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(GZ-17-2021)
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► Halbjahres-Bilanz der bayerischen Sparkassen:

 

Zinssituation belastet Ertragslage

 

Konsequent weiterverfolgt haben die bayerischen Sparkassen ihren Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2021. Sie konnten ihr Kreditvolumen um 2,8 Prozent auf 154,7 Mrd. Euro ausweiten. Nochmals stärker als im Jahresvergleich nahmen die Einlagen zu: Die Kunden vertrauten den bayerischen Sparkassen um 1,7 Prozent mehr Mittel an, vornehmlich in täglich fälligen Geldern. Doch kein Licht ohne Schatten: Wie Prof. Dr. Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern, bei der virtuellen Vorlage der Halbjahres-Bilanz 2021 betonte, „arbeiten die Sparkassen gut und ihre Kunden honorieren das, machen immer mehr Geschäft mit ihnen – doch die Ergebnisse werden immer stärker durch die Zinssituation belastet.“

In den vergangenen sechs Monaten konnten die 64 bayerischen Sparkassen ihr Kreditvolumen um insgesamt 4,2 Mrd. Euro ausweiten. Mehr als die Hälfte davon sind mit 83,5 Mrd. Euro Finanzierungen für Unternehmen und Selbstständige. Das Kreditneugeschäft mit Firmenkunden liegt dabei nach einem Corona-bedingten Rekordjahr unter dem Vorjahresniveau (-10 Prozent).

Die zugesagte Darlehenssumme an Firmenkunden lag erneut bei insgesamt 9,4 Mrd. Euro, das sind knapp 90 Prozent des Vorjahreswerts für das erste Halbjahr und somit annähernd auf gleichem Rekordniveau. Davon stammten lediglich 419,6 Mio. Euro aus staatlichen Förderprogrammen zur Corona-Hilfe, die Nachfrage der berechtigten Unternehmer nimmt somit inzwischen deutlich ab (2020 insgesamt 2,1 Mrd. Förderkredite, Antragstellung noch bis Ende 2021 möglich), während die Finanzierung aus Mitteln der Sparkassen ungebrochen angenommen wird.

Insgesamt sind derzeit nur noch 25 Prozent der Förderkredite aus Corona-Hilfsprogrammen, alles andere geht bereits in die Bereiche Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Wachstum und Stabilisierung. Der Gesamtbestand an Corona-Förderdarlehen belief sich am Ende des zweiten Quartals 2021 auf 12.765 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von 2.523 Mio. Euro.

Insgesamt beobachten die Sparkassen aber derzeit bei ihren mittleren und größeren Unternehmenskunden so wenig Konkurse wie seit Jahren nicht mehr. Staatshilfen und die hohe Liquidität verhindern eine Pleitewelle auch in den bayerischen Regionen, obwohl inzwischen wieder die regulären Antragspflichten für Insolvenzen gelten. Lediglich bei kleineren Unternehmen müssen auch die Sparkassen eine Zunahme von Unternehmensaufgaben verzeichnen. „Das Hausbank-Prinzip hat sich also in der Krise bewährt“, stellte Verbandspräsident Reuter fest.

Ebenfalls wieder großes Vertrauen zu ihren Sparkassen bewiesen die Privatkunden. Sie nahmen nochmals mehr Kredite in Anspruch als im entsprechenden Zeitraum 2020, in dem die Nachfrage trotz Pandemie bereits über dem Vorjahr gelegen hatte: Der Kreditbestand von Privatpersonen wuchs um 3,0 Prozent auf 63,9 Mrd. Euro. Auch die neuen Darlehenszusagen an Private lagen deutlich über denen des Vorjahrszeitraums (+18 Prozent), in dem trotz Lockdown auch bereits ein klares Wachstum zu verzeichnen gewesen war. Treiber dieses Wachstums 2021 sind Finanzierungen rund um den Kauf oder die Sanierung von Wohneigentum.

Kritik an EZB-Geldpolitik

Daneben vertrauten die privaten Kunden den bayerischen Sparkassen in den ersten sechs Monaten 2021 4,1 Mrd. Euro als neue Einlagen an (+2,8 Prozent), vornehmlich in täglich fälligen Geldern. Dieser Zuwachs auf nunmehr insgesamt 151,5 Mrd. Euro liegt noch einmal höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der gesamte Einlagenbestand der bayerischen Sparkassen lag zur Jahresmitte bei 191 Mrd. Euro.

