Kolumnen & Kommentarezurück

(GZ-13-2017)
Kommentar von Georg Huber
 
► Georg Huber, Landrat des Landkreises Mühldorf am Inn:
 
Pädagogische Qualitätsbegleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

volle Gruppen, lange Öffnungszeiten, Personalmangel, fehlende Planungssicherheit – mit diesen Unwägbarkeiten müssen die Verantwortlichen in Kindertageseinrichtungen täglich jonglieren. Der quantitative Ausbau von Kindertagesstätten in den vergangenen Jahren stellt Träger und KitaTeams vor große Herausforderungen. 

Gleichzeitig darf die pädagogische Qualität nicht leiden. Als familienfreundlicher Landkreis und zertifizierte Bildungsregion hat der Landkreis Mühldorf a. Inn einen hohen Anspruch: alle Familien sollen flächendeckend nicht nur ein Recht auf einen Kita-Platz haben, sondern darüber hinaus auch die Gewissheit, dass ihre Kinder dort die bestmögliche Bildung und Betreuung erhalten. Schließlich verbringen manche Kinder in der Kita während der Woche oft mehr Zeit als zu Hause. Im Landkreis Mühldorf a. Inn wurde deshalb im September 2015 das Modellprojekt „Pädagogische Qualitätsbegleitung“, kurz PQB, gestartet.

Eine am Landratsamt angesiedelte Vollzeitkraft, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, coacht und begleitet momentan 30 Einrichtungen im Landkreis, sieben Einrichtungen sind auf der Warteliste. Die Pädagogische Qualitätsbegleitung kommt regelmäßig zu den teilnehmenden Einrichtungen und sucht mit dem Blick „von außen“ gemeinsam mit dem Team nach Lösungen für alltägliche Probleme. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es geht dabei keinesfalls darum, Einrichtungen zu kritisieren oder gar an den Pranger zu stellen. Nein, im Gegenteil: sie sollen vielmehr in der Qualität ihrer Beziehungen zu den Kindern in allen Bereichen des Alltags gestärkt werden! Erziehung und Bildung sind die zentralen Aufgaben unserer Gesellschaft. Der Beruf des/r Erziehers/in ist anspruchsvoll und in keinem gesellschaftlichen Bereich hat sich in der Vergangenheit so viel getan. Die Leiter/innen und Mitarbeiter/innen in den Kindertageseinrichtungen geben tagtäglich ihr Bestes und sind trotz der hohen Anforderungen und Veränderungen motiviert und höchst engagiert, um ihre Schützlinge optimal zu betreuen. Umso wichtiger ist es, ihre Nöte zu sehen und sie bei ihrer für die Gesellschaft so wichtigen Arbeit zu unterstützen. Das Angebot beruht auf Freiwilligkeit, es wird nichts aufgezwungen. Vielmehr handelt es sich um ein partnerschaftliches Miteinander zwischen Kita-Personal und PQB.

Die Bilanz bisher fällt durchwegs positiv aus. Das Angebot wird sehr gut angenommen. Durch die Erfahrungen aus dem Modellversuch sind sich alle Beteiligten einig: das Projekt muss in die Fläche gehen. Schließlich haben alle Familien das Recht auf bestmögliche Betreuung ihrer Kinder. Die Praxis zeigt, dass die Kitas das Angebot wollen und auch brauchen. Die Vorteile für Kinder, Eltern und Personal liegen auf der Hand. Die Bedürfnisse der Kinder rücken noch stärker in den Mittelpunkt. Die Eltern haben wiederum die Sicherheit, dass ihr Kind in guten Händen ist. Für die Kita-Teams selbst bietet PQB Unterstützung bei der Umsetzung des Bildungsplanes und der hauseigenen Konzeption. Das Team arbeitet gemeinsam an diesem Prozess. Durch verstärkten Austausch und Reflektion verständigen sich die Fachkräfte auf eine einheitliche Pädagogik und entwickeln sich stets weiter. Die Rückmeldungen zeigen, dass eine pädagogische Qualitätsbegleitung bei allen Beteiligten für mehr Zufriedenheit sorgt und das führt letztendlich zu einer Steigerung der Qualität der Kita insgesamt.

Doch wer könnte PQB nicht besser bewerten als die Betroffenen selbst? „Die genommene Zeit ist so wertvoll. Die Impulse regen zum Nachdenken und Weiterentwicklung an“. „Für mich als Leitung ist PQB eine große Unterstützung.“ „Der Blick auf die Kinder, wie es ihnen geht und was sie brauchen, rückt wieder in den Mittelpunkt des Teams und das ist es, was unseren Beruf bereichert und Kraft und Freude bringt“. So bringen es die befragten Teilnehmer/innen selbst auf den Punkt. Und wenn etwas Kraft und Freude bringt, dann kann es doch nur richtig sein und davon sollten möglichst viele profitieren. Denn wer A sagt muss auch B sagen. Stand lange Zeit der Ausbau im Vordergrund, muss nun die Qualität in der Kindertagesbetreuung in den Fokus gerückt werden. Das muss es uns Wert sein – zum Wohl unserer Kinder und somit für unser aller Zukunft!

 

Ihr Georg Huber, Landrat des Landkreises Mühldorf am Inn

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