Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-4-2017)
Kommentar von Stefan Rößle
 
► Stefan Rößle, Landrat im Landkreis Donau-Ries, KPV-Landesvorsitzender:
 
Umweltschutz beginnt im Kleinen

Liebe Leserinnen und Leser,

Obwohl die Themen Umweltschutz und Klimaschutz für die Menschen unbestritten als Schlüsselherausforderungen des 21. Jahrhunderts gelten, kommt es leider des Öfteren vor, dass konkrete Maßnahmen vor Ort mit dem Hinweis auf eine notwendige globale Handlungsstrategie vorab relativiert und kleingeredet werden. Als Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) können wir dafür eigentlich kein Verständnis aufbringen.

Ohne Zweifel müssen die großen Herausforderungen, gerade was Müll und Treibhausgase betrifft, auch letztendlich von der Gesamtheit der Weltgemeinschaft gelöst werden. Denn kein einzelnes Land und schon gar nicht eine Kommune kann hier alleine sprichwörtlich „die Welt retten“.

Aber Fakt ist: Um die Folgen der Klimaänderungen für den Menschen beherrschbar zu gestalten, die Umwelt zu schützen und die natürlichen Lebensressourcen (Boden, Wasser, Luft) für die kommenden Generationen zu erhalten, ist ein Handeln auf allen Ebenen erforderlich - auch bei uns vor Ort. Hierzu gibt es zahlreiche Ideen und Projekte, die mit überschaubarem Aufwand für die Kommunen umgesetzt, begleitet oder unterstützt werden können. Dazu gehören neben der Förderung der Energiewende (z. B. E-Mobilität, Energieberatung), gemeinsame Projekte mit der Wirtschaft (z. B. regionale Direktvermarktung), mit Verbänden, der Landwirtschaft sowie Angebote im Bildungsbereich (z. B. Umweltschule) und öffentliche Kampagnen (z. B. zur Müllvermeidung).

Beim Stichwort Müllvermeidung möchte ich aus meinem Landkreis Donau-Ries über eine hochinteressante Projektidee berichten. Dabei geht es um die Realisierung eines Lebensmittelladens gänzlich ohne Verpackungsmüll. In Großstädten wie Berlin, München, Nürnberg und Augsburg gibt es so etwas längst, aber im ländlichen Raum gestalten sich die Rahmenbedingungen etwas schwieriger, ein Lebensmittelgeschäft zu etablieren, in dem man ohne Plastikmüll zu erzeugen, seinen Einkauf tätigen kann.

Nicht nur Mehl, Müsli und andere Getreideprodukte – vor allem von regionalen und biologischen Bauern und Mühlen – soll man sich dort künftig in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen können; auch Obst und Gemüse soll es vor allem saisonal und lose geben, ebenso wie offenen Käse. Andere Lebensmittel sollen in Gläsern angeboten werden – Hauptsache kein Plastikmüll. Spontankunden erhalten dafür Glasbehälter mit Pfand und Stofftaschen.

In der Theorie klingt das recht einfach, doch die tatsächliche Umsetzung im Detail erfordert im Vorfeld und vor dem Hintergrund der strikten Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorgaben einen hohen Aufwand – konzeptionell, finanziell und organisatorisch.

Aber der Grundgedanke ist durchaus schlüssig und wenn alles klappt, wird sich der Einsatz mehrfach lohnen, vor allem aber für die Umwelt, die etwas vor weiteren Müllbelastungen behütet wird. Man mag es kaum glauben, aber rund 617 kg Müll produziert schon jetzt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Über 7 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landen jährlich in unseren Ozeanen. Eine Plastiktüte zersetzt sich in der Regel erst nach 450 Jahren und gibt in dieser Zeit ständig Schadstoffe mit den klangvollen Namen wie Bisphenol A oder Phtalate an die Umwelt ab. Diese Fakten allein lassen einen schon von der Planung eines Geschäftes überzeugen, das Lebensmittel lose und ohne Plastikmüll verkaufen möchte. Damit wird zwar nicht ansatzweise das globale Müllproblem gelöst, aber ein höchst sinnvoller Beitrag geleistet.

Nicht zu vernachlässigen sind übrigens auch die Signalwirkungen und Nachahmungseffekte, die letztendlich aus einer solchen Initiative und deren erfolgreichen Realisierung erwachsen können.

Deshalb sollten wir auf kommunaler Ebene derartige Ideen unbedingt unterstützen. Wir wollen auf jeden Fall mit unserem Abfallwirtschaftsverband eine Kooperation mit dem innovativen Ladengeschäft schließen. Denn Umweltschutz beginnt im Kleinen. Bei uns, in den Kommunen.

Ihr Stefan Rößle, Landrat im Landkreis Donau-Ries, KPV-Landesvorsitzender

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