Der Einlagenüberhang der Sparkassen dürfte sich kaum nennenswert verändern, doch die Kosten für die Verwahrung dieser Einlagen belasteten die Sparkassen weiterhin zunehmend, bemerkte Roland Schmautz, Vizepräsident des Sparkassenverbandes Bayern. Sie müssten jetzt häufiger als Verwahrentgelte an die Kunden weitergegeben werden.

„Kein Sparkassenvorstand macht das gerne, denn es läuft unserem eigentlichen Verständnis von Sparen krass zuwider. Doch die Geldpolitik der EZB hat den Markt nun einmal so geformt und jetzt müssen Kreditinstitute und ihre Kunden damit umgehen. Wir haben einige Jahre ausgesessen, doch jetzt müssen wir der Realität ins Auge blicken.“

Die Geldpolitik und die Negativzinsen der EZB hätten das Vermögen der Menschen bereits über mehrere Jahre im Verborgenen geschmälert, denn eine Rendite nahe Null in Verbindung mit einer Preissteigerung zwischen ein und zwei Prozent lässt das so angelegte Geld jeden Monat an Wert verlieren, erläuterte Schmautz. Nach neuesten Studien haben die deutschen Sparer seit Ende 2010 bereits rund 150 Mrd. Euro durch Niedrigzins und Inflation verloren – rechnerisch 1.850 Euro pro Bundesbürger.

Höherer Wertpapierumsatz

Positiv bewertete Schmautz, dass in der Phase von der zweiten bis in die dritte Pandemiewelle hinein nicht nur mehr gespart wurde, sondern auch die Wertpapieranlage in Fahrt blieb:

„Das weiter zunehmende Engagement am Kapitalmarkt zeigt, dass immer mehr Kunden ein ausgeprägtes Renditebewusstsein entwickeln und eine einträgliche Alternative zur derzeit wenig attraktiven Sichteinlage wählen.“

Der Wertpapierumsatz der bayerischen Sparkassen ist seit Jahresbeginn um weitere 15 Prozent gestiegen, im Vorjahresvergleichszeitraum hatte das Wachstum bei 51,9 Prozent gelegen. Auch für 2021 erwarten die bayerischen Sparkassen einen neuerlichen deutlichen Rückgang des Zinsüberschusses sowohl absolut als auch in Prozent der DBS (-0,14 % Pkt. der DBS). Zwar sinkt laut Prognose der Zinsaufwand, doch dem stehen ebenfalls abnehmende Zinserträge gegenüber, da profitable Engagements und Anlagen auslaufen.

Laut Präsident Reuter „sehen wir in der langfristigen Betrachtung, wie erfolgreich die Sparkassen ihr Geschäft ausbauen, die Bilanzsumme wächst weiter stetig – zuletzt auf 247 Mrd. Euro. Doch das findet keinen entsprechenden Niederschlag mehr im Ertrag, weil der Zinsüberschuss durch die EZB geschrumpft wird. Er sinkt seit zehn Jahren deutlich und ein Ende ist nach den jüngsten Ankündigungen nicht in Sicht.“

Da der Zinsüberschuss die klassische Hauptertragsquelle der Sparkassen ist, wird die Ertragslage der bayerischen Sparkassen in allen Regierungsbezirken auch 2021 leiden, die Prognosen für Cost-Income-Ratio und Betriebsergebnis lassen die Fortsetzung des Abwärtstrends der vergangenen Jahre erwarten.

Zwar sind die kommunalen Sparkassen vor Ort auf Projekte mit kleinen und mittelständischen Unternehmen und Privatkunden aus ihrem regionalen Geschäftsgebiet ausgerichtet, jedoch ordnen sie sich gleichzeitig in den größeren deutschen und europäischen Kontext ein. Sie unterliegen der Finanzmarktregulierung, die auf ganz Europa und auf alle Marktteilnehmer zielt – weitgehend unabhängig von unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Betriebsgrößen.

Erneut mahnte Reuter: „Die Sparkassen brauchen als Regionalbanken einen anderen Rahmen als etwa Großbanken in Frankreich. Denn sie arbeiten anders und sie bergen weniger Risiken. Der ‚Regulierungsüberhang‘ muss daher weiter abgebaut und in neuen Themen unbedingt vermieden werden.“ Dazu zähle auch die Einbindung der Kreditinstitute in den „Green Deal“ der EU.

