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(GZ-1/2-2021)
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► Bayerische Krankenhausgesellschaft:

 

Bayerns Kliniken am Limit

Jahrespressekonferenz im Münchner Presseclub

 

Inmitten herausfordernder Zeiten übergab der langjährige Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft Siegfried Hasenbein zum Jahresende die Leitung des Verbands der Krankenhausträger an seinen Nachfolger Roland Engehausen. Aus diesem Anlass wurde im Münchner PresseClub darüber diskutiert, wie die Kliniken in Bayern die großen Herausforderungen derzeit bewältigen und wie eine zukunftsorientierte Krankenhauslandschaft in Bayern aussehen kann.

BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein verabschiedete sich mit einem ausdrücklichen Dank an „das gesamte Personal in den bayerischen Krankenhäusern, an die Pflegekräfte, Ärzte und alle anderen Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten mit viel Engagement, Herzblut und vollem Einsatz für ihre Patientinnen und Patienten da waren“. Nach seinen Erfahrungen haben die Kliniken viel im Umgang mit der neuen Pandemie gelernt. Inzwischen seien nicht nur Abläufe optimiert und entscheidende Rahmenbedingungen in den Kliniken verbessert worden. Die Krankenhäuser hätten auch im Miteinander funktioniert.

Hasenbein zufolge nahmen kleinere Krankenhäuser den großen Schwerpunktversorgern immer wieder Patienten ab. Als in den ersten Wochen der Pandemie Schutzkleidung und verschiedenste Materialen knapp wurden, hätten sich Bayerns Kliniken untereinander ausgeholfen und gemeinsam Sorge für eine optimale Versorgung der Patienten getragen.

Wertschätzung für die Krankenhausbeschäftigten

Seither sei viel passiert, so der scheidende Geschäftsführer. Neben dem finanziellen Bonus und anderweitig entgegengebrachter Wertschätzung für die Krankenhausbeschäftigten seien die Kliniken beispielsweise mit Beatmungsgeräten und Infektionsschutzausrüstung sowie finanziellen Hilfen unterstützt worden.

Erneut sei aber auch klar geworden, „dass der Mangel an Fachkräften, explizit an spezialisierten Pflegekräften, die Achillesferse in unserem Gesundheitswesen ist“, führte Hasenbein aus. Man komme nun in eine schwierige Phase in der Pandemiebewältigung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besonders die Ärzte und Pflegekräfte, seien längst am Limit angekommen und nicht unendlich belastbar. Auch aus wirtschaftlicher Sicht kämen Bayerns Kliniken an ihre Grenzen.

Die neuesten Regelungen im Dritten Bevölkerungsschutzgesetz um die sogenannten Ausgleichszahlungen frei gehaltener Krankenhausbetten ist aus Sicht der BKG praxisfern und gefährdet die im Frühjahr aufgebaute und bewährte Zusammenarbeit der Krankenhäuser bei der COVID-19-Versorgung.

Therapie-Verbesserungen

Auch das Augenmerk des neuen BKG-Geschäftsführers Roland Engehausen ist derzeit auf die aktuelle COVID-19-Versorgung gerichtet. Nach seinen Worten konnten die bisherigen Fallzahl-Steigerungen dank des großen Engagements in den Kliniken und erster Therapie-Verbesserungen noch gemeistert werden und es bestehe die Hoffnung, dass die Behandlungssteigerungen in den Kliniken durch die Lockdown-Maßnahmen abflachen werden.

Aber wenn der Gesetzgeber nicht kurzfristig den finanziellen Ausgleich notweniger Freihaltungen für verschiebbare Behandlungen verbessert, werden aus Engehausens Sicht viele Krankenhäuser, die sich bisher um die Behandlung von COVID-19-infizierten Patienten verdient gemacht haben, in eine wirtschaftliche Zwickmühle kommen, die die Versorgung gefährdet.

Da der staatliche Rettungsschirm löchrig sei und Kliniken der Grund- und Regelversorgung, die auch Covid-Patienten behandelten, 2021 keine Hilfen mehr erhielten, sollte ein Ganzjahresbudget für Kliniken beschlossen werden, das unabhängig von der Corona-Pandemie zur Verfügung stehe.

Höchster Respekt für die Beschäftigten

Allen Beschäftigten in den bayerischen Krankenhäusern sprach Engehausen seinen höchsten Respekt für eine gute Patientenversorgung trotz einiger politischer Stolpersteine aus. Wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und für mehr Ausbildung in den Krankenhäusern werden vermutlich noch stärker in den Fokus rücken.

Die Digitalisierung werde die Vernetzung der Patientenversorgung über die bisherigen Sektorengrenzen hinaus verstärken. Auch bei diesen Themen wolle die BKG den bayerischen Krankenhäusern künftig mit Rat und Tat zur Seite stehen und sich für gute politische und vertragliche Rahmenbedingungen einsetzen. Dazu werde auch gehören, dass die Krankenhäuser für die gute Patientenversorgung eine Vertrauenskultur und längerfristige Verlässlichkeit bei Prüf- und Qualitätsvorgaben benötigen.

Ständige Änderungen und Verschärfungen von Vorgaben aus bundesgesetzlichen Regelungen hätten in den vergangenen Jahren die Arbeit vor Ort und die längerfristigen Planungen unnötig erschwert. Eine Kurskorrektur und bessere Planbarkeit seien dringend nötig.

Ein sehr konkreter Messpunkt werde dazu spätestens nach der Bundestagswahl 2021 die Frage sein, ob Politik und Kassen auch weiterhin auf praxisferne Pflegepersonaluntergrenzen setzen wollen, oder die PPR 2.0 als modernes und von allen Interessengruppen in den Kliniken akzeptiertes Personalbemessungsinstrument anerkannt wird.

DK

 

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