Bayern die Arbeitsgemeinschaft „Frauen führen Kommunen“ gegründet. Ziel ist es mehr weiblichen Nachwuchs zu gewinnen, sowohl im Bürgermeisteramt als auch in den Räten und weiteren Gremien. Es gibt schließlich einen eindeutigen Verfassungsauftrag. Nach Art. 118 Abs. 2 Bayerische Verfassung (BV) gilt: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“. Gleiches gilt nach Art. 3 Abs. 2 Grundgesetz (GG). „Beste Beispiele, was Frauen bewegen und verbessern können, sind motivierte Bürgermeisterinnen!“, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner während der Gesprächsrunde.

Kommunalwahl 2020

Sie wird das Thema weiter vertiefen und will Frauen für die Kommunalwahlen 2020 gewinnen. Deshalb lädt der Bayerische Landtag am Freitag, 11. Oktober, zu einem ganztägigen Kongress „Frauen in Parlamente - FiP!“ ein. Mit der Bayerischen Gemeindezeitung spricht Birgit Kreß über ihre Vorbildrolle als amtierende Bürgermeisterin, die Vorteile für Frauen sich politisch zu engagieren und wie sie Lust auf Politik weckt.

Lust auf Politik

Mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit versuche ich die Arbeit als Bürgermeisterin in all ihren Facetten positiv zu präsentieren, die Vielfältigkeit der Aufgaben und den großen Gestaltungsspielraum als Gemeindechefin darzustellen. „Tue Gutes und rede darüber.“ Aber am wichtigsten ist natürlich die persönliche Ansprache von Frauen, um ihnen Mut zu machen und ihr Zutrauen in die Kommunalpolitik zu stärken. Auch am
Girls day habe ich schon teilgenommen und 3 Mädchen den Arbeitsalltag einer Bürgermeisterin gezeigt. Was ich absolut nicht mache, ist, über zuviel Arbeit zu klagen! Ich mache mein Amt mit sehr viel Herzblut und bringe gern die viele Zeit auf, die es manchmal braucht!

Der schönste Job auf Erden

Sie können mitgestalten und ihr unmittelbares Umfeld, ihre Heimat und Projekte, von denen sie selbst und ihre Familie auch profitieren, formen und auf den Weg bringen. Kommunalpolitik ist einfach direkt und unmittelbar. Erfolg ist relativ schnell und konkret messbar. Als Bürgermeisterin habe ich einen sehr anspruchsvollen „Job“ aber meinen Arbeitsplatz vor Ort. Ich kann also auch wenn etwas familiäres ansteht untertags nach Hause. Ich kann viele meiner Termine selbst festlegen und meinen Arbeitsalltag gut selbst gestalten. Ich habe diesbezüglich viele Freiheiten. Nicht umsonst heißt es der schönste Job auf Erden ist „Bürgermeister/in in Bayern“ zu werden!

Arbeit positiv darstellen 

Ilse Aigner hat angekündigt Frauen für die Kommunalwahl 2020 gewinnen zu wollen. Was ist dafür Ihrer Meinung nach wichtig? Wie wecken Sie die Lust auf Politik? Wir müssen uns und unsere Arbeit positiv darstellen und vor allem von uns „Reden machen“  – nur wenn die Berufs- und Karrieremöglichkeiten in der Kommunalpolitik als solche wahrgenommen werden, werden wir Interesse wecken können. Wir müssen offen und auch lebensfroh wirken und dürfen auf keinen Fall als abgehoben wahrgenommen werden. Ein gutes Netzwerk untereinander ist ein wichtiger Schritt dazu.

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