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(GZ-5-2020)
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► Bayerische Fachkräfteforen in Kelheim, Neunburg vorm Wald und Passau:

 

Fachkräfte gewinnen und erfolgreich integrieren

 

Gemeinsam mit dem Bayerischen Landkreistag luden Migra-Net – IQ Netzwerk Bayern und die Bayerische GemeindeZeitung mit freundlicher Unterstützung des Bayerischen Integrationsministeriums einmal mehr zum Bayerischen Fachkräfteforum ein. Die bayernweite Veranstaltungsreihe, die sich mit Strategien zur Gewinnung und Integration von Fachkräften befasst, nahm im Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen ihren Anfang (wir berichteten) und fand nun ihre Fortsetzung in Kelheim, Paussau und in Neunburg vorm Wald. Zu dieser Veranstaltung war Bayerns Kommunal- und Integrationsminister Joachim Herrmann angereist, um mit den kommunalen Entscheidern, den betroffenen Arbeitgebern sowie den Repräsentantinnen und Repräsentanten zahlreicher involvierter Fachverbände die anstehenden Themen zu erörtern.

V.l.: Landrat Thomas Ebeling (Landkreis Schwandorf), Integrationsminister Joachim Herrmann, Anne Güller-Frey (MigraNet – IQ Netzwerk Bayern), Elke Reinhart (Integrationsbeauftragte Stadt Neunburg vorm Wald), Anne-Marie von Hassel (Bayerische GemeindeZeitung) und Bürgermeister Martin Birner (Stadt Neunburg vorm Wald).V.l.: Landrat Thomas Ebeling (Landkreis Schwandorf), Integrationsminister Joachim Herrmann, Anne Güller-Frey (MigraNet – IQ Netzwerk Bayern), Elke Reinhart (Integrationsbeauftragte Stadt Neunburg vorm Wald), Anne-Marie von Hassel (Bayerische GemeindeZeitung) und Bürgermeister Martin Birner (Stadt Neunburg vorm Wald).

Die Veranstaltungsreihe ermöglicht die gezielte Kommunikation relevanter Akteure vor Ort mit ausgewiesenen Fachleuten. Das Thema Fachkräfteeinwanderung sowie die Chancen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes werden ebenso erläutert wie die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Spracherwerb und Arbeitsrecht.

Integration durch Qualifizierung

Im Landratsamt Kelheim wies Landkreischef Martin Neumeyer in seiner Begrüßung darauf hin, dass den Handwerksberufen und ihren Fachkräften grundsätzlich wieder zu einem höheren Ansehen verholfen werden müsse. Im Anschluss daran stellte Anne Güller-Frey von MigraNet – IQ-Netzwerk Bayern das bundesweite Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ vor.

Als eines von 16 Landesnetzwerken ist MigraNet Teil von „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ und vernetzt seit 2005 relevante Organisationen, Einrichtungen, Institutionen, Unternehmen sowie Migrantinnen- und Migrantenorganisationen, um die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund in Bayern nachhaltig zu verbessern. Die Landesnetzwerke werden von fünf Fachstellen begleitet, die bundesweit migrationsspezifische Themen bearbeiten. Im Freistaat bündelt MigraNet – das IQ-Netzwerk Bayern – 41 Teilprojekte mit 25 verschiedenen Netzwerkpartnern.

Wichtiger Zukunftsfaktor

Von verbesserter Integration in den Arbeitsmarkt profitieren Wirtschaft und Gesellschaft. MigraNet wird von vielen strategischen Partnern unterstützt, die das Potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund als wichtigen Zukunftsfaktor sehen. Zu den Netzwerkpartnern zählen unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgeberverbände, Bildungsträger, Kommunen, Kammern, Gewerkschaften und Migrantenorganisationen.

Um Fachkräfte für den Freistaat zu sichern, beschreitet MigraNet innovative Wege, zum Beispiel über Mentorenprogramme, Zuwanderungsberatung und Anpassungsqualifizierungen. Über lokale Koordination in Augsburg, München und Nürnberg werden Beratungsangebote und Modellprojekte gesteuert. Sie bündeln Informationen aus den IQ-Handlungsfeldern, vernetzen Akteure auf regionaler Ebene, sowie aus Landes-, Bundes- und EU-Ebene und initiieren Projekte.

