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Erster bayerischer Ehrenamtskongress in Nürnberg: Ehrenamtliche sind unverzichtbar
GZ-15-2012
Mittwoch, den 01. August 2012 um 03:00 Uhr

Rund 3,8 Millionen Menschen sind in Bayern ehrenamtlich engagiert: im Rettungsdienst, im Fußballverein oder als Vorleserin im Kindergarten. Warum engagieren sich Menschen ehrenamtlich und wie gelingt es, weiterhin Interessierte zu finden? Wie verändert sich das Ehrenamt und wie kann der Staat bürgerschaftliches Engagement vor Ort unterstützen? Der erste bayerische Ehrenamtskongress in Nürnberg, an dem über 400 haupt- und ehrenamtliche Koordinatoren des Ehrenamts sowie Vertreter aus Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Sport, Kultur und Vereinen teilnahmen, griff diese Fragen praxisnah auf.

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V. l.: Sozialstaatssekretär Markus Sackmann, Schauspielerin Uschi Glas, MdL Dr. Thomas Beyer, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern und Prof. Dr. Doris Rosenkranz, Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg.  Red


Veranstaltet wurde die erstmals bundesweit in dieser Form stattfindende Tagung vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen zusammen mit der Hochschul-Kooperation-Ehrenamt, der Stadt Nürnberg sowie dem Dachverband der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern. Auf dem Programm standen internationale Vorträge und Foren sowie Exkursionen zu best-practice-Beispielen aus dem ehrenamtlichen Bereich vor Ort. Gleichzeitig hatten Ehrenamtliche und Koordinatoren die Möglichkeit, sich zu vernetzen.

Koordinierungszentren

Sozialstaatssekretär Markus Sackmann, der selbst auch ehrenamtlich aktiv als Bezirksvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes Niederbayern/Oberpfalz und als Aufsichtsratsvorsitzender des Kolpingbildungswerkes Regensburg ist, verwies darauf, dass der Freistaat Bayern beispielsweise den Aufbau einer Infrastruktur für alle Engagementbereiche durch landkreisweite Koordinierungszentren fördert. Auch unterstütze er die Ehrenamtlichen durch die Bayerische Ehrenamtsversicherung. Neben der Infrastruktur sei die öffentliche Anerkennung für ehrenamtliches Engagement ein wesentlicher Baustein bayerischer Engagementpolitik. Als Würdigung ihres Engagements gebe es für den einzelnen Engagierten den Ehrenamtsnachweis Bayern und die Bayerische Ehrenamtskarte, die auch mit finanziellen Vergünstigungen für die Ehrenamtlichen verbunden ist.

Dieses Zeichen der Anerkennung unterstützt auch Prof. Dr. Doris Rosenkranz, die an der Fakultät Sozialwissenschaften der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg zu Fragen des bürgerschaftlichen Engagements und des Freiwilligenmanagements lehrt und forscht. Ihrer Meinung nach ist Ehrenamt „ein wichtiger Grundpfeiler unserer Demokratie und ermöglicht Angebote und Chancen, die nur im bürgerschaftlichen Engagement gelebt werden können“. Ohne hunderttausende Engagierte wären Sport und Kultur, Gemeindeleben und soziale Wohlfahrt sowie ein reiches Vereinsleben in Deutschland kaum denkbar.

Großer Kreis Engagierter

Dr. Thomas Beyer, Mitglied des Bayerischen Landtags und aktuell Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern (LAGFW) vertritt etliche dieser Verbände und Vereine und ist überzeugt: „Ohne Ehrenamt würde die Wohlfahrtspflege ihre Seele verlieren. Die Verbände sollten selbstbewusst erkennen, dass sie mit ihrer Erfahrung und dem riesigen Kreis Engagierter wie kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich in der Lage sind, dem Freiwilligen-Engagement Raum zu geben.“

Tatsächlich leisten bayernweit aktuell weit über 100.000 Menschen ehrenamtliche Arbeit in den eigentlichen Einrichtungen und Diensten der Freien Wohlfahrtspflege. Nimmt man das Umfeld der sozialen Einrichtungen, Projekte und Dienste in den Pfarr- und Kirchengemeinden, aber auch in den Bereitschaften des Bayerischen Roten Kreuzes hinzu, zählt man mehr als 415.000 engagierte Bürger. „Das entspricht deutlich mehr als zehn Prozent der ehrenamtlich Tätigen in Bayern“, betonte Beyer.

