Erscheinungs- & Themenplanzurück

(GZ-7-2015)
Neues von Sabrina
 
Altes Brauchtum erhalten!

Gestern hat mein Chef gesagt...

„Jetzt werden wir mal sehen, ob ich auf meine alten Tage noch ordentlich Puste habe oder ob dieses Jahr einer der Knirpse Champion im Eier-Ausblasen wird.“ Mein Chef, der Bürgermeister, hält ja alte Traditionen sehr hoch. Deshalb besucht er jedes Jahr einen Kindergarten, um mit den Kleinen Ostereier bunt und phantasievoll zu bemalen. Erster Teil ist natürlich, die rohen Eier kunstgerecht durch das Ausblasen von Dotter und Eiklar mittels zweier kleiner Löcher am Unter- und Oberrand zu leeren, ohne sie kaputt zu machen.

Das Eierfärben gehört zu den ältesten Bräuchen rund um das Osterfest bei uns in der Gegend. Neben den ausgeblasenen Eiern, die als Schmuck für den Osterstrauch aus Weidenkätzchen dienen, gibt es noch die bemalten gekochten Eier, die traditionell zusammen mit dem Osterfladen und einem schönen Schinken in der Kirche geweiht werden. Auch diesen Brauch versuchen wir in der Stadt zusammen mit dem Heimatverein sowie der Pfarrei lebendig zu erhalten und schon den Kita-Kindern nahe zu bringen.

Allerdings wir es immer schwieriger, solch altes und manchmal auch sehr ortsgebundenes Brauchtum zu erhalten. Erst dieser Tage musste man lesen, dass in Thüringen die spezielle Tradition ausstirbt, zu Ostern einen ganzen Baum mit tausenden Eiern zu schmücken, weil der 78-jährige Mann, der das bis heuer erledigt hat, aus gesundheitlichen Gründen aufhören muss und keinen Nachfolger findet. Viele unserer Kindergartenkinder kommen mit ihren mühevoll selbstgebastelten Eiern heim und müssen feststellen, dass sie diese nirgends dranhängen können, weil die Eltern weder Osterbuschen noch Osterkranz aufstellen. Und beim Färben der gekochten Eier stellen schon die Kleinsten in Frage, ob man sich diese Mühe machen sollte, weil man doch bunte „Brotzeiteier“ ganzjährig im Supermarkt kaufen könne.

Ja, man kann zwar Goldhasen und Schokoeier schon ab Februar in den Läden finden, aber nach echten Traditionen rund um das Osterfest sucht man oft vergebens. Gut, ich gebe zu, auch ich backe nicht mehr den Osterfladen nach dem Rezept meiner Oma, weil der mir zu trocken war, sondern einen, dessen Rezept mir die Mutter einer griechischen Schulfreundin überlassen hat, von der ich auch die Gewohnheit übernommen habe, lieben Menschen zu Ostern rot gefärbte Eier als Glückssymbol zu schenken. Na und? Bräuche können auch auswandern, wie Menschen. Man denke nur an Halloween, das ja auch die ganze Welt erobert hat. Wichtig ist doch nur, dass man überhaupt mit den Festen im Jahreskreis etwas besonders verbindet und sich dann auch darauf vorbereitet, indem man etwas bastelt, kocht oder bäckt, das eben speziell mit diesem Fest oder dieser Jahreszeit verbunden ist und das man nicht im Laden kaufen oder via Internet bestellen kann.

Dabei kommt es auch gar nicht so darauf an, dass es etwas Spektakuläres ist. Manche Dinge wie die herrlichen und faszinierenden Eierbrunnen in der Fränkischen Schweiz sind halt mal einzigartig. Und es wäre doch äußerst merkwürdig, wollte man diesen Brauch, der in dieser wasserarmen Gegend wohl auf heidnischen Quellenzauber zurück geht, etwa ins wasserreiche Oberland oder in die von Teichwirtschaft geprägten Teile der Oberpfalz importieren. Wichtig ist nur zu erkennen, dass jede Gegend etwas Typisches hat, das sich zu erhalten und zu pflegen lohnt.

Mein Chef, der Bürgermeister, lässt sich nicht beirren: Unverdrossen bleibt er mit den Leitern der Kindergärten und Grundschulen in der Stadt in Kontakt, um den Kindern altes Brauchtum mitzugeben, auch wenn sie es von zu Hause her nicht mehr kennen. Auch kulturelle Grenzen, etwa bei Zuwanderern, sind dann nicht trennend, wenn den jungen Mitbürgern nichts aufgedrückt, sondern ihnen nur erklärt wird, was bei uns der Brauch ist und wieso das die Menschen seit Jahrhunderten so praktizieren. Damit ist Traditionspflege auch mit Zuwanderung und Globalisierung in Einklang zu bringen: Als typische Eigenart der Gegend, in der man lebt. Damit er seinen Schwung und Elan behält, maile ich ihm noch einen Satz von Jean Giono: „Die Welt ist eine optimistische Schöpfung. Beweis: Alle Vögel singen in Dur.“

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich gesegnete Ostern!

Ihre Sabrina

GemeindeZeitung

Neues von Sabrina

GZ Archiv

Kolumnen & Kommentare aus Bayern

AppStore

facebookTwitterGoogle+YouTube

Google Play

© Bayerische GemeindeZeitung

Hinweis zu Cookies

Die Bayerische GemeindeZeitung möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Sie können Cookies blockieren und löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen entsprechend ändern. Weitere Informationen finden Sie im Impressum.

Weiter