Unterstützungsangebote

Zur Gewinnung von Fachkräften mit Migrationshintergrund wurden im Laufe der Informationsveranstaltung zahlreiche Unterstützungsangebote beleuchtet, darunter das zum 1. März in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz und ein Input von Dr. Heike Jung, Ministerialdirigentin und Leiterin der Abteilung G „Integration und Unterbringung von Asylbewerbern“ im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration.

Nach Jungs Darstellung führen Migranten und Migrantinnen überwiegend niedrigschwellige Berufe aus. Laut einer Statistik des BAMF arbeiteten im Jahr 2018 geflüchtete Menschen zu 70 % im Bereich der Helfertätigkeiten. Zwar würden diese Menschen gebraucht, allerdings sei dieser Bereich am krisenanfälligsten. Deshalb gelte es, das Potenzial für Weiterbildungsmaßnahmen gerade dort auszuschöpfen.

V.l.: Robin Karl, Landrat Martin Neumeyer, Martina Wimmer, Anne Güller-Frey, Andrea Nold, Dr. Heike Jung, Beata Woicik, Regina Konle-Seidl, Constanze von Hassel Bild: Marcus Dörner, Landratsamt Kehlheim
V.l.: Robin Karl, Landrat Martin Neumeyer, Martina Wimmer, Anne Güller-Frey, Andrea Nold, Dr. Heike Jung, Beata Woicik, Regina Konle-Seidl, Constanze von Hassel Bild: Marcus Dörner, Landratsamt Kehlheim

Netzwerkstruktur

„Wir haben eine gute Netzwerkstruktur aufgebaut, wo alle Beteiligten versuchen, auf das gleiche Ziel hin zu arbeiten“, unterstrich die Ministerialdirigentin. So sehe sich auch das bayerische Innenministerium als Teil dieses Netzwerks, um den Weg in Integration und in Arbeit erfolgreich mitzugestalten. Das Innenministerium koordiniere die Akteure und habe bereits konkrete Maßnahmen wie den Jobbegleiter oder den sog. Ausbildungsakquisiteur für Flüchtlinge auf den Weg gebracht. Die zentrale Erkenntnis laute: „Wenn man Menschen erfolgreich und nachhaltig in Arbeit und Ausbildung bringen möchte, muss man sie ein Stück weit auch begleiten“, so Jung. Träten Probleme auf, sei es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, der Wissen vermitteln und damit vorzeitigen Abbrüchen entgegenwirken kann.

Dass die deutsche Wirtschaft künftig mehr Fachkräfte aus Drittstaaten benötigt, darauf machte Regina Konle-Seidl vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aufmerksam. Rein rechnerisch reiche das Arbeitskräftepotenzial in der Region nicht aus, um den Arbeitskräftebedarf decken zu können. Zum anderen sei die Einwanderung aus Drittstaaten nur zu einem geringen Anteil, ca. zehn Prozent, erwerbsbezogen. Die häufigsten Gründe seien völkerrechtlicher, humanitärer oder politischer Natur.

Ehrgeizige Fristen

Als erwartbare positive Wirkungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes nannte Konle-Seidl u.a. den Verzicht auf Steuerung über Engpasskriterien und Positivlisten, zudem ergebe sich durch die Öffnung für Personen mit ausgewiesenen berufspraktischen Kenntnissen ein größerer Flexibilitätsspielraum. Begrüßenswert seien darüber hinaus ehrgeizige Fristen im beschleunigten Fachkräfteverfahren sowie die angestrebte Verbesserung der Verwaltungsprozesse (Stichwort Transparenz). Kritisch bewertete Konle-Seidl u.a. die Gleichwertigkeitsprüfung (Flaschenhals), geforderte deutsche Sprachkenntnisse auf B1 Niveau sowie die fehlende Flexibilität von Mindestanforderungen (keine regionale Steuerung).

