Interviews & Gesprächezurück

(GZ-22-2016)
gz interview mit arno nunn
 
Arno Nunn, 1. Bürgermeister Oberammergaus, Geschäftsführer der Ammer-Loisach-Energie GmbH:
 
Echte Wertschöpfung für die Region
 
Im Sommer 2013 haben sich neun örtliche Kommunen und Energie Südbayern im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in einer zukunftsweisenden kommunalen Partnerschaft zusammengeschlossen, um eine effiziente und günstige Versorgung mit umweltfreundlichem Ökostrom aus Wasserkraft zu gewährleisten. Wie sich die Bilanz nach drei Jahren gestaltet, darüber informierte Arno Nunn, Geschäftsführer Ammer-Loisach-Energie und 1. Bürgermeister der Gemeinde Oberammergau, im Gespräch mit der Bayerischen GemeindeZeitung.

GZ: Die Ammer-Loisach-Energie GmbH wurde vor drei Jahren gegründet. Können Sie kurz Aufgaben und Geschäftsmodell nennen?

Nunn: Wir sind ein tief in unserer Region verwurzelter Energieversorger mit einer ausgeprägten kommunalen Struktur. Die Gründungsidee für die Ammer-Loisach Energie als Zusammenschluss von heute elf Gesellschaftern war es, den Bürgern vor Ort eine effiziente und zeitgemäße Versorgung mit Ökostrom aus regionaler Hand zu gewährleisten – ganz im Sinne eines eigenständigen, kommunalen Angebots von umweltfreundlicher Energie.

Seit dem Sommer 2013 beliefern wir Kunden in der Region mit Energie aus Wasserkraft, beraten Verbraucher direkt vor Ort und stärken die Wirtschaftskraft der Region. Durch die Gründung der Ammer-Loisach Energie schaffen wir nicht nur Unabhängigkeit, wir wollen auch eine Stromversorgung gewährleisten, die unserer Region etwas zurückgibt.

GZ: Welche Kommunen gehören dem Unternehmen an?

Nunn: In der Ammer-Loisach Energie mit Sitz in Oberammergau haben sich die Gemeinden Bad Bayersoien, Bad Kohlgrub, Eschenlohe, Ettal, Grainau, Oberammergau, Oberau, Saulgrub und Unterammergau sowie Schwaigen und die Energie Südbayern GmbH zusammengetan. In dieser Struktur bündeln wir als gleichberechtigte Gesellschafter unsere Interessen, um noch mehr für unsere Heimat bewegen zu können. Dafür ziehen wir alle an einem Strang.

GZ: Welche Rolle nimmt Energie Südbayern in diesem Gefüge ein?

Nunn: Als ebenfalls kommunal geprägtes Unternehmen und regionaler Energiedienstleister mit über 50 Jahren Erfahrung unterstützt Energie Südbayern die Ammer-Loisach Energie mit Know-how und Kompetenz. Darüber hinaus übernimmt Energie Südbayern zentrale Dienstleistungen wie beispielsweise die Vertrags- und Geschäftsumsetzung.

GZ: Wer ist die Zielgruppe?

Nunn: Unsere Zielgruppe sind Privat- und Geschäftskunden im Gesellschafterbereich und im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, soweit diese sich nicht vor Ort kommunal versorgen lassen. Wir sind fester Bestandteil unserer Region und kennen die Bedürfnisse der hier ansässigen Menschen und Unternehmen wie kein anderer, weil wir hier leben und arbeiten.

GZ: Was steht im Fokus dieses ambitionierten Projekts?

Nunn: Es geht nicht nur darum, unseren Strom zu verkaufen – wir wollen für die Region eine echte Wertschöpfung erzielen. Im Fokus steht neben der Wirtschaftlichkeit vor allem die Bewahrung regionaler Interessen. Das bewährte Prinzip des Wirtschaftskreislaufs vor Ort ist hierbei Hintergrund und Zielsetzung gleichermaßen. Durch eine wirtschaftliche Beteiligung der Kommunen an der Ammer-Loisach Energie verbleiben dort auch die Gewinne und können zum Wohle der Region und ihrer Bürger eingesetzt und lokal investiert werden. Wir wollen die Stärken der Region durch das gemeinsame, wegweisende Engagement von zehn örtlichen Kommunen bündeln, durch Investitionen weiter ausbauen und dabei die Umwelt nachhaltig erhalten.

GZ: Wie sieht die vorläufige Bilanz aus?

Nunn: Die Idee ökologischer Energieversorgung aus regionaler Hand kommt an. Wir können auf drei sehr erfolgreiche Geschäftsjahre der Ammer-Loisach Energie zurückblicken. Im Vergleich zum Jahr 2014 haben wir im Geschäftsjahr 2015 einen Kundenzuwachs von 30 Prozent erzielt und zählen heute rund 2.500 Kunden. Auch die Umsatzzahlen können sich sehen lassen. Wir können für 2015 auf einen Umsatz von 1,8 Millionen Euro und einen Energieabsatz von 10,9 Millionen Kilowattstunden zurückblicken. Das Konzept geht auf. Und es überzeugt weitere Kommunen. Seit dem 1. Juni 2016 ist auch die Gemeinde Schwaigen neuester Gesellschafter der Ammer-Loisach Energie.

GZ: Auf welche Aktivitäten kann die Ammer-Loisach-Energie seit ihrer Gründung zurückblicken?

Nunn: In den Gemeinden Ettal, Oberau und Unterammergau haben wir das Energiedaten Monitoring System „KEMS“ umgesetzt. Über KEMS werden die Energieverbräuche der einzelnen kommunalen Liegenschaften wie beispielsweise Schulen oder Verwaltungsgebäude analysiert und mit bundesweiten Referenzwerten verglichen. Aus dem Ergebnis werden die wesentlichen Effizienzpotenziale und Kostentreiber ermittelt sowie eine Priorisierung der notwendigen Maßnahmen vorgenommen. Weitere Projekte werden folgen, wie zum Beispiel alle öffentlichen Liegenschaften im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und in der Gemeinde Farchant.

GZ: Was waren die Meilensteine?

Nunn: Weniger als ein Jahr nach ihrer Gründung hat die Ammer-Loisach Energie ihr erstes Etappenziel erreicht: Schon im März 2014 haben wir unseren 1000. Kunden begrüßt. Bereits nach einem Jahr zählt die Ammer-Loisach Energie über 1.100 regionale Kunden sowie einen Marktanteil von rund zