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(GZ-22-2015)
Neues von Sabrina
 
Den Kampf um die Köpfe aufnehmen!

Gestern hat mein Chef gesagt...

„Ich hab schon gedacht, das Laub fällt gar nicht mehr von den Bäumen ab.“ Mein Chef, der Bürgermeister, blickte reichlich versonnen aus seinem Bürofenster auf die stolzen Bäume, die den Rathausplatz säumen und jetzt jahreszeitgemäß kahl, aber immer noch majestätisch in den Himmel ragen.

Was war das dieses Jahr doch für eine Pracht mit dem sich verfärbenden Laub überall in der Stadt und in den Wäldern rings um uns. Gut, ein Indian Summer in Vermont, New Hampshire oder Massachusetts mag spektakulärer, eindrücklicher, farbintensiver sein, aber mir hat es bei uns prächtig gefallen. Dabei weiß ich nicht ob es stimmt, was einige behaupten, nämlich dass die Bäume dieses Jahr länger Laub trugen als normal. Aber die Sonne und das klare Wetter haben doch irgendwie alles verzaubert und intensiver wirken lassen. Das war das absolute Kontrastprogramm zum stereotypen November mit grau und nasskalt. Sonnig und warm so wie ich ihn noch nie erlebt habe, hat der November begonnen. Deshalb würde ich es den Bäumen auch nicht übel nehmen, wenn sie sich tatsächlich etwas Zeit gelassen hätten mit dem Abwerfen der Blätter und noch etwas länger das Leben durch ihre Adern und Fasern transportiert hätten. Die Rosen und andere Pflanzen weigern sich ja auch standhaft zu akzeptieren, dass es gilt, sich für dieses Jahr ins Unvermeidliche zu fügen und blühen auf Teufel komm heraus.

Entsprechend will sich der besinnliche, der melancholische, der trübe Charakter des November derzeit nicht einstellen und hat auch noch nicht von den Seelen der Menschen Besitz ergriffen, die immer noch in den Parks und Anlagen flanieren, sich auf den Bänken die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und ab und zu auf die Kalenderfunktion im Smartphone schauen um zu kontrollieren, ob nicht doch schon versehentlich April ist.

Dieser November passt jedenfalls so gar nicht zu meiner momentanen Gemütslage. Was am 13. November in Paris geschehen ist, lässt uns alle in einen Abgrund der menschlichen Seele blicken. Viele haben nach den Berichten über die grausamen Massaker an ganz normalen Leuten wie Du und ich ihre klassische Bildung bemüht und Plautus zitiert, wonach der Mensch dem Menschen ein Wolf sei. Dabei zeigt sich doch gerade wieder, wie sehr der Mensch sich vom Tier unterscheidet.

Wölfe, wie andere Tiere auch, haben eine natürliche Hemmung, Artgenossen zu töten. Wenn Wölfe miteinander kämpfen, endet dies in der Regel mit der Unterwerfung eines Tiers, nicht mit dessen Tod. In eine Menge wehrloser, am Boden liegender, verängstigter und blutender Artgenossen zu schießen, auf seinesgleichen Sprengsätze zu werfen, ohne von diesen persönlich Böses erfahren zu haben, dies bringt nur der Mensch fertig. Der Mensch kann hassen, der Mensch kann eifern, der Mensch kann fanatisch einer Idee anhängen.

So ist es wohl ironischerweise die Fähigkeit zu denken, ist es die Fähigkeit, Emotionen zu haben, die den Menschen befähigt, die zerstörerische Schwelle zu überschreiten, die das Tier nicht überschreitet – den Mitmenschen ohne Grund und Mitleid zu massakrieren. Deshalb werden wir uns auch noch so sehr bemühen können, die Innere Sicherheit zu stärken, Plätze zu überwachen, Grenzen zu sichern, Polizei und Geheimdienste zu stärken – vordringlich müssen wir in den Krieg der Ideen ziehen. Aus den Köpfen muss das Gift des Fanatismus und der Intoleranz heraus und stattdessen müssen Humanismus, Freiheits- und Friedensliebe und die Achtung des Nächsten in die Köpfe hinein.

Mein Chef, der Bürgermeister, ist überzeugt: So dringend wir Polizei und Sicherheitsdienste stärken müssen, so dringend müssen wir den Kampf um die Köpfe aufnehmen: In den Schulen und bei den Erwachsenen. Bei uns und an den Brutstätten des Terrors. Wir müssen dagegen ankämpfen, was Erich Kästner einmal pessimistisch so formulierte: „Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar.“

Ihre Sabrina

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