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(GZ-9-2015)
Neues von Sabrina
 
Herausforderungen gemeinsam lösen

Gestern hat mein Chef gesagt...

So, liebe Sabrina, Sie wollen also zur EXPO nach Mailand fahren? Spannend. Ich selbst habe noch nie eine Weltausstellung besucht, auch damals nicht, als sie in Hannover war. Da wünsche ich Ihnen viele interessante Eindrücke.“ Mein Chef, der Bürgermeister, drückte mir den genehmigten Urlaubsantrag in die Hand. Allerdings passte sein Gesichtsausdruck nicht so recht zu seinen Worten. Er fragte sich offensichtlich, warum zum Teufel man für teures Geld nach Mailand fahren und eine Weltausstellung anschauen will.

Natürlich ist mir klar, dass viele Leute sagen, das Konzept der Weltausstellungen habe sich überlebt und eine EXPO sei heute mehr eine statische Repräsentation der Staaten denn ein dynamisches Schaufenster der Innovationen, wie es in den großen Zeiten der legendären Weltausstellungen Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts noch der Fall war. Hier habe die permanente EXPO des Internets den Weltausstellungen schon lange klar den Rang abgelaufen.

Mag alles sein, aber ich glaube nicht, dass man eine EXPO mit den Hochämtern der Industrialisierung und Fortschrittsgläubigkeit vergleichen sollte, die Weltausstellungen früher waren. Heute geht es nicht mehr darum, die Staaten in der Konkurrenz immer neuerer und staunenswerterer Innovationen zu sehen, die sie idealtypisch gegeneinander entwickelt haben, sondern alle Aussteller sollen ihre Ideen und ihre Lösungen zu konkreten Herausforderungen der Menschheit präsentieren, die eben diese Menschheit wohl auch nur gemeinsam wird lösen können.

So befasst sich die diesjährige EXPO in Mailand mit der Frage, wie sich die Menschheit in Zukunft ernährt und wie sie Energie produziert, beides natürlich ohne die bisherige Teilung in Mangel und Überfluss sowie ohne Überforderung der natürlichen Ressourcen. Die Ideen hierzu dürften so vielfältig und bunt sein wie die Zahl der Länder und Aussteller, die diese in ihren Pavillons präsentieren.

Gerade uns Mitteleuropäern wird es guttun, uns mit der Frage der Erzeugung von Lebensmitteln zu beschäftigen. Wir müssen uns ja Gott sei Dank um das „tägliche Brot“, um das Jahrtausende lang gebetet wurde, keine Sorgen machen. Im Gegenteil, klassische Nahrungsaufnahme mit einer abwechslungsreichen Kost aus den bei uns verfügbaren Nahrungsmitteln ist eigentlich fast schon ein Merkmal sozialer Ausgrenzung. Selbst wer vegetarisch isst, gerät leicht in Verdacht des Mainstream, seit vegan das Non-plus-ultra geworden ist, eine Form der einseitigen Mangelernährung, die die meisten Anhänger nur durchhalten, weil sie die Vitamine, Proteine und Spurenelemente, die halt mal nur in tierischen Produkten und nicht in Pflanzen enthalten sind, als Pillen zu sich nehmen.

Hört man manchen selbsternannten Experten zu, erscheinen Lebensmittel generell als etwas Bedrohliches, wenn sie aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Nicht wenige derjenigen, die mit großem Misstrauen auf das Angebot von Äpfeln, Trauben oder Tomaten aus süd-europäischen Ländern blicken („wer weiß, was die spritzen!“), obwohl überall in der EU die gleichen Erzeugerstandards gelten, nehmen mit Freude zur Kenntnis, dass Bioerzeugnisse aus China oder Südafrika auf dem Markt sind. Sie lassen sich auch im Winter den Bio-Spargel aus Peru schmecken, wohingegen kein EU-Ei ohne Abstammungsurkunde auf den Frühstückstisch kommt.

Mein Chef, der Bürgermeister, musste mir Recht geben: Wenn man die Menschheit ernähren will, muss man bereit sein, sich von der romantischen Vorstellung zu verabschieden, dass die ganze Welt ein einziger großer Bio-Laden werden kann. Kunstdünger ist kein Fluch, sondern sein Einsatz ernährt Millionen. Grüne Gentechnik hilft, den Hunger zu überwinden, auch wenn man persönlich vielleicht keinen schädlingsresistenten Reis essen will. Aber der Chef outet sich auch wieder einmal als Lebenskünstler, indem er einen Satz des französischen Königs Henry IV twittert: „Gute Küche und gute Weine, das ist das Paradies auf Erden“.

Ihre Sabrina

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