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(GZ-15/16-2021)
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Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft voraus zu sagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein“, zitiert der Rathauskater den alten Perikles. Sein Bürgermeister bleibt Pragmatiker und versucht, so gut es eben geht, für mögliche Gefahren Vorsorge zu treffen.

„Welch ein Glück, dass dieser Kelch an uns vorbeigegangen ist.“ Der Bürgermeister dankte seinem Schicksal, dass die großen Wetterkapriolen dieses Sommers bis jetzt an seiner Stadt spurlos vorbeigegangen sind. Schon ein paar Mal blinkte bei der NINA-Warnapp für unsere Region ein Starkregenereignis auf, einmal sogar ein extremes. Hagel inklusive. Aber immer sorgte ein glückliches Schicksal dafür, dass sich die Unwetterfront auflöste oder einfach sich abschwächend weiterzog.

Also wir können über das Warnmanagement des Deutschen Wetterdienstes und des Bevölkerungsschutzes nicht klagen. Man muss halt die Warnmeldungen abrufen, ernst nehmen und damit leben, dass manchmal ein Auto aus der Tiefgarage gefahren wird, die dann doch nicht vollläuft, weil es nicht so schlimm gekommen ist, wie zu befürchten war. Dass jetzt bloß aufgrund der Tatsache, dass eine britische Wetterfröschin per Zufall mal eine zutreffende Prognose erstellt hatte und das aus Marketinggründen herausposaund, eine Grundsatzdiskussion zum Bevölkerungsschutz inklusive Rücktrittsforderungen an den Bundesinnenminister losgetreten wird, kann nur mit Wahlkampf erklärt werden.

Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben. Man kann mit Apps, Sirenen oder SMS warnen, wenn Menschen dies ignorieren, sind alle diese Anstrengungen nicht schlussendlich wirksam. Übrigens haben die wenigsten gelernt, die Reaktionen von Tieren zu lesen. Wenn Katzen, Vögel, Pferde, ja sogar Hunde nervös werden, Fluchtbewegungen machen oder irgendwie nicht rund laufen, ist das ein ziemlich guter Indikator dafür, dass was nicht stimmt – ob Wasser, Feuer oder mitunter sogar Erdbeben.

Aber eine Reihe von Politikern, Journalisten und noch mehr Aktivisten haben ja das Patentrezept gefunden, um künftig Starkregen, Sturm und Überschwemmungen zu bannen: Das Klima muss geschützt werden! Mit Schaum vor dem Mund wird alles beschimpft, was bis dato in diesem Land politische Verantwortung getragen hat und dafür angeklagt, dass man bisher nicht den ganzen Way of life, den Wohlstand und die Lebensqualität auf dem Altar des Klimaschutzes geopfert hat.

Ich bin ja nur ein alter schwarzer Kater und deshalb vielleicht nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber so wichtig und sinnvoll es ist, wenn sich Deutschland langsam von den fossilen Energieträgern verabschiedet, ebenso wichtig schien es mir, sich Gedanken zu machen, wie man die Folgen abschwächen kann, wenn Deutschland allein mit seinem 2-Prozent-Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen das Klima selbst bei strengs-ter Klima-Austerität nicht wird gerettet haben.

Auch wenn man größer denkt, sollte man immer den Ernstfall im Auge behalten. Denn klar, die EU verursacht 9,5 Prozent der schädlichen Emissionen weltweit, hier kann Deutschland positiv wirken. Im Jahr 1990 hat Europa aber noch ein Drittel emittiert.

Haben wir so viel eingespart? Eher wahrscheinlich ist wohl, dass andere aufgesattelt haben: Fakt ist, der Ausstoß von Klimagasen hat sich seit dem Pariser Abkommen nicht vermindert, sondern um 2,5 Prozent gesteigert. Und wenn die Deutschen 2045 klimaneutral sind und die Europäer 2050, dann werden die erneuerbaren Energien weltweit doch nur 22 Prozent des Energiemixes ausmachen, Öl, Gas und Kohle aber 66 Prozent. Blöd für Greta, Luisa und Co.

Aus meiner Sicht – und Katzen fürchten Wasser über die Maßen – sollten sich die Menschen also mindestens genauso viele Gedanken über Polder, Renaturierung von Flüssen, größere Querschnitte von Abwasserrohren, Versickerflächen in Städten und Dach- sowie Fassadenbegrünung machen, wie über das Verbot von Flugverkehr oder Rinderverzehr zu schwadronieren.

Der Bürgermeister setzt als typischer zupackender Kommunalpolitiker genau da an: An der Wurzel und überlässt theoretische, ideologische Diskussionen anderen. Er weiß wie der klassische Athener Perikles: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft voraus zu sagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“

Ihr Pino

Pino

 

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