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(GZ-4-2016)
Neues von Sabrina
 
Schwein haben - oder lieber nicht?

Gestern hat mein Chef gesagt...

„Jetzt geht es um die Wurst. Oder besser gesagt um einen wichtigen tierischen Kulturträger. Es geht ums Schwein. Hat es bei uns noch eine kulinarische Zukunft?“ Mein Chef, der Bürgermeister, las gerade den Brandbrief einer Elterninitiative, die ihn aufforderte zu erklären, ob auch unsere Stadt dem Caterer der städtischen Kindertagesstätten und Schulen verbieten würde, Schweinefleisch anzubieten. Geschähe dies aus Rücksicht auf die muslimischen Schüler, wäre eine solche Anweisung ein Anschlag auf unsere abendländische Kultur.

Was die besorgten Bürger, die sich als Eltern ausgaben, nicht wussten: Die Stadt beschäftigt keinen Caterer, sondern das Essen für die Mittagsverpflegung wird in der Krankenhausküche gekocht – frisch, ausgewogen, mit Bio-Zutaten aus der Region und nach einem ausgefuchsten Wochenplan. Denn lieber den berühmten Sack Flöhe hüten, als einen Speiseplan für Schulen oder Kindergärten aufzustellen. Ginge es nach den Endverzehrern würde ein wechselndes Angebot aus Pommes Schranke (d.h. rot/weiß mit Ketchup und Mayonnaise), Burger und Pasta mit Sauce reichen. Ab und zu vielleicht Fischstäbchen aus delphinfreundlichem Fang und Pizza an Tagen mit Mathe-Klassenarbeiten - zum Trösten. Aber die Eltern haben da mehr als differenzierte Ansichten.

Natürlich muss es neben einem Gericht mit Fleisch auch etwas Vegetarisches geben, besser noch vegan. Rücksicht zu nehmen ist auf die Glutenintoleranz vieler Kinder sowie darauf, dass zu viel Zucker, Salz, Fruktose und was weiß der Himmel noch auch schädlich ist. Käse ja, aber nur in der Magerstufe, Margarine oder Olivenöl statt Butter ist selbstverständlich. Fisch geht auch, aber nur die Sorten, die laut Greenpeace nicht überfischt sind und natürlich um Gottes Willen nicht aus Aquakulturen. Garnelen gehen auch gar nicht, weil deren Zucht die Gewässer vor Indien versalzt. Wobei allein schon die Unterstellung, man könnte ein Schulessen, das ja aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit nur ein paar Euro dreißig kosten darf, mit Garnelen anreichern, viel darüber aussagt, auf welchem Planeten manche Menschen wohnen. Überhaupt drängt sich manchmal der Eindruck auf, als würden die höchsten Ansprüche an das Schulessen von denjenigen kommen, die daheim ihrem Scheißerchen aus Zeitmangel regelmäßig ein übersalzenes, aus Analogkäse, Pressfleisch und Geschmacksverstärkern bestehendes Fertiggericht vorsetzen.

Und jetzt also auch noch das Schwein. Hand aufs Herz, ich kann jede Verwaltung verstehen, die unter dem Ansturm all dieser Ansprüche diesen tierischen Stein des Anstoßes vermeiden will. Muslime dürfen es nicht essen und andere wollen es aus ernährungsphysiologischen Gründen nicht auf den Tellern ihrer Kinder haben. Dabei ist das Hausschwein einer der treusten Begleiter des Menschen auf dem Weg in die Zivilisation. Es diente schon unseren frühesten Vorfahren, die in Mittelasien und dem Nahen Osten sesshaft wurden als Nahrung, wie archäologische Funde beweisen. Ohne den genügsamen Allesfresser hätte es um die Proteinversorgung unserer Vorfahren um einiges schlechter ausgesehen. Darum sind vom bayerischen Schweinsbraten, dem preußischen Eisbein, dem dänischen Flæskesteg bis hin zum japanischen Chashu überall da Gerichte mit Schwein besonders populär, wo die klimatischen Lebensbedingungen früher eher hart waren. Noch heute ist die Schweinezucht ein Rückgrat der Landwirtschaft bei uns.

Mein Chef, der Bürgermeister, wird deshalb den Teufel tun und Schwein in der Schulkantine verbieten. Wir werden aber auch nicht anordnen, dass Schwein regelmäßig zu servieren ist. Hier muss eine Abstimmung mit dem Tablett stattfinden: Wer Schwein mag, soll es bekommen, wer es nicht mag oder essen darf, muss eine Alternative haben. Wir zwingen ja auch keinen, den veganen Spinat ohne Sahne und Ei zu essen, obwohl er ab und zu angeboten wird. Jeder soll nach seiner Façon selig werden, das ist unser way of life. Übrigens: Eine besondere Beziehung zum Schwein hatte offenkundig Winston Churchill: „Ich mag Schweine. Hunde sehen zu uns auf, Katzen sehen auf uns herab. Schweine begegnen uns auf Augenhöhe.”

Ihre Sabrina

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