Interviews & Gesprächezurück

(GZ-9-2017)
gz interview mit Wolf Opitsch
 
► Bauoberrat Wolf Opitsch, Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung:
 
Wie man als Kommune Holzbauweise durchsetzt
 
In München-Bogenhausen entsteht in den nächsten Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne die mit rund 500 Wohneinheiten größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands. Im Stadtplanungsreferat der Landeshauptstadt dafür zuständig ist Bauoberrat Wolf Opitsch.

GZ: Herr Opitsch, wie haben Sie definiert, dass die Gebäude in Holzbauweise zu errichten sind? Mit dem Bebauungsplan?

Wolf Opitsch: Nein, nicht mit dem Bebauungsplan. Der war erstens schon da, als die Entscheidung fiel, auf dem Gelände eine ökologische Mustersiedlung zu errichten. Und zweitens ist der Bebauungsplan nicht unbedingt das geeignete Instrument dafür. Er definiert die Verteilung der Gebäude und Freiflächen, die Geschosszahlen und die Nutzungen. Wichtig war uns hier vor allem auch eine gute funktionale und soziale Durchmischung. Das Baumaterial definierten wir erst später: bei der Grundstücksvergabe.

GZ: Wie haben Sie das gemacht?

Wolf Opitsch: Zunächst mussten wir festlegen, ab wann ein Gebäude mit Holzbauteilen überhaupt ein Holzbau ist. Holzgebäude werden gerade im Geschosswohnungsbau aus Brandschutz- und Schallschutzgründen oft als Hybridkonstruktionen mit mehr oder weniger hohen Stahlbeton-Anteilen ausgeführt. Deshalb haben wir uns zunächst einmal fachlich beraten lassen, vor allem von Annette Hafner, Professorin für Ressourceneffizientes Bauen an der Ruhruniversität Bochum. Als Bemessungseinheit legten wir schließlich die Masse nachwachsender Rohstoffe bezogen auf die Wohnfläche fest: kg Nawaros / m2 WF. Dann definierten wir ausgehende von bereits realisierten Beispielprojekten für die verschiedenen Gebäudeklassen erreichbare Holzanteil-Standards – sogenannte „Nawaro-Stufen“ – und entwickelten ein darauf zugeschnittenes Förderprogramm.

GZ: Wie wurden die Grundstücke vergeben?

Wolf Opitsch: Da die Nachfrage sehr hoch war, mussten wir eh ein Bewerbungsverfahren durchführen und konnten da bestimmte Vergabekriterien definieren. So musste jeder Bewerber auf seinem Bewerbungsbogen ankreuzen, welche der drei Nawaro-Stufen er zu realisieren bereit ist. Die meisten gaben die mit dem höchsten Holzanteil an. Die besten Konzepte kamen in die Endauswahl, unter denen wir dann die Grundstücke vergeben konnten bzw. verlosten.

GZ: Wie sieht das Förderprogramm aus?

Wolf Opitsch: Wir unterscheiden zwischen zwei Gebäudetypen: dem Typ A mit 2-3 Geschossen und dem Typ B mit 4-7 Geschossen. Typ A entspricht Gebäudeklasse 3. Der Holzbau lässt sich hier ohne allzu großen Mehraufwand realisieren und wird von uns mit 0,70 Euro/kg Nawaros gefördert. Typ B entspricht den Gebäudeklassen 4 und 5, bedeutet einen höheren Mehraufwand und wird von uns deshalb mit 2,00 Euro/kg gefördert.

GZ: Werden andere ökologische Kriterien auch gefördert?

Wolf Opitsch: Für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien gibt es die allgemeinen Förderprogramme der KfW, des Freistaats Bayern und der Landeshauptstadt München abgerufen werden. Bei diesem Projekt fördern wir zusätzlich nur das, was die anderen Förderprogramme ausblenden: die für den Klimaschutz wichtige CO2-Bindung durch Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen.

GZ: Welche Ratschläge würden Sie einer anderen Kommune geben, die eine Holzbau-Siedlung realisieren will?

Wolf Opitsch: Wichtig sind vor allem drei Dinge: Erstens saubere Definitionen, zweitens ein Förderprogramm und drittens eine Qualitätssicherung. Qualitätssicherung bedeutet: eine kompetente fachliche Beratung während aller Projektphasen sowie bei der Planung im Holzbau erfahrene Architekten oder Bauteams aus Architekten und Holzbauunternehmen. Wenn städtebaulich sinnvoll, sind für den Bebauungsplan Gebäude in der Gebäudeklasse 3 – also mit 2-3 Geschossen – empfehlenswert, weil sich da die Holzbauweise aktuell noch am einfachsten realisieren lässt. Und die Grundstücke sollten in gewissen Abständen verkauft und bebaut werden, damit die ausführenden Unternehmen nicht an ihre Leistungsgrenzen stoßen.

GZ: Herr Opitsch, herzlichen Dank für das Gespräch.

Landschaft
Weitere Informationen zur ökologischen Mustersiedlung gibt es auf der Website www.prinzeugenpark.de
Visualisierung: GSP Architekten

Vorbereitende Studie für ökologische Mustersiedlung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) und die KfW-Förderprogramme sind ganz auf die Nutzungsphase fokussiert und blenden den Energiebedarf für das Bauen selbst konsequent aus. Dabei gibt es hier enorme Einsparpotenziale. Vor allem der Energiebedarf für die Herstellung von Baumaterialien ist oft sehr hoch – und bei Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen niedrig. Noch größer sind die Unterschiede beim Treibhausgas CO2, denn Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen setzen bei ihrem natürlichen Wachstum keine großen Mengen CO2 frei, sondern binden große Mengen CO2.

Deshalb wurde für die Konzeption der ökologischen Mustersiedlung im Münchner Prinz-Eugen-Park wissenschaftlich untersucht, welche Anforderungskriterien sinnvoll sind und wie sie sich praxisnah definieren und umsetzen lassen. Die Studie ist auf der Website des Lehrstuhls für ressourceneffizientes Bauen der Ruhr-Universität Bochum veröffentlicht und lässt sich als PDF herunterladen.

www.ruhr-uni-bochum.de/reb/forschung/abgeschlossene_projekte/index.html

RED

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