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(GZ-20-2025 - 06. November)
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KOMMUNALE 2025 in Nürnberg:

Digitalisierung als Gemeinschaftsaufgabe

AKDB zeigt auf der KOMMUNALE in Nürnberg, wie Kooperation, KI und Zentralisierung die kommunale IT zukunftsfähig machen

Die Digitalisierung bleibt eines der zentralen Themen der kommunalen Daseinsvorsorge – das zeigte sich einmal mehr auf der KOMMUNALE 2025 in Nürnberg. Vor Ort sprachen Vorstandsvorsitzender Rudolf Schleyer und seine Vorstandskollegin Gudrun Aschenbrenner mit Journalisten über aktuelle Entwicklungen, Strategien und Herausforderungen für die kommunale IT.

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Gudrun Aschenbrenner und Rudolf Schleyer. Bild: AKDB/Mathis Beutel

Digitalisierung gegen Fachkräftemangel

„Wir spüren, dass die Digitalisierung in den Kommunen inzwischen zu den wirklich zentralen Themen zählt“, so Schleyer. Angesichts des Fachkräftemangels sei Automatisierung, Vereinfachung und Entschlackung von Prozessen kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Viele Kommunen fragten derzeit, wie sie durchgängige digitale Prozesse gestalten, künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll einsetzen und ihre IT-Strukturen sicher und effizient betreiben können.

Mit einem Angebot „NextGo“ bietet die AKDB Kommunen die Möglichkeit, ihre gesamte IT in den Rechenzentren des Anbieters betreiben und administrieren zu lassen – unabhängig davon, ob es sich um AKDB- oder Fremdanwendungen handelt. Ziel sei, die IT-Verantwortung vor Ort zu entlasten, Security-Risiken zu minimieren und Investitionen zu bündeln. „Das ist notwendig, um die Funktionsfähigkeit kommunaler IT-Infrastrukturen langfristig zu sichern“, so Schleyer.

Rechenzentren bleiben das Rückgrat

Auf die Frage nach Kapazitäten erklärte der Vorstandschef, dass die AKDB mit ihren neuen, modular aufgebauten Rechenzentren in Bayreuth bestens gerüstet sei. „Wir können jederzeit Module hinzufügen, falls die Nachfrage steigt.“ Zugleich entwickle sich die Technik so rasant weiter, dass für dieselbe Rechenleistung heute nur noch die halbe Fläche nötig sei.

Schleyer wies aber auch auf die strukturellen Hürden hin, mit denen Betreiber von Rechenzentren konfrontiert seien: hohe Strombedarfe, Anforderungen an doppelte Telekommunikationsanbindung und die Frage der Abwärmenutzung. „Man kann Rechenzentren nicht beliebig errichten. Strom, Leitungsinfrastruktur und Flächen sind entscheidend – und viele Gemeinden setzen Flächen lieber für arbeitsplatzintensivere Betriebe ein.“

Kooperation als Erfolgsfaktor

Ein Schwerpunkt der Pressekonferenz lag auf der zunehmenden Kooperation kommunaler IT-Dienstleister – auch über Landesgrenzen hinweg. Die AKDB ist seit Jahren eng mit Partnern aus dem gesamten Bundesgebiet verbunden. „Kooperation ist die Grundvoraussetzung, um gegenüber dem Bund auf Augenhöhe auftreten zu können“, betonte Schleyer.

Nur durch Zusammenschlüsse – etwa über die Telecomputer-Tochter im Bereich Kfz-Zulassung und Führerscheinwesen – sei es gelungen, bundesweit wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten. „Hätten wir uns nicht rechtzeitig gebündelt, hätte der Bund wahrscheinlich bei großen privaten IT-Häusern angeklopft. Das wäre weder schneller noch besser geworden.“ Aschenbrenner ergänzte, dass Kooperation unter öffentlich-rechtlichen IT-Dienstleistern auf jahrzehntelanger Vertrauensbasis beruhe. „Wir arbeiten seit 20 Jahren zusammen, weit über Wettbewerbsgrenzen hinaus. Uns eint die digitale Souveränität als öffentlich-rechtliche IT-Dienstleister – das Wissen, dass unsere Lösungen im öffentlichen Raum entstehen und dort auch bleiben.“

