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(GZ-17-2021)
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► Studie des WWF Deutschland:

 

Die Verpackungswende ist möglich

 

Eine kreislauforientierte und nachhaltigere Verpackungswirtschaft ist in Reichweite, wenn alle Hebel umgesetzt und ein Systemwandel eingeleitet werden. Das ist das Ergebnis der WWF-Studie „Verpackungswende - jetzt!“

Laut WWF wird Deutschland oft als Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft herangezogen. Tatsächlich sei die Erfassungs- und Recyclingquote hoch. Außerdem existiere ein ausgeklügeltes Pfandsystem für Flaschen. Zumindest im internationalen Vergleich gelte Deutschland somit zu Recht als Vorbild. Allerdings zeigt die Analyse, dass viel Potenzial für eine echte Kreislaufwirtschaft im Bereich Verpackungen ungenutzt bleibt.

Vielfältige Ansätze

„Für die Lösung unserer Verpackungskrise gibt es kein Patentrezept, jedoch eine Vielfalt von Ansätzen, die parallel umgesetzt werden müssen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Verbrauchern, Industrie und Politik ist dabei der Schlüssel“, betont der WWF Deutschland. Um von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft zu gelangen, hat die Studie sieben zentrale Maßnahmen formuliert, mit denen die Verpackungswende hin zu einem Kreislaufsystem gelingen kann.

Die Analyse zeigt, dass Deutschland bis 2040 das Gesamtabfallvolumen um 40 Prozent, den Verbrauch von Neuplastik um über 60 Prozent und die Verbrennung von Abfällen zur Energiegewinnung um über 70 Prozent reduzieren kann. Dies wäre ein wirksamer Baustein für den Klimaschutz: 68 Millionen Tonnen Treibhausgase könnten so bis 2040 eingespart werden.

Maßnahme 1 – Unnötige Verpackungen vermeiden und Verpackungen minimieren:

Allein durch diese Maßnahmen könnten Kunststoffabfälle bis 2040 um acht Prozent reduziert werden. Einheitliche Standards und Richtlinien für Kunststoffverpackungen sind dabei wichtige Voraussetzungen für die Realisierung dieser Maßnahme.

Maßnahme 2 – Mehr Mehrwegsysteme:

Nicht nur in Supermärkten könnte der Anteil an Mehrwegverpackungen noch erheblich ausgeweitet werden, auch für Transportverpackungen gibt es inzwischen gute Mehrwegkonzepte. Zur Umsetzung dieser Maßnahme kann auch ein Rückgaberecht für Pfandflaschen beitragen. Für Obst und Gemüse gibt es bereits pflanzliche und sogar essbare Beschichtungen, die aus organischen Abfällen bestehen. So kann die Lebensdauer von Obst und Gemüse erhöht und Müll vermieden werden. Durch Mehrwegsysteme und Müllvermeidung könnten Kunststoffabfälle bis 2040 um bis zu 23 Prozent reduziert werden.

Maßnahme 3 – Schlecht recycelbare Materialien ersetzen:

Plastik ist nicht gleich Plastik. Manche Kunststoffe können besser, andere schlechter wiederverwertet werden. Schätzungsweise neun Prozent der Einwegkunststoffe könnten durch Materialien ersetzt werden, die einen besseren ökologischen Fußabdruck haben und leichter recycelbar sind. Wo Einwegverpackungen unverzichtbar sind, kann Plastik zum Teil durch Papier oder biobasierte Materialien ersetzt werden.

Maßnahme 4 – Verbundmaterialien abschaffen, Recyclingquote erhöhen:

Ob Folien, Chipstüten oder Mozzarella: Viele Verpackungen bestehen aus mehreren Schichten verschiedener Materialien, die sich nicht oder nur schlecht voneinander trennen lassen. Zum Recycling muss der Kunststoff aber möglichst sortenrein sein. Laut Verpackungsgesetz soll die Recyclingquote im Jahr 2022 bei 68 Prozent liegen. Zurzeit werden aber nur 20 Prozent im besonders nachhaltigen, geschlossenen Kreislaufverfahren (Closed-Loop-Verfahren) recycelt. Zehn Prozent werden im sogenannten Open-Loop-Verfahren recycelt, bei dem der recycelte Kunststoff minderwertiger ist und kaum mehr weiterverwertet werden kann. Er wird „downgecycelt“.

