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(GZ-22-2019)
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► Wasserstoffstrategie:

 

Globale Führungsrolle sichern

Berliner Konferenz erörtert Ideen für die Nationale Wasserstoffstrategie

Mehr als 700 Teilnehmer diskutierten in Berlin auf Einladung der Bundesminister Peter Altmaier, Andreas Scheuer, Anja Karliczek und Gerd Müller die künftige Rolle von Wasserstoff in der Energiewende und für den Klimaschutz. Auch wurden die damit verbundenen industriepolitischen Potenziale in Deutschland und in Entwicklungs- und Schwellenländern diskutiert.

Wie der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer betonte, „bewegen Wasserstoff, Brennstoffzelle und Strom die Zukunft. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Studien und Pilotprojekte zu Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie im Verkehr gefördert. Jetzt muss die Automobilindustrie bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen und den Menschen zeigen, dass die Technik zuverlässig funktioniert. Unsere Wasserstoff-Strategie soll die Industrie dabei unterstützen.“

Quantensprung

Laut dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, „ist der Klimawandel längst die Überlebensfrage der Menschheit. Wir brauchen eine globale Energiewende, um diese Herausforderung zu meistern. Dazu müssen wir einen Quantensprung hin zu CO2-neutralen, synthetischen Kraftstoffen schaffen. Die großen Mengen an erneuerbarer Energie, die dafür nötig sind, können wir aus der Kraft der Sonne schöpfen, die in Afrika 365 Tage im Jahr scheint. Das kann der Grundstein sein für eine neue Energiepartnerschaft zwischen Europa und Afrika.“

Die Bundesregierung wird bis Ende des Jahres eine Wasserstoffstrategie mit einem Aktionsplan erarbeiten. Dazu haben auf der Konferenz Wirtschafts-, Verkehrs-, Forschungs- und Entwicklungshilfeministerium ein Papier als Diskussionsbeitrag veröffentlicht.

Enorme Bandbreite an Möglichkeiten

Darin heißt es: „Für die Energiewende brauchen wir mittel- bis langfristig CO2-freien Wasserstoff in der ganzen Bandbreite seiner Möglichkeiten: Als Energieträger, als Rohstoff in der chemischen Industrie – Wasserstoff ist Grundlage für vielfältige Folgeprodukte wie zum Beispiel Ammoniak, Methanol oder Kunststoffe – sowie für emis-
sionsarme Produktionsprozesse beispielsweise in der Stahlindustrie. Wasserstoff und daraus erzeugte gasförmige und flüssige Energieträger werden insbesondere in den Anwendungsbereichen gebraucht, die langfristig nicht (ausschließlich) oder nur mit großem Aufwand direkt mit Strom versorgt werden können. Das gilt insbesondere für den Schwerlast-, den Schiffs- und Luftverkehr und im PKW-Bereich beim Einsatz auf langen Strecken.“

Wasserstoff ermögliche zudem die Dekarbonisierung auch langfristig weiterbestehender CO2-Quellen über die Abscheidung und stoffliche Verwertung von CO2 (Carbon Capture and Utilization, CCU), zum Beispiel in der Zementindustrie. Mit CO2-freiem Wasserstoff könne die Energiewende somit auch in bestimmten Verkehrs- und Industriebereichen gelingen.

Forschung und Innovation

„Für den Wirtschaftsstandort Deutschland birgt Wasserstoff große Chancen“, sind die Ministerien überzeugt. Die deutsche Wirtschaft sei bereits heute internationaler Vorreiter bei der Entwicklung und dem Export von Wasserstoff- und Power-to-X-Technologien.

„Diese Rolle wollen wir beim bevorstehenden Markthochlauf von Produktion und Abnahme behaupten. Als Grundlage für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit setzen wir auf Forschung und Innovation. Die Herstellung der Komponenten für die Erzeugung, Nutzung und Versorgung von Wasserstoff wird dann zur regionalen Wertschöpfung beitragen und die in diesen Bereichen tätigen Unternehmen werden gestärkt. Wasserstoff steht so für wirtschaftliches Wachstum und die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen in Deutschland. Wir sind überzeugt: Die Energiewende wird dadurch vor Ort erfahrbar, wodurch ihre Akzeptanz wächst.“

„Mittel- und langfristig wird Deutschland CO2-freien Wasserstoff in größerem Umfang importieren müssen“, so die Prognose. Denn aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien und der offenen Frage der Akzeptanz von CCS in Deutschland seien der heimischen Produktion von CO2-freiem Wasserstoff Grenzen gesetzt. Deutschland müsse deshalb neben der inländischen Wasserstoffindustrie parallel auch Importstrukturen für CO2-freien Wasserstoff entwickeln und aufbauen – je früher, desto besser. Einen wichtigen Beitrag könne hierbei auch der „blaue“ Wasserstoff auf Basis von Erdgas leisten, bei dessen Produktion CO2 nachhaltig abgeschieden und gespeichert werden muss.

Der internationale Handel mit Wasserstoff und dessen Folgeprodukten stelle einen bedeutenden industrie- und geopolitischen Faktor dar. Erzeugungs- und Transportoptionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette böten neue Chancen für innovative Unternehmen, für den europäischen Binnenmarkt und die internationalen Partner, vor allem auch Entwicklungs- und Schwellenländer, die über große Potenziale an erneuerbaren Energien verfügen. Hieraus ergäben sich auch zusätzliche Entwicklungschancen vor Ort, aber auch neue Handelsbeziehungen für Deutschland.

Mobilität

Wie dem Papier weiter zu entnehmen ist, „ist im Verkehrssektor die wasserstoffbasierte Mobilität eine notwendige Ergänzung der batterieelektrischen Mobilität. Das gilt vor allem für den Luftverkehr und in der Schifffahrt sowie im Straßenschwerlastverkehr und im Pkw-Bereich beim Einsatz auf langen Strecken. Hier brauchen wir auch in Deutschland zukünftig im erheblichen Maße CO2-freie gasförmige oder flüssige Kraftstoffe, für die die Nachfrage auch weltweit ansteigen wird. Mit der Weiterentwicklung und voranschreitenden Kommerzialisierung von Anwendungen der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bei den verschiedenen Verkehrsträgern werden klimaschutz- und industriepolitische Interessen miteinander verbunden.“

In der Industrie könne perspektivisch bei vielen Prozessen CO2-frei erzeugter Wasserstoff zum Einsatz kommen. In der Raffinerie beispielsweise lasse sich der überwiegend aus fossilen Quellen erzeugte Wasserstoff durch CO2-freien Wasserstoff ersetzen. Dank innovativer Verfahren könnten einige bisher CO2-intensive Industrieprozesse durch die Nutzung von Wasserstoff zum Klimaschutz beitragen. Dazu zähle etwa die Direktreduktion von Eisenerz in der Stahlindustrie.

Nach Einschätzung von VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche „kann Wasserstoff kurzfristig vor allem im regionalen Kontext einen Beitrag zur Energiewende leisten. Eine wichtige Rolle spielt dabei vor allem der gezielte Einsatz von Wasserstoff im Verkehrs- und Industriesektor, in denen keine Alternativen zur Verfügung stehen. Grundvoraussetzungen einer Nutzung von Wasserstoff in den Sektoren sind der weitere konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die frühzeitige Entwicklung einer Strategie zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit zukünftigen ‚Wasserstoff-Exportländern‘. Außerdem muss die Gasnetzinfrastruktur als wesentliches Asset im Rahmen der Energiewende erhalten und weiterentwickelt werden.“

DK

 

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