Neben den fachlichen Inputs gaben Thomas Wieser (Kreisvorsitzender DEHOGA Bayern), Siegfried Brandl (Geschäftsführer Möbel Brandl), Volker Folwill (Personalchef SMP Deutschland GmbH), und Sophie Kindler (Sozialservice-Gesellschaft des BRK) – allesamt Unternehmer aus dem Landkreis Kelheim – interessante Einblicke, wie sie in der Praxis im Ausland Fachkräfte akquirieren, welche bürokratischen Hürden ihnen dabei begegnen und wie sie Fachkräfte anschließend auch unterstützen und weiterbilden, um diese auf Dauer zu binden. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ trafen sich schließlich Vertreter von Firmen, Kammern und Behörden, um vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels Chancen zur Verbesserung der Arbeitsmarktintegration zu erörtern.

Wichtiger Baustein für das Wirtschaftswachstum

Beim Fachkräfteforum in Neunburg vorm Wald (Landkreis Schwandorf) bezeichnete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann die Regelungen des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes als „wichtigen Baustein für das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand in Bayern“. Das Bundesgesetz werde den Zuzug von internationalen Fachkräften wesentlich erleichtern.

Erstmals wird Herrmann zufolge auch Personen im Rahmen einer Potenzialzuwanderung die Möglichkeit eröffnet, zur Suche eines Berufsausbildungsplatzes für sechs Monate einzureisen. Voraussetzungen sind, dass der Ausländer das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, der Lebensunterhalt gesichert ist, ein Abschluss einer deutschen Auslandsschule oder über ein Schulabschluss vorliegt, der zum Hochschulzugang im Bundesgebiet oder in dem Staat berechtigt, in dem der Schulabschluss erworben wurde, sowie gute deutsche Sprachkenntnisse (Niveau B2) vorliegen.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen, die oftmals keine Möglichkeit haben, Ausbildungsinteressenten unmittelbar aus dem Ausland zu gewinnen, sollen so die Möglichkeit erhalten, geeignete Ausbildungsplatzsuchende zu finden. Und für Fachkräfte mit Berufsausbildung wurde – vergleichbar zur bestehenden Norm für Akademiker – auch die Möglichkeit zur Arbeitsplatzsuche für bis zu sechs Monate geschaffen.

Voraussetzung: anerkannte Qualifikation

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden Fachkräfte mit Berufsausbildung und Fachkräfte mit akademischer Ausbildung aufenthaltsrechtlich gleichgestellt. Voraussetzung für beide Gruppen ist eine anerkannte Qualifikation. Die Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen für Fachkräfte kann bei Vorliegen eines Arbeitsvertrages erfolgen. Die berufliche Qualifikation muss anerkannt oder in Deutschland erworben sein. Anforderungen an ein Sprachniveau sind hier nicht erforderlich.

Servicegedanke im Fokus

„Die bayerischen Unternehmen, insbesondere aus Handwerk und Mittelstand, haben zu Recht hohe Erwartungen an das Gesetz“, betonte der Minister und kündigte an: „In Bayern werden wir beim Vollzug des Gesetzes den Servicegedanken verstärkt in den Fokus rücken und eng und vertrauensvoll mit den Wirtschaftsverbänden zusammenarbeiten.“ Das Ziel müsse sein, dass die bayerischen Unternehmer möglichst die Auszubildenden und Fachkräften finden, die sie brauchen. „Das neue Gesetz wahrt die Balance, indem es die legale Zuwanderung zu Erwerbszwecken erleichtert und gleichzeitig an einer klaren Trennung von Asyl und Erwerbsmigration festhält“, stellte Herrmann fest.

Wie der Minister weiter darlegte, komme bei der Integration der Fachkräfte neben den Arbeitgebern auch den Kommunen eine wichtige Rolle zu. Denn Fachkräfte benötigten nicht einfach nur einen Arbeitsplatz, sondern auch eine Wohnung, für ihre Kinder Angebote der Kinderbetreuung und Schule und zudem die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Hier seien Rathaus und Landratsamt oft erste Anlaufstellen für die neuen Einwohner.