Kritik an mangelnder Digitalkompetenz des Bundes

Kritik äußerte Aschenbrenner an der Berliner Ebene: „Ich finde es als Steuerzahlerin problematisch, wie wenig Verständnis und Fachkompetenz dort oft für kommunale Aufgaben vorhanden sind.“ Beim Onlinezugangsgesetz (OZG) sei die Kommunikation zwischen Bund und kommunalen Praktikern verbesserungsfähig. „Wenn man etwas Neues entstehen lassen will, muss man mit denen sprechen, die die fachliche Kompetenz haben.“

Beide Vorstände forderten, dass Bundesgesetze künftig so formuliert werden, dass sie auch digitalisierbar sind. „Jede Ausnahme, jede Sonderregelung macht Prozesse komplexer und digitale Umsetzung schwieriger“, sagte Schleyer. Als Beispiel nannte er das Wohngeldgesetz, das durch überbordende Nachweispflichten „praktisch nicht digitalisierbar“ sei und die Kommunen überfordere.

Aschenbrenner plädierte dafür, Gesetze grundsätzlich einem „Digitalcheck“ zu unterziehen – damit der Bund die Folgen für die kommunale Ebene realistisch einschätzen könne.

KI entlastet Kommunen spürbar

Ein weiterer Schwerpunkt war der Einsatz künstlicher Intelligenz in Fachverfahren. „KI wird integraler Bestandteil unserer Softwarelandschaft“, so Schleyer. Beispiele seien die Prüfung und Vorverarbeitung von Anträgen, etwa im Wohngeld- oder Aufenthaltsverfahren. „Unsere KI prüft, ob hochgeladene Dokumente tatsächlich die geforderten Nachweise sind“, erklärte er. Fehlen Nachweise, generiere die KI automatisch die passende Korrespondenz. Erst wenn der Antrag vollständig ist, lande er beim Sachbearbeiter.

Auch interne Prozesse wie Reisekostenabrechnungen ließen sich mit KI deutlich vereinfachen: Belege würden automatisch erkannt, zugeordnet und berechnet. „Unser Anspruch ist, dass in all unseren Fachverfahren dort, wo es Sinn macht, KI genutzt wird – sicher, effizient und in digital souveräner Umgebung“, so Schleyer. Dafür entwickle die AKDB gemeinsam mit Dataport und der Bundesdruckerei derzeit eine eigene souveräne KI-Plattform.

Entbürokratisierung braucht Mut zur Vereinfachung

Zur aktuellen Debatte um Entbürokratisierung sagte Schleyer: „Bisher wurde meist nur an der Oberfläche gekratzt.“ Eine Verkürzung von Aufbewahrungsfristen oder zusätzliche Ausnahmen im Ladenschlussrecht führten nicht zu weniger Bürokratie. „Man muss sich fragen: Was muss überhaupt aufbewahrt werden? Oder warum schaffen wir es nicht, einfache, klare Regeln zu formulieren?“

Kommunale Digitalisierung könne nur gelingen kann, wenn Kooperation, Fachkompetenz und Realismus zusammenkommen. „Digitalisierung heißt, Prozesse neu zu denken, Verantwortung zu teilen und intelligente Werkzeuge zu nutzen“, so das Resümee von Schleyer und Aschenbrenner. Ob mit modularen Rechenzentren, zentralen IT-Services oder KI-gestützten Fachverfahren – die AKDB sieht sich als Motor einer souveränen, praxisnahen Digitalisierung für Städte, Gemeinden und Landkreise.

Die nächste Gelegenheit sich die Lösungen der AKDB persönlich anzusehen, wird das Kommunalforum der AKDB am 29.10.2026 (Veranstaltungsort: Paulaner am Nockherberg, München).

CH

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