Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-3-2018)
Kommentar von Josef Mederer
 

► Josef Mederer, Bezirketagspräsident:

 

Arbeit ist das halbe Leben

Liebe Leserinnen und Leser,

seien Sie ehrlich: Wie wichtig ist Arbeit in Ihrem Leben? Die Bertelsmann-Stiftung hat herausgefunden, dass sich mehr als die Hälfte aller Beschäftigten bei einem Lottogewinn zwar über das Geld freuen, aber weiter zur Arbeit gehen würde. Das zeigt: Arbeit hat in unserer Gesellschaft für das Selbstwertgefühl jedes Einzelnen wirklich einen enorm hohen Stellenwert. Die Meisten von uns können ohne ihre Arbeit nicht leben.

Nicht ohne Grund heißt es, Arbeit ist das halbe Leben. Viele Menschen sind stolz auf ihren Job und auf das, was sie tagtäglich leisten. Menschen mit Behinderungen geht es nicht anders: Sie möchten sich beweisen und dafür selbstverständlich die gleiche Anerkennung erhalten wie Sie und ich.

Davon sind wir noch weit entfernt. Obwohl Inklusion in aller Munde ist, stehen auf dem Weg in eine inklusive Arbeitswelt viele Hürden. In ganz Bayern ist die Arbeitslosenquote auf einem historischen Tiefstand. Menschen mit Behinderungen profitieren bisher von dieser Entwicklung kaum. Der Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt ist für sie auch wegen des enormen Leistungsdrucks in vielen Betrieben unheimlich schwer.

In Bayern haben Werkstätten für behinderte Menschen rund 36.000 Beschäftigte. Die sieben Bezirke geben für diesen Bereich der Sozialhilfe fast 569 Millionen Euro pro Jahr aus. Dank dieser Mittel werden die Arbeitnehmer in den Werkstätten ausgebildet, intensiv gefördert und unterstützt. Jetzt könnte man sagen: Gut so, dann passt doch alles. Aber so einfach ist es nicht. Viele Werkstattbeschäftigte wollen in einem Betrieb auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sein. Das höre ich immer wieder, wenn ich mich mit den Betroffenen unterhalte.

Der Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt darf niemandem gesetzlich verbaut sein. Denn Teilhabe am Arbeitsleben und Inklusion gehen Hand in Hand. Das   Bundesteilhabegesetz (BTHG) verlangt deshalb mehr Selbstbestimmung, mehr Chancengerechtigkeit und mehr Alternativen zu den bewährten Pfaden der Behindertenhilfe. Eine zentrale Forderung des BTHG ist auch, das Wunsch- und Wahlrecht der betroffenen Menschen zu achten und weiter zu stärken.

Diese Gedanken greift das neue Budget für Arbeit auf. Es ist als Alternative zur Beschäftigung im Arbeitsbereich einer Werkstatt gedacht. Damit sind für Arbeitgeber künftig Zuschüsse zu den Lohnkosten von maximal 1.460 Euro möglich, wenn sie Menschen mit Behinderungen sozialversicherungspflichtig anstellen und Mindestlohn zahlen. Auch für eine Assistenz am Arbeitsplatz werden die Kosten übernommen. Darüber hinaus hat das BTHG hat noch weitere vielversprechende Instrumente für die Teilhabe am Arbeitsleben neu geschaffen, die die Bezirke künftig ebenfalls fördern.

Ich sehe das Budget für Arbeit als einen Schritt hin zu einer flexibleren Arbeitswelt und bin gespannt, wie es sich in der Praxis bewährt. Für mehr Inklusion im Arbeitsleben brauchen wir aber vor allem einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir die Rechte und Wünsche von Menschen mit Behinderungen respektieren und nicht mehr über deren Köpfe hinweg entscheiden, was gut für sie sein könnte.

In diesem Kontext sehe ich die kommunale Familie in einer besonderen Verantwortung. Ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht nur ermuntern, sich bei Arbeitgebern in Ihrem Umfeld für Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Die Verwaltungen der Gemeinden, Landkreise und Städte sind natürlich genauso wie die Bezirke selbst ideale Arbeitgeber für Werkstattbeschäftigte, die einen Job in der Mitte der Gemeinschaft anstreben.

Ihr Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, Präsident des Bayerischen Bezirketags

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