Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-11-2019)
Kommentar von Dr. Klemens Gsell
 

► Dr. Klemens Gsell, Stv. Landesvorsitzender der KPV Bayern, 3. Bürgermeister der Stadt Nürnberg:

 

Schulen brauchen ein dauerhaftes Gemeinschaftsprojekt Digitalisierung

Liebe Leserinnen und Leser,

„Dicke Luft“, so kann man den derzeitigen Beziehungsstand zwischen Kultusministerium und kommunalen Spitzenverbänden, insbesondere dem Städtetag bezeichnen. Was war geschehen? In einem überraschenden Rundbrief hatte der Kultusminister angekündigt, das bayerische Programm für die Unterstützung der Erstausstattung der Klassenzimmer mit digitalen Medien sei „ausfinanziert“. 

An seine Stelle würden die Bundesmittel treten, für die es aber noch keine genauen Förderrichtlinien gebe und daher könne derzeit keine Förderzusage mehr erteilt werden. Die Kommunen sollten die Maßnahmen noch nicht beantragen und ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn sei förderschädlich. Wenn der Minister wirklich erwartete, dass dies mitten in den laufenden massiven Anstrengungen der Kommunen zur Digitalisierung ohne Widerspruch bleiben würde, dann ist das diplomatisch ausgedrückt ein Zeichen von Realitätsferne.

Bayern begann super!

Dabei hatte alles in Bayern so super angefangen.Als erstes Bundesland gab es ein Programm des Finanzministeriums zum Anschluss der Schulbauten an Hochleistungsnetze. Und das Programm „digitales Klassenzimmer“ für 50.000 Räume ist ein warmer Mai-Regen für die kommunalen Initiativen zur Ausstattung der Schulen gewesen. In keinem Bundesland wurde so intensiv gehandelt, wie in Bayern. Wohlgemerkt die Kommunen als Sachaufwandsträger trugen den überwiegenden Teil zu diesem Zwischenspurt bei.
Im Koalitionsvertrag war auch festgehalten, dass der Freistaat sich bei der Schul-IT engagieren wolle und das ohne Verfallsdatum. Bei der Rede vor der Vollversammlung des Städtetages erhielt Ministerpräsident Dr. Söder zudem intensiven Beifall als er aussprach, die Schul-IT sei eine Gemeinschaftsaufgabe und über den Bereich Service und Wartung müsse man reden. Er wolle Bayern in diesem Punkt als führendes Bundesland sehen.

Bundesmittel als Ersatz?

Ganz klar die Bundesmittel sind eine Entlastung der Kommunen und als solche auch von Berlin gedacht. Dafür vielen Dank von der kommunalen Basis. Jetzt entlastet sich aber der Freistaat, wenn er seine eigenen Programme aussetzt. Dabei waren die Bundesmittel für eine Förderlücke, nämlich der Verkabelung im Haus und die Endgeräte in Schülerhand vorgesehen. Sie sind kein Ersatz für Bayerns Förderung der Technik im Klassenraum.

Schul-IT insgesamt denken!

Der Pferdefuß ist die Aufteilung der Förderung in einzelne Bereiche. IT wird aber nur gut, wenn alle Komponenten stimmen. Nötig ist: (Achtung in der IT geht es nicht ohne englische Fachbegriffe)

  • Der Anschluss ans Hochgeschwindigkeitsnetz.
  • Eine LAN Verkabelung Im Gebäude
  • Audiovisuelle und Interaktive Präsentationstechnik mit PC im Klassenzimmer, dazu WLAN und Software für class-room-management.
  • Endgeräte in Schülerhand, mit gleicher Leistung und Software.
  • Lernplattformen und digitale Lehrmaterialien mit einheitlichen Lizenzen für die Programme, die im Unterricht bayernweit Anwendung finden sollen
  • und ganz besonders die Wartung durch Fachleute.

Leider ist diese Gesamtsicht nicht zu erkennen in der Politik des Kultusministeriums in Bayern. Dabei wäre der Vorschlag des Ministerpräsidenten richtig: zusammen setzen und Konzept und Finanzierung gemeinsam entwickeln ohne die Keule Konnexität auf der einen Seite und Nichtstun auf der anderer Seit zu schwingen! Beim Ganztagesgipfel vor Jahren gelang ein entscheidender Durchbruch und bei der Schul-IT ist dieser Weg auch nötig. Die Zeit läuft und wir sind derzeit auch im Bundesvergleich nicht mehr an der Spitze! Bayern braucht ein „Gemeinschaftsprojekt Digitalisierung der Schulen!“

Ihr Dr. Klemens Gsell, Stv. Landesvorsitzender der KPV Bayern, 3. Bürgermeister der Stadt Nürnberg

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