„Für die Beratung kann die Kommune sicherlich gut auf die bestehenden Beratungsangebote wie zum Beispiel die Flüchtlings- und Integrationsberatung verweisen“, meinte Herrmann. Es komme aber auch darauf an, die Infrastruktur vor Ort fit für die neu angekommenen Fachkräfte zu machen: Sie müssten die Angebote des täglichen Lebens, zum Beispiel der Vereine, in der Kommune erst einmal finden und dann müssten diese den Fachkräften und ihrer Familie auch offenstehen. „Wichtig ist also auch, dass die zuständigen Behörden interkulturell sensibilisiert sind“, erklärte der Minister, der im Anschluss in einer Podiumsdiskussion (Moderation: Anne-Marie von Hassel, Bayerische GemeindeZeitung) mit Landrat Thomas Ebeling, Erstem Bürgermeister Martin Birner, Cornelia Horsch, Horsch Maschinen GmbH, Udo Starck, Personalleiter F.EE Unternehmensgruppe und Michaela Dettmann, Geschäftsführerin Anton Steininger GmbH, teilnahm.

Thementische

Im Rahmen sog. Thementische ging es um das Ausländerrecht und Anerkennungsprozesse sowie um vergleichbare Berufs- und Bildungsabschlüsse (Leitung: Anne Güller-Frey von „MigraNet – IQ Netzwerk Bayern“), um die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft und berufsbegleitende Maßnahmen für Jugendliche, die Unterstützung und Sprachförderung brauchen (Leitung: Manuela Dorsch, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landkreis Schwandorf) sowie um die Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und um die Nachqualifizierung benachteiligter Jugendlicher. Für diesen Workshop zeichnete Elke Reinhart, Integrationsbeauftragte der Stadt Neunburg vorm Wald, verantwortlich.

53 verschiedene Nationalitäten sind laut Bürgermeister Martin Birner aktuell in Neunburg vertreten. Seine Stadt leiste sich landkreisweit als einzige eine eigene Integrationsbeauftragte und zeige damit, wie sehr ihr die Eingliederung der Zuwanderer am Herzen liegt.

V.l.: Regina Konle-Seidl, Andreas Schinhärl, Oliver Kort, Christa Steinleitner, Christine Lindmeier, Patrizia Hager und Landrat Franz Meyer (Landreis Passau)
V.l.: Regina Konle-Seidl, Andreas Schinhärl, Oliver Kort, Christa Steinleitner, Christine Lindmeier, Patrizia Hager und Landrat Franz Meyer (Landreis Passau)

Ganze Branchen klagen über Fachkräftemangel

„Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Bayern hängt in entscheidendem Maße davon ab, wie gut es gelingen wird, die Fachkräftebasis zu sichern. Auch im Landkreis Passau haben viele Betriebe und Unternehmen bereits heute Schwierigkeiten, für bestimmte Qualifikationen aber auch für ganze Branchen qualifizierte Fachkräfte zu finden. Ich denke dabei zum Beispiel an das Handwerk, die Bereiche Pflege, medizinische Versorgung, aber auch an Kinderbetreuungseinrichtungen oder den Hotel- und Gaststättenbereich“, hob Landrat Franz Meyer im Rahmen des Passauer Fachkräfteforums hervor.

Für den wirtschaftlichen Erfolg des Landkreises müssten quantitativ und qualitativ ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dabei rücke die Bedeutung von Fachkräften mit Migrationshintergrund verstärkt in den Blickpunkt. Viele arbeiteten nicht in ihrem erlernten Beruf und könnten ihr berufliches Potenzial nicht in vollem Umfang nutzen.

Neue Ausbildungs- und Qualifizierungsformate

Neben der Anwerbung von Fachkräften im Ausland sei es deshalb eine Herausforderung für alle Beteiligten, die heimische Ausbildung bzw. Qualifizierung ausländischer Fachkräfte zu stärken und auszubauen. Und gerade in diesem Zusammenhang sei es auch notwendig, künftig intensiver den Fokus auf Migrantinnen zu setzen. Meyer zufolge werden derzeit in einer engen Kooperation der Beruflichen Schulen sowie der Universität Passau mit der Bildungskoordinatorin des Landkreises neue Ausbildungs- und Qualifizierungsformate konzipiert. Insbesondere Frauen mit Kindern soll damit der Zugang zu Ausbildung, Qualifizierung und beruflicher Tätigkeit erleichtert werden.

