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(GZ-20-2019)
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► Praxisforum Geothermie.Bayern 2019:

 

Aiwanger kündigt Masterplan an

 

Weltweit einzigartige Bedingungen für die Geothermie weist der Süden Bayerns auf. Über 20 Projekte sind bereits in Betrieb, weitere im Bau oder in Planung. Das diesjährige Praxisforum Geothermie.Bayern präsentierte lokale und internationale Projekte, diskutierte neue Technologien und wissenschaftliche Ansätze, wies auf die politischen Rahmenbedingungen hin und vernetzte die Geothermiebranche.

„Die Geothermie muss raus aus dem Dornröschenschlaf“, forderte Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger als Schirmherr des Praxisforums. „Da haben Sie mich an Ihrer Seite“, erklärte er und dankte den anwesenden Betreibern von Geothermieanlagen für ihr Engagement.

„Sie als Pioniere sind ein unverzichtbarer Teil der Energiewende. Mit der Geothermie haben wir einen Schlüssel für die Wärmewende in der Hand, den wir nur umdrehen müssen.“ Aiwanger unterstrich, dass er die Energieversorgung in Bayern konsequent auf Erneuerbare umstellen und weg von den fossilen Brennstoffen will.

Um das schlummernde Potenzial der Tiefenwärme zu entfalten, kündigte der Staatsminister einen Masterplan Geothermie an. Dieser solle eine Förderung zum Ausbau von Fernwärmenetzen beinhalten, um Wirtschaftlichkeitslücken zu überbrücken, wenn sie vorhanden sind. Im Zuge der Wärmewende müsse die Geothermie in den Mittelpunkt rücken.

Schlummernde Potenziale

Tiefe Geothermie ist unschlagbar günstig mit Wärmegestehungskosten zwischen 30 und 40 Euro pro Megawattstunde. Und sie hat bei den Wärmeträgern eines der höchsten CO2-Vermeidungspotenziale, bei einem CO2-Austoß von nur 35 g/kWh, wie das Umweltbundesamt in einer Studie verdeutlicht hat. Basierend auf diesen Daten wurden für Bayern mittels einer Umfrage bei den Betreibern von Geothermieanlagen 2018 die CO2-Einsparungen der Technologie ermittelt.

Im Anschluss an seine Rede hat Staatsminister Aiwanger die geothermischen Energiepreise Bayern für deren Leistung im Jahr 2018 an das SWM Heizwerk in Riem und das Kraftwerk der Erdwärme Grünwald verliehen.

Nach dem Münchner Raum entwickelt sich im geothermischen Reservoir des östlichen Molassebeckens ein zweiter Hotspot für die Nutzung der tiefen Geothermie in Bayern. Forum IV beschäftigte sich mit den dortigen aktuellen Projekten. So präsentierten Anna-Carina Franke von Rödl & Partner und Marcus Hansen von der Verwaltungsgemeinschaft Kirchweidach ein neues Geothermieprojekt im Kreis Altötting, das in kommunaler Trägerschaft entwickelt wird.

Beispiel Kirchweidach

In der Gemeinde Kirchweidach gibt es bereits eine geothermische Dublette, die Haushalte, Gewerbe und Gewächshäuser vor Ort mit Wärme versorgt. Zukünftig ist auch eine Stromerzeugung geplant. Nordöstlich von Kirchweidach haben Untersuchungen schon 2017 ein weiteres vielversprechendes Aufsuchungsfeld erkennen lassen. Eine weitere Studie bestätigte das Potenzial.

Das Zielgebiet lag etwas außerhalb der ursprünglichen Aufsuchungserlaubnis, doch eine Erweiterung konnte beantragt werden und nach einer europaweiten Ausschreibung wurden nun die polnische Firma „Geofyzika Torun“ mit der Exploration beauftragt. Bohrungen für 2020 geplant Voruntersuchungen weisen auf ein geothermisches Potenzial mit Temperaturen zwischen 116 und 131 Grad Celsius mit der entsprechend hohen Förderrate hin. Bestätigen sich diese Werte, wäre dies eine außerordentlich reichhaltige Ressource im Kreis Altötting.

Die Projektentwickler planen ein Geothermiekraftwerk, das beim gegenwärtigen Strommix in Deutschland jährlich 20.382 Tonnen CO2 einsparen würde, was in etwa dem Ausstoß von 2.000 Bundesbürgern entspricht. Da vor Ort bereits eine Geothermieanlage in Betrieb ist, ist die Bevölkerung der Thematik gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Bohrungen sind bereits für 2020 geplant.

Weitere Vorträge im Forum IV beschäftigen sich mit dem Geothermieprojekt in Traunreut, neuesten Bohrungen und der Kraftwerksplanung in Garching an der Alz, der Projektentwicklung in Trostberg und Palling sowie den Erfahrungen einer auf Geothermieprojekte spezialisierten Entwicklungsgesellschaft.

Geothermie-Allianz Bayern

Schon seit mehreren Jahren ist die Geothermie-Allianz Bayern (GAB) mit einem eigenen Forum auf dem Praxisforum Geothermie.Bayern vertreten. 2019 standen die Wärmewende und die Rolle der Geothermie im Fokus des GAB-Wissenschaftsforums. So präsentierte Dr. Maren Brehme von der TU Delft das Potenzial geothermischer Wärmeversorgung in den Niederlanden. Dr. Markus Loewer von der TU München stellte diesem das tiefengeothermische Potenzial der Metropolregion München gegenüber.

Wie auch Niedertemperaturwärme aus Tiefengeothermie für die Wärmeversorgung genutzt werden kann, wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes mit dem Umweltbundesamt untersucht, das Dr. Horst Kreuter vom Projektpartner GeoThermal Engineering in seinem Vortrag vorstellte.

Innovationen und Neuentwicklungen widmete sich Forum VI, darunter die innovative Explorations- und Erschließungsstrategie im Geothermieprojekt Schäftlarnstraße der Stadtwerke München oder die in der Geothermieanlage Holzkirchen eingesetzte innovative Wärmepumpe der Firma Turboden. Wolfgang Brand von Orcan Energy präsentierte die neue Generation von ORC-Modulen, die eine besonders flexible und kostengünstige Stromerzeugung ermöglichen.

Robert Winsloe vom britisch-kanadischen Unternehmen Eavor Technologies stellte den Eavor-Loop vor, mit dem die Firma ein völlig neuartiges geschlossenes Kreislaufsystem zur Erschließung geothermischer Wärmequellen entwickelt hat. Dieses kann Wärme aus dem natürlichen geothermalen Gradienten der Erde entnehmen, ohne einen durchlässigen Aquifer zu benötigen. Jeder einzelne Eavor-Loop soll dabei eine thermische Leistung von 40 Megawatt (MWth) und eine elektrische Leistung von vier Megawatt (MWel) erzielen.

Skalierbare Technologie

In Kanada hat Eavor bereits eine Demonstrationsanlage errichtet. In Deutschland will man sich zunächst auf die geothermisch besonders interessanten Gebiete im Norddeutschen Becken, dem Oberrheingraben und der Bayerischen Molasse konzentrieren. Die Firma proklamiert, dass ihre Technologie skalierbar, wiederholbar und damit überall einsetzbar sei.

Nach intensiven Workshops und einem umfangreichen Angebot am Kongresstag konnten die Teilnehmer zum Abschluss Geothermie hautnah erleben. Die diesjährige GeoTHOUR führte zum Geothermiekraftwerk Holzkirchen und anschließend zum geothermalen Heizwerk in Poing.

DK

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