Maßnahme 5 – Bessere Trennung und Sortierung:

Gelber Sack oder orange Wertstofftonne? Noch immer gibt es keinen bundesweit einheitlichen Standard für das Sammeln und Sortieren von Verpackungsmüll. Das kann zu Verwirrung führen. Eine nationale Standardisierung mit klaren Anweisungen und einer langfristigen begleitenden Kampagne würde Verbrauchern den kreislauforientierten Umgang mit
ihrem Kunststoffmüll erleichtern und die Recyclingrate erhöhen. Beim Closed-Loop Verfahren könnte die Recycling-Menge so um 22 Prozent und beim Open-Loop-Verfahren um sechs Prozent verbessert werden.

Maßnahme 6 – Neue Vorschriften und Technologien für lebensmitteltaugliche Kunststoffe:

Nicht alle recycelten Kunststoffe – sogenannte Rezyklate – sind für die Verpackung von Lebensmitteln geeignet. Rezyklate mit Lebensmittelkontakt müssen besondere Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Würden Kunststoffarten außerdem separat gesammelt, könnten sie deutlich hochwertiger recycelt werden. Auch chemisches Recycling, bei dem ein Produkt in seine chemischen Grundbausteine zersetzt wird, kann als ergänzende Lösung hier sinnvoll sein.

Maßnahme 7 – Recyclingmärkte fördern:

Damit mehr Verpackungen aus Rezyklaten hergestellt werden können, muss es dafür ökonomische Anreize geben. Hier können einheitliche Standards helfen, die zum Beispiel die Qualität von Rezyklaten festlegen. Auch können wirtschaftliche Anreize geschaffen werden, um die Nachfrage nach Rezyklaten zu fördern.

VKU sieht sich bestätigt

Die Studie des WWF Deutschland bestätigt nach Auffassung von VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp wieder einmal die Positionierung seines Verbandes. Hasenkamp zufolge ist ein Systemwandel hin zu einer wirksamen Abfallvermeidung, zu einer Ausschöpfung von Wiederverwendungsmöglichkeiten zum Beispiel über Mehrwegsysteme und zu einer ressourceneffizienten Verwertung, so wie sie die Konsumenten verstehen, gerade auch für Kunststoffe und Kunststoffverpackungen dringend erforderlich.

Für kreislauffähige Mehrwegsysteme

„Denn trotz der vielen Forderungen auch von Seiten unseres Verbandes hat sich an den viel zu geringen Verwertungsquoten zu Kunststoffverpackungen und am hohen Anteil der Verbrennung von Plastikmüll bislang nicht viel verändert. Es wird nach wie vor viel zu wenig wiederverwendet und verwertet: Ein Anteil von 48 Prozent Recycling - wie in der Studie ermittelt - ist für den Ressourcenschutz und im Hinblick auf die Vermittelbarkeit gegenüber den Konsumenten natürlich nicht verantwortbar. Kreislauffähige Mehrwegsysteme müssen endlich in allen Verpackungsbereichen für den Konsum realisiert werden“, machte der Vizepräsident deutlich.

Die Qualität des verwendeten Kunststoffs sei zudem immer minderwertiger geworden – ein echtes Ärgernis, werde es doch in der Praxis zunehmend schwieriger, diese Materialien zu recyceln. Wiederholt habe der Verband kommunaler Unternehmen auf die zunehmende Komplexität zu Kunststoffverpackungen und die daraus resultierenden Probleme bei der Verwertung hingewiesen, so Hasenkamp. Es sei zwingend erforderlich, „sinnhafte Monostoffverpackungen zu entwickeln, Mehrschichtverpackungen vom Markt zu nehmen und selbst die Farbwahl der verwendeten Kunststoffe im Sinne der Erkennbarkeit bei unseren technischen Sortier- und Verwertungsmöglichkeiten zu berücksichtigen“. Ergänzend seien sinnvolle Mindesteinsatzquoten für Rezyklate für Verpackungen zwingend vorzugeben.

Klare politische Vorgaben sind unumgänglich

„Wir können es uns schlicht nicht länger leisten, wertvolle Ressourcen im Umgang mit Kunststoffverpackungen zu verschwenden. Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling aller Materialien – dies sind die Kernforderungen unseres Verbandes seit langem“, unterstrich der Vizechef. „Dafür brauchen wir klare Vorgaben von Seiten der Politik und können uns nicht mehr nur auf die Selbstverpflichtung einzelner Unternehmen verlassen. Gern unterstützt der VKU daher die Forderungen des WWF hin zu einem grundlegenden Systemwechsel für unsere Verpackungen aus Kunststoffen.“

DK

 

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