Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-5-2015)
Kommentar von Josef Mader
 
Josef Mederer, Bezirketagspräsident:
 
Heimatbegriff erlebt Renaissance

Liebe Leserinnen und Leser,

Totgesagte leben länger. Was in den 1970er und 1980er Jahren schier undenkbar war, ist eingetreten: Der Heimatbegriff erlebt eine Renaissance. Rock- und Folkgruppen integrieren Elemente der bayerischen Volksmusik, junge Dichter rezitieren auf Poetry Slams Mundartgedichte, Filmemacher wie Edgar Reitz und Marcus H. Rosenmüller erfinden den neuen Heimatfilm. Parteien beschäftigen sich in ihren Fachtagungen mit dem Heimatbegriff, die Zeitschrift „Der Spiegel“ widmete ihm eine Titelseite, die Sender „Phoenix“ und „Bayerisches Fernsehen“ ganze Nachmittage und Abende.

Aus einem lange Zeit zumindest in bestimmten Kreisen fast anrüchigen, weil politisch und gesellschaftlich missbrauchtem Begriff, ist in Zeiten der Globalisierung wieder ein arbeitsfähiges Konzept geworden. Das Konzept Heimat – oft als Utopie, als Mythos, als Konstrukt, als moderne Imagination geschmäht – es scheint überlebensfähig, weil erstaunlich wandelbar, anpassungsfähig und flexibel.

Das Bewahren von Kulturgütern und historischer Identität ist kein Selbstzweck, sondern ist gegenwärtiger und – vor allem auch – zukünftiger Lebensqualität verpflichtet. Deshalb muss Heimatpflege nicht nur geschichtsorientiert, sondern auch zukunftsorientiert agieren. Sie darf sich drängenden Fragen neuer Heimatbedrohungen z.B. durch Zersiedelung, unpassenden Bauformen, Fluglärm, unkontrolliertem Straßenbau, mangelnder sozialer Integration oder falschen Geschichtsbildern nicht entziehen. In der entsprechenden Handreichung der Bayerischen Staatsregierung steht deshalb zu Recht: „Die Heimatpfleger werden gebeten, auch in Zukunft dazu beizutragen, unsere Heimat vor Verlusten zu bewahren – und den vorhandenen Werten neue hinzuzufügen.“

Aber wem gehört die Heimat? Dass sich unter diesem Eindruck auch ein Bayerisches Staatsministerium mit dem Begriff „Heimat“ schmückt, mag auf den ersten Blick zum Schmunzeln anregen. Die Hauptanliegen dieses Hauses, die sehr heterogen sich entwickelnden bayerischen Regionen, durch verstärkte Strukturmaßnahmen wie Breitbandverkabelung, Straßenbau und Behördenansiedelungen einander anzugleichen, ist sicherlich sinnvoll und auch notwendig. Diese Bemühungen im weiteren Sinn als „Heimatpflege“ zu bezeichnen, ist zwar eine kreative, aber zulässige Ausweitung des Heimatbegriffs. Dann wäre es allerdings mehr als naheliegend, wenn das Nürnberger Ministerium auch mit den traditionellen Kräften der Heimatpflege, etwa den bayerischen Bezirken, Kontakt aufnähme. Vielleicht ergäben sich ja Synergieeffekte auf dem Gebiet der kulturellen und politischen Arbeit. Nachdem diese Kontaktaufnahme bisher nicht stattgefunden hat, könnte man aber fast denken, in Nürnberg wisse man selbst am Besten, dass das dortige Etikett „Heimatministerium“ nichts mit den bisher gebräuchlichen Auslegungen des Heimatbegriffs zu tun hat. Umso erfreulicher, dass kürzlich erstmals ein gemeinsames Gespräch zwischen den sieben Bezirksheimatpflegern und dem Ministerium stattgefunden hat. Auf Anregung der Heimatpfleger.

Ihr Josef Mederer, Bezirketagspräsident

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