„Wenn wir Fachkräfte anwerben, dann kommen Menschen mit Familien und Kindern“, stellte Meyer klar. „Das bedeutet sehr viel mehr als Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt. Das bedeutet auch, dass diese Fachkräfte bzw. Migrantinnen und Migranten sowie ihre dazugehörigen Familien einen guten Platz in den Gemeinden des Landkreises finden sollen und auch wollen.“

An dieser Stelle benötige die Fachkräftezuwanderung auch eine Strategie im Hintergrund, stellte der Landrat fest. Sein Landkreis entwickle deshalb im Rahmen des kommunalen Integrationsmanagements ab Mitte des Jahres ein Integrationskonzept, das die vielfältigen Aspekte der Integration von Migrantinnen und Migranten in allen Lebensbereichen aufgreift und Leitlinien zur Gestaltung des vielschichtigen Integrationsprozesses beschreiben wird.

Dass ein solches Konzept dringend erforderlich ist, zeigte sich bei einer Podiumsdiskussion mit Arbeitgebern aus der Region. Moderiert von der Bildungskoordinatorin am Landratsamt, Patrizia Hager, standen Christa Steinleitner und Oliver Kort (Johannesbad Reha-Kliniken), Christine Lindmeier (Berufsakademie Passau) sowie Andreas Schinhaerl (Knorr-Bremse) dem Publikum gemeinsam mit den Referentinnen Anne Güller-Frey und Regina Konle-Seidl Rede und Antwort.

Ausbildungsleiter Schinhaerl zeigte sich überzeugt, dass der deutschlandweite Fachkräftebedarf nur mit Arbeitnehmern aus dem Ausland zu bewerkstelligen ist. In Aldersbach beschäftige Knorr-Bremse 1.000 Mitarbeiter, davon mittlerweile zehn Prozent mit Migrationshintergrund aus 22 Nationen, darunter Iran, Irak, Kosovo und Nigeria. Vor zwei Jahren waren es noch fünf bis sechs Prozent.

Wie Pflegedienstleiter Kort berichtete, beschäftigen die Johannesbad Reha-Kliniken im grenznahen Bad Füssing fast 20 Prozent Migranten, darunter Tschechen, Polen und Ukrainer. In der Pflege sei eine deutliche Tendenz zu Arbeitskräften aus dem Ostblock erkennbar. In der Ärzteschaft wiederum verzeichne man auch Vertreter aus dem Iran, Ägypten und Syrien. Aus Korts Sicht ist nicht nur das zum Teil über zwei Jahre währende Anerkennungsverfahren problematisch, sondern auch die betriebliche Integration. „Zum Teil kommen die Familien nach, dann geht es erst richtig los.“

Nach Schinhaerls Worten funktioniert Integration ohnehin nur, wenn alle beteiligten Ebenen an einem Strang ziehen. Die Grundhaltung im Unternehmen müsse stimmen. Jeder Ukrainer habe bei Knorr-Bremse einen Mentor an seiner Seite. Um sprachlichen Problemen Herr zu werden, benötige insbesondere der ländliche Raum mehr Unterstützung. Schließlich könne man einem Facharbeiter nach Beendigung seiner Schicht nicht noch eine stundenlange Fahrt zu seinem Deutschkurs aufbürden.

Sprache ist das A und O

In dieselbe Kerbe hieb Bildungskoordinatorin Patrizia Hager: Sprachkompetenz sei das „A und O“ in der Ausbildung und bei der Arbeit, der Integrationskurs allein reiche nicht. Benötigt würden mehr kleinteilige, auch berufsbegleitende Sprachkursformate vor Ort. Dafür müssten sich Betriebe zusammenschließen.

„Mein Plädoyer ist, sich erst um die Sprachkenntnisse zu kümmern, sonst zieht sich alles andere auch in die Länge. Das nutzt im Beruf, im Alltag und bei der vorgeschriebenen Kenntnisprüfung“, meinte auch Fortbildungsleiterin Christine Lindmeier. Das Freistellen werde gefördert, der Arbeitgeber könne zum Nulltarif eine Hilfskraft zur Fachkraft qualifizieren.

Hauzenbergs Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer schlug vor, digitale Medien für Sprachkurse zu nutzen. Schließlich sei Hauzenberg digitaler Lernort der Landshuter Hochschule. Mit dieser Technik könnten Migranten mit einem in Passau ansässigen Lehrer und seinen Schülern Deutsch lernen. „Andernfalls läuft uns die Zeit weg“, bemerkte die Rathauschefin.

DK

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