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(GZ-18-2017)
Neues von Sabrina
 
Kinder als Statussymbol?

Gestern hat mein Chef gesagt...

„Werden Kinder zum Statussymbol? Frei nach dem Motto: Mein Auto, mein Haus, meine Yacht, mein Baby. Naja, wenn wir so die demographische Wende schaffen, soll es mir Recht sein.“ Mein Chef, der Bürgermeister, war fassungslos über den Aufwand, den junge Eltern heutzutage um ihren Nachwuchs betreiben.

Auslöser war keines der Kinder des Bürgermeisters. Bei seiner Tochter ist er eh der Meinung, dass sie bis 35 warten kann, bevor das erste Kind kommt, nach Ausbildung und ersten Karriereschritten. Ob das nun eine sehr fortschrittliche Einstellung zur Rolle der Frau in der Gesellschaft ist oder ob er mit Mitte 50 nur noch nicht Opa werden will, ist Gegenstand heftiger Spekulationen im gesamten Rathaus. Seinem Sohn würde er wohl die Reproduktion auch früher gestatten, aber der ist noch nicht in festen Händen.

Nein, eine Nachbarin von ihm, durchaus schon arriviert und in einem Alter, das dem Bürgermeister für Kinder passend erscheint, hat die Geburt ihrer Tochter mit einer wahren Kauforgie an Babyausstattung gefeiert, die jetzt eben in der Nachbarschaft die Runde macht. Während Eltern im Schnitt in den ersten Lebensjahren gut 1.125 Euro für die Hardware rund ums Kind ausgeben, kostete allein der Kinderwagen der Nachbarin fast 2.000 Euro. Dafür wird allerdings auch etwas geboten, einschließlich einer im Wagen integrierten Heizung für die kälteren Tage und USB-Schnittstellen für Smartphone und Tablet am Griff des Kinderwagens, damit die wichtigen Verbindungsglieder in die kinderlose Außenwelt durch den Elektromotor im Babycoupé aufgeladen werden können.

Ich sehe schon, wie es meine Schwester gemacht hat, geht es gar nicht mehr. Sie hatte sich doch tatsächlich einen gut erhaltenen Kinderwagen gebraucht gekauft (der neben dem Erstgeborenen noch zwei Geschwister sicher von A nach B brachte), sich von der Familie einen kuscheligen Schaffellsack für die kalten Tage schenken lassen und am Spielplatz, in der Krabbelgruppe oder beim Kinderarzt einfach mit anderen Müttern und Vätern geredet, anstatt auch noch in der schönen Zeit mit den Kleinen ins World Wide Web abzutauchen.

Heutzutage gehören Kinder Gott sei Dank wieder dazu, wenn zwei gemeinsam durchs Leben gehen wollen. Die Zeit der DINKs (Double Income No Kids) scheint vorüber. Die Familien werden auch durchaus wieder größer, die Einzelkinder seltener und auch drei Kinder sind für viele kein Tabu mehr, gerade für Leute, die im Beruf schon etwas erreicht haben.

Aber dann sollen die kleinen Plagen jedenfalls bitteschön etwas zu Repräsentation und Status von Papa und Mama beitragen. Kinderwagen eignen sich dazu prächtig, ebenso wie die Kleidung. 25 Prozent der jungen Eltern geben mehr als 500 Euro für einen Kinderwagen aus, der was her macht und zeigt: Ich kann mir den kleinen Schreihals leisten, habe Freude an innovativen Klapptechniken und achte bei der Bereifung auf Geländegängigkeit und Stoßfestigkeit - wie bei meinem SUV auch.

Weil man die Kinder ja auch vorzeigen will, war wahrscheinlich der Aufschrei unter Londons Müttern so groß, als ein Warenhaus ankündigte, in Zukunft nur noch Unisex-Klamotten für Kinder zu verkaufen, weil Buben und Mädchen doch eh das Gleiche tragen (naja, vielleicht mit Ausnahme der Röckchen?). Ein „geht gar nicht“ war über den Kanal auch in deutschen Blättern zu lesen. Da beschloss ich für mich, künftig zu verschweigen, dass ich bis zur Pubertät die alten Pullover und Hosen meines großen Bruders aufgetragen habe.

Mein Chef, der Bürgermeister, hat ja mit seiner Frau auch Kinder groß gezogen und kein solches Tamtam um den Nachwuchs gemacht, obwohl er es mit Stolz auf seinen Nachwuchs mit jedem anderen Papa auf der Welt locker aufnehmen kann. Aber unabhängig von allem freut ihn, dass Konrad Adenauer 50 Jahre nach seinem Tod wieder mal Recht bekommen hat: „Kinder kriegen die Leute immer.“

Ihre Sabrina

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