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(GZ-3-2016)
Neues von Sabrina
 
Von Fasching und Karneval

Gestern hat mein Chef gesagt...

„So, liebe Sabrina, sind Sie zufrieden mit mir? Habe ich meine Pflicht ordentlich erfüllt? Dann kann ich ja jetzt ganz beruhigt an meinen Schreibtisch gehen.“ Mein Chef, der Bürgermeister, ließ wie jedes Jahr mit stoischer Gelassenheit das Abschneiden der Krawatte über sich ergehen und verschwand in seinem Amtszimmer. Er respektiert, dass am Unsinnigen Donnerstag die weibliche Rathausbesatzung am Ruder ist.

Gut, das Ritual der Weiberfasnacht und das Stutzen der seidenen Manneszier (wahlweise auch der Schnürsenkel oder eines Anzugrevers – wobei letzteres ist schon ziemlich starker Tobak!) ist eher rheinischen Ursprungs. Aber in Zeiten des interkulturellen Austauschs muss dafür auch in einem bayerischen Rathaus Platz sein. Jedenfalls bei uns fügen sich alle Platzhirsche klaglos dem Regiment der Angehörigen des sanften und einmal im Jahr eben schneidenden Geschlechts. Da ist Bürgermeister und Amtsbote, Dezernent und Fahrer, Stadtrat und Amtsrat gleich und auch bei den scherenschwingenden Weibern unterscheiden wir nicht zwischen Besoldungs- oder Hierarchiestufen.

Unser Rathaus ist dabei beileibe keine Chauvibude, die uns unterdrückten Weibchen so auf der Seele liegt, dass wir einmal im Jahr symbolisch der Männlichkeit unserer Unterdrücker zu Leibe rücken müssten. Es ist einfach eine Faschingsgaudi, die sich bei uns im Amt so eingebürgert hat. Sonst läuft eh nix in Sachen Fasching, Fasnacht, Karneval bei uns im Büro, außer dem obligatorischen freien Nachmittag am Faschingsdienstag. Früher, vor meiner Zeit, hat wohl der Personalrat noch eine Feier in der Kantine organisiert, mit Kostüm und Tanz und allem was dazu gehört. Aber die Feierzeit ist mit der Zeit zuguns-ten der Freizeit eingegangen.

Naja, „en jede Jeck is andes“, heißt es doch so schön. Deshalb wird die tolle Jahreszeit auch überall ein bisschen anders gefeiert. Frech war allerdings der Artikel in einer großen überregionalen Sonntagszeitung mit Sitz in Berlin, die sinngemäß schrieb, Bayern habe außer dem Fernsehfasching aus Veitshöchheim karnevalistisch nicht viel zu bieten. Da ist jemandem wohl die Narrenkappe vor die Augen gerutscht.

Dass ich nicht lache! Gar nicht zu reden vom Lindauer Narrentreffen, den Damischen Rittern, dem Tanz der Marktweiber in München oder dem sowohl einmaligen wie geheimnisvollen Chinesenfasching in Dietfurt - es gibt in Nord- und Süd-, in Ost- wie Westbayern überall kleinere oder größere Fastnachtsschmankerl, die sich die Redakteure in der Berliner Faschings-Diaspora erstmal gründlich ansehen sollten, bevor sie ablästern. Also nix für Ungut, Karneval ist nicht nur der Aachener Orden, die Kölner Prunksitzung, der Mainzer Rosenmontagszug oder die jedes Jahr wieder nervenzerfetzende Frage, mit welchem Kostüm Markus Söder am Tag eins nach Veitshöchheim die Bilder der Berichterstattung dominiert.

Die Saison steht ja dieses Jahr auch im Zeichen der Furcht vor interkulturellen Verständigungsproblemen ganz anderer Art. Das Innenministerium in NRW hat schon die – dort traditionelle – Hausparty zu Weiberfasnacht abgesagt, weil man Angst hatte, sollte es zu erneuten Übergriffen durch kriminelle Dreckskerle wie zu Silvester kommen, heißt es, das Ministerium tanzt und draußen tobt der Bär. Also halten wir allen Feierfreudigen im Lande und nicht zuletzt den anständigen Flüchtlingen, die durch diese Diskussion mit in ein schiefes Licht geraten, die Daumen, dass die Saison friedlich zu Ende geht.

Mein Chef, der Bürgermeister, verriet mir auf die Frage, welches Kostüm er diesmal auf den Faschingsbällen tragen werde, er wolle als Horst Seehofer gehen. Die Rolle des gereiften Anzugträgers sei ihm wie auf den Leib geschneidert. Das ist ganz der feine Humor, den ich an ihm so schätze. Deshalb habe ich auch heute etwas Besonders aus dem Zitatenschatz für ihn. Eine Weisheit von Victor Hugo, die er sicher nicht auf den Karneval gemünzt hat, welche aber gut dessen Wesen ausdrückt: „Das Lachen ist die Sonne, die den Winter aus dem menschlichen Antlitz vertreibt.“

Ihre Sabrina

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