Damit das so bleibt, sei neben aller Modernisierung der Engagementstrukturen vor allem eines wichtig: „Die Wohlfahrtsverbände müssen sich auf ihre ureigene sozialstaatliche Aufgabe zurückbesinnen. Mit ihrer Glaubwürdigkeit als sozialpolitischer Akteur, als Anwalt der Klienten und wichtiger Gemeinwohlinteressen geben sie auch in Zukunft denen wieder eine Heimat, die ihr ehrenamtliches Engagement in besonderer Weise an gesellschaftspolitischen Werten ausrichten wollen. Die Zukunft des Ehrenamtes in der Freien Wohlfahrtspflege liegt in der Rückkehr zu seinen eigentlichen Wurzeln.“

Einen eigenen Verein, in dem sich Ehrenamtliche engagieren, hat im Jahr 2008 Schauspielerin Uschi Glas zusammen mit ihrem Mann Dieter Hermann und Freunden gegründet. Der Verein „brotZeit e.V.“ kümmert sich um bedürftige Schulkinder.

Die Schauspielerin berichtete, dass sie durch eine Rundfunksendung auf die Not von Kindern auch in München aufmerksam wurde. 3.000 Kinder an Grundschulen würden dort unter Hunger leiden bzw. ohne Frühstück in die Schule geschickt werden. Das wollte sie zunächst nicht glauben und recherchierte daher auf eigene Faust. Was sie erfuhr, schockierte sie: „Es war noch schlimmer, als in dem Beitrag dargestellt.“

brotZeit e.V. unterstützt Kinder und Jugendliche aus einem schwierigen sozialen Umfeld. Dabei setzt der Verein auf die Kompetenz aktiver Senioren. „Brot und Zeit geben“ sind die zentralen Anliegen in den Förderprogrammen von brotZeit e.V. – sie bilden nicht umsonst den Vereinsnamen. Das gemeinsame Frühstück beispielsweise ist inzwischen eine wichtige Kommunikationseinrichtung vor Schulbeginn geworden. Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft kommunizieren miteinander und gehen nach dem Frühstück motivierter in den Unterricht.

Viele Kinder säßen sogar zum ersten Mal an einem Frühstückstisch, berichtete Uschi Glas. Bei einem Migrationsanteil von 70 bis 90 Prozent an den von brotZeit geförderten Schulen stelle das Frühstück eine einzigartige Plattform für eine Unterhaltung in deutscher Sprache dar und sei praktizierte Integration.

Rückgrat des Konzepts sind die aktiven Senioren. Viele leistungsfähige Menschen erreichen Glas zufolge das Rentenalter und fühlen sich mit der Beendigung des Arbeitslebens sozial ausgegrenzt. brotZeit e.V. holt diese Potenziale zurück. Der Verein setzt, in Zusammenarbeit mit den Schulen, geeignete Senioren ein – das kommt den Schülern und den Helfern zugute.

Mittlerweile werden in München und Berlin jeweils 21 Grundschulen täglich mit einem ausgewogenen Frühstück versorgt. Dabei kümmern sich Senioren um die Betreuung der Schüler und geben zusätzlich über das Projekt „Zeit geben“ Förderunterricht, lesen vor, lehren Schach oder helfen bei den Hausaufgaben.

Derzeit werden die Förderregionen Heilbronn/Neckarsulm, Leipzig und Hamburg aufgebaut. Auch hier sollen künftig jeweils ca. 20 Schulen unterstützt werden. Sobald die Finanzierung sicher gestellt ist, sind Förderregionen in Frankfurt a. Main und weiteren Städten geplant. Zum Ziel hat sich der Verein gesetzt, eines Tages 120 Schulen zu betreuen. Stolz ist Uschi Glas auch darauf, dass ihr vorbildliches Tun wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird. DK

GZ-15/16-12

 

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