Kommunalverbändezurück

(GZ-12-2020)
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► Umfrageergebnis:

 

Open Source in Kommunen

Ergebnisse einer KGSt-Umfrage mit Unterstützung des Deutschen Städtetags und der Vitako

 

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist sowohl auf Bundes- und Länderebene als auch auf kommunaler Ebene zunehmend abhängig von einzelnen Software-Anbietern. Dies kann den Handlungsspielraum bei Beschaffung, Entwicklung und Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie einschränken und damit die sog. digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung gefährden.

Ob und warum die kommunale Ebene eine Abhängigkeit von Software- und Cloud-Anbietern sieht und welche Konsequenzen diese mit sich bringt, war Kern einer Umfrage der KGSt mit Unterstützung des Deutschen Städtetages und der Vitako. An der Umfrage nahmen insgesamt 162 Stadt-, Kreis- oder Gemeindeverwaltungen bzw. kommunale Rechenzentren teil.

Das Ergebnis zeigt, dass ca. 23 Prozent der Befragten die Abhängigkeit von Software- oder Cloudanbietern als „sehr kritisch“ bewerten, 35 Prozent bewerten sie als eher kritisch und noch 29 Prozent als teilweise kritisch. Nach Ansicht der teilnehmenden Kommunen und Rechenzentren fällt die „fremdgesteuerte Innovation“ bei den „Schmerzpunkten“ am stärksten ins Gewicht.

Durch die Einführung neuer Produktversionen ohne Wahlmöglichkeit lässt sich beispielsweise nicht steuern, welche Funktionen und Features es für den digitalen Arbeitsplatz vor Ort wirklich braucht oder eben nicht braucht. Dies kann außerdem zu Problemen beim Betrieb von Fachapplikationen führen, die in einem immer komplexeren Netz aus in Verbindung stehenden Anwendungen viel Aufklärungsaufwand bedeuten können.

Erst danach geben die befragten Kommunen an, dass die rechtliche Unsicherheit, beispielsweise im Bereich des Datenschutzes, problematisch ist. Gerade die vermehrten „Cloud Only“-Strategien vieler Hersteller trügen dazu bei.

Durch den Einsatz proprietärer Software kann eine Verwaltung auch in ihrer Flexibilität eingeschränkt sein, weil etwa Kompatibilitäten zu Drittanbietern fehlen oder nur mit erhöhtem Aufwand und eingeschränkter Funktionalität hergestellt werden können. Auch dieser Schmerzpunkt wird von den teilnehmenden Kommunen und Rechenzentren angegeben. Es folgen ggf. unkontrollierbare Kosten durch nicht transparente Lizenzmodelle. Im Zusammenhang mit den Cloud-Strategien sind einige Preis- und Lizenzmodellanpassungen für den Auftraggeber schwerer steuerbar. Hinzu kommt die Gefahr eines Vendor-Lock-In.

Dieser beschreibt eine mögliche Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter. Das Schlusslicht möglicher Schmerzpunkte bildet die Informationssicherheit.

Kein einheitliches Bild

Gleichzeitig hat die Umfrage aber auch gezeigt, dass gerade in „anwendernahen“ Bereichen häufig noch von Open-Source-Software (OSS) abgesehen wird. Die Nutzerakzeptanz und -gewohnheit ist bei proprietärer Software offenbar höher bzw. wird höher eingeschätzt.

Im Bereich der IT-Infrastruktur in „anwenderferneren“ Bereichen setzen dagegen viele Verwaltungen und Rechenzentren bereits erfolgreich OSS ein. Laut Umfrage wird damit experimentiert und getestet.

Die kommunale IT zeigt sich also grundsätzlich offen gegenüber „Open Source“, zumindest so lange, wie sie in ihrem „Revier“ arbeitet und nicht auf die Unterstützung und Akzeptanz der Fachbereiche und Nutzenden angewiesen ist.

Viele Fachverfahren sind standardmäßig nur mit gängigen, proprietären Produkten kompatibel. Auch das ist aktuell noch ein Hemmschuh für den vermehrten Einsatz von Open Source. Offene Standards und Schnittstellen sind daher ein wichtiger Schritt in Richtung Open Source. Erst wenn an dieser Stelle mehr Flexibilität gegeben ist, scheint auch ein intensiverer Einsatz von OSS realistisch.

Rund die Hälfte der befragten Kommunen und Rechenzentren gibt an, dass Open Source für sie im Beschaffungs- und Vergabeverfahren keine besondere Rolle spielt. Knapp 40 Prozent der befragten Kommunen und Rechenzentren führt eine bedarfsgetriebene Recherche nach Lösungen durch. OSS wird in diesem Zuge auf ihre Eignung geprüft und ggf. gezielt beschafft und eingesetzt.

Die Nutzerstimmen zur Befragung zeigen, dass aktuell häufig die proprietäre Software aufgrund einer höheren Funktionalität und Kompatibilität den Vorzug erhält. Gerade für kleine Kommunen sei es schwieriger, einen Zugang zu Open Source-Produkten zu erhalten. Gerade hier fehlten Know-how und Kapazitäten für das Erproben, Weiterentwickeln und den Support.

Hier biete der Einsatz proprietärer Software Vorzüge. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass ein sukzessiver, vermehrter Einsatz von OSS nur durch größere Zusammenschlüsse gelingen kann.

Fazit: Die Dringlichkeit des Themas wird erkannt, aber ein Umstieg als schwer umsetzbar empfunden. Ein klares, einheitliches Bild „pro“ oder „contra“ Open Source gibt es unter den befragten Kommunen und Rechenzentren nicht. Für viele Verwaltungen stellt sich die Frage, wie ein dauerhafter Support und eine Weiterentwicklung der OSS gelingen kann.

DK

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