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(GZ-15/16-2021)
Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern
 

Josef Mederer

Bezirkstagspräsident von Oberbayern

Welche Kommune und wie viele Einwohner vertreten Sie?

Ich bin Bezirkstagspräsident von Oberbayern. Oberbayern besteht als größter der sieben Bezirke aus drei kreisfreien Städten und 20 Landkreisen mit insgesamt rund 4,6 Millionen Bürgerinnen und Bürgern.

 

Wann haben Sie Ihr Amt angetreten?

Der oberbayerische Bezirkstag hat mich am 23. Oktober 2008 zum ersten Mal zu seinem Präsidenten gewählt. Aktuell bin ich in meiner dritten Amtszeit.

 

Was war Ihr persönlicher Anreiz in die Kommunalpolitik zu gehen?

Ich wollte immer Gestalter und Macher sein und etwas bewegen für die Menschen – zuerst in der Gemeinde Schwabhausen, in der ich 18 Jahre Bürgermeister war, und jetzt als Bezirkstagspräsident. In keiner anderen politischen Ebene wie im Kommunalen kann man so viel gestalten und eigene Projekte von der ersten Idee bis zu konkreten Umsetzung so eng begleiten.

 

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Da ist zum einen mein langjähriges ehrenamtliches Engagement beim Kolpingwerk und beim BRK. Beruflich war ich in den Verwaltungen von Stadt und Landkreis Dachau tätig, später Verwaltungsleiter der Gemeinde Schwabhausen. Die Breite der Themen, mit denen ich dort befasst war, war die beste Vorbereitung – auch auf mein Amt als Bezirkstagspräsident.

 

Wo lagen bei Ihrem Amtsantritt die Herausforderungen?

Mein Amtsantritt als Präsident fiel in eine überaus herausfordernde Zeit. Wir haben 2008 die ambulanten Eingliederungshilfen von den Landkreisen und kreisfreien Städten übernommen. Wir mussten für einen reibungslosen Übergang sorgen, damit tausende Menschen mit Behinderungen ihre Leistungen nahtlos weiter erhalten haben. Zudem haben wir damals unsere Bezirkskliniken in ein Kommunalunternehmen, die Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo), umgewandelt – eine spannende, aber auch komplexe Aufgabe, die wir erfolgreich umgesetzt haben. Damals gab es drei große Klinikstandorte, heute haben wir an 50 Standorten in Oberbayern wohnortnahe Behandlungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

 

Welche Themen beschäftigen Sie momentan?

Die soziale Landschaft in der Corona-Pandemie zu erhalten und zu sichern, ist eine Riesenherausforderung. Die von uns finanzierten Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderungen sind seit fast eineinhalb Jahren im Ausnahmezustand. Mit unserem Rettungsschirm haben wir sichergestellt, dass sich keine Einrichtung während dieser schweren Krise Sorgen ums Geld machen muss.

 

Womit werden Sie sich noch auseinandersetzen müssen/wollen?

Die Pandemie wird uns sicher noch einige Zeit beschäftigen. Intern geht es für uns um die Weiterentwicklung des Bezirks Oberbayern. Ökologie und Nachhaltigkeit sind hier sehr wichtige Themen. 2030 wollen wir im Bezirk CO₂-neutral sein. Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit der Erinnerungskultur und der Verantwortung unserer Kliniken für die Patientenmorde während der NS-Diktatur.

 

Haben Sie einen wichtigen Ratschlag für junge Kolleginnen und Kollegen?

Chancen erkennen und nutzen. Ganz wichtig ist es, draußen unterwegs zu sein, um mit den Menschen zu reden und ihnen gut zuzuhören. Dann weiß man immer, wo sie gerade der Schuh drückt.

 

Wie beziehen Sie Kolleginnen und Kollegen/Bürgerinnen und Bürger/Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihre Arbeit und in Ihre Entscheidungsfindung ein?

Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz sind für mich die Basis für eine gelingende Zusammenarbeit. Wichtig ist auch, andere Meinungen auszuhalten und zu respektieren. Diese Grundsätze bringe ich in all unsere Besprechungen in der Bezirksverwaltung und die Gremienarbeit im Bezirkstag ein. Ich bin damit bisher sehr gut gefahren, denn ich erlebe auf allen Ebene ein kollegiales Miteinander auf Augenhöhe.

 

Wieviel Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?

Die bayerischen Verwaltungen hinken in der Digitalisierung hinterher. Da haben alle Verwaltungen – auch der Bezirk Oberbayern – Nachholbedarf, zum Beispiel bei der digitalen Antragstellung und Bearbeitung. Die Zukunft ist digital, aber nicht nur. Den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern dürfen wir keinesfalls verlieren.

 

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie begleitet?

Optimismus, Herzlichkeit und eine Portion Gelassenheit! Frei nach Don Bosco halte ich mich an das Motto: „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen.“

 

Wie wollen Sie in Erinnerung bleiben?

Als bürgernaher, verantwortungsvoller Gestalter mit einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen.

 

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