Einlagensicherung

Höchste Zeit sei es auch für ein Ende der Diskussion um die Europäische Einlagensicherung, die für das Jahr 2021 als letztes Element der Bankenunion auf der Brüsseler Agenda steht: „Es wird schon zum ceterum censeo der Sparkassen: Der Plan der Vergemeinschaftung muss beerdigt werden. Risiko und Haftung müssen zusammenbleiben, eine Vergemeinschaftung der Mittel würde dieses Prinzip zulasten unserer Kunden aufweichen“, unterstrich Reuter.

Mit Umsetzung der Einlagensicherungsrichtlinie in 2015 ist die von Europa geforderte Harmonisierung der nationalen Systeme 2015 abgeschlossen und damit die Bankenunion faktisch vollendet worden. Das präventive freiwillige Institutssicherungssystem der Sparkassen war dazu angepasst und um die neu von Europa geforderte Einlagensicherungsfunktion erweitert worden. Allein die bayerischen Sparkassen haben seitdem rund 600 Mio. Euro zur zusätzlichen Sicherung der Kundengelder zurückgelegt.

Wie Reuter erläuterte, „gehen von 100 Euro, die bayerische Kunden bei uns anlegen, sofort 80 Cent zu ihrem Schutz in die Einlagensicherung und wir arbeiten nur noch mit 99,20 Euro. Und weil die Sparkassen bekanntlich besonders einlagenstark sind, häuft sich da ein guter Betrag an.“ Im Falle einer Vergemeinschaftung ginge dieser direkt in einen gemeinsamen Topf nach Brüssel, aus dem dann etwa die Rettung einer Bank mit Sicht aufs Mittelmeer finanziert würde. „So wird allenfalls das Misstrauen in Europa gefördert, nicht aber der Bankenmarkt stabilisiert!“, machte der Präsident deutlich.

Er formulierte den dringenden Appell, nicht wieder und weiter alle Kreditinstitute über den gleichen Kamm zu scheren:

„Die Kunden der bayerischen kommunalen Sparkassen brauchen für die Sicherung ihrer Einlagen keine europaweite Absicherung. Sinnvoll kann eine Zusammenlegung allenfalls für Banken mit internationalen Geschäftsmodellen sein. Die Kommission muss zumindest subsidiär ausgleichende Institutssicherungssysteme von der Zentralisierung ausklammern.“

Reuter bekräftigte auch, dass die Sparkassen immer öfter daran denken müssen, gewohnte Freiheitsgrade aufzugeben und sich zusammenzuschließen.

„Im Moment denken erst einmal einige Häuser über Fusionen nach, doch perspektivisch ist es im Verbund sicherlich sinnvoll, immer nur einen Anbieter für ein Produkt oder eine Dienstleistung anzustreben.“

Exemplarisch steht hierfür die nun auf den Weg gebrachte Fusion der Sparkassen Garmisch-Partenkirchen und Oberland. Mit der Unterzeichnung des Fusionsvertrags ist ein entscheidender Schritt in die gemeinsame Zukunft ab dem 1. Juni 2022 erfolgt. Nachdem im Vorfeld alle Gremien einstimmig für den Zusammenschluss gestimmt hatten, kann jetzt der Fahrplan für die Fusion erstellt werden.

Abschließend gedachte Reuter der Opfer der Flutkatastrophe Mitte Juli, die in Teilen auch die Geschäftsgebiete bayerischer Sparkassen betraf. Diese seien jetzt solidarisch mit allen, die von der dramatischen Lage betroffen sind und „helfen jetzt dabei, die Folgen zu bewältigen“. Neben schnellen und unkomplizierten Kredithilfen einiger Sparkassen für betroffene Kunden wurde die breite Spendenaktion „Jetzt helfen.“ (wirwunder.de/fluthilfe) aufgesetzt, mit denen bundesweit Hilfswillige zur Unterstützung beitragen können.

Wie der Präsident hervorhob, stehe die Sparkassen-Finanzgruppe nicht nur in guten Zeiten eng an der Seite der Gesellschaft:

„Sparkassen wurden erfunden, um eine stabile finanzielle Basis für die Menschen zu schaffen. Und sie sind auch da, wenn diese Basis durch Naturkatastrophen attackiert wird.“ Um die Hilfen auch von außen weiter zu stärken, warb Reuter um die Fortsetzung der bisher gezeigten Solidarität und Spendenbereitschaft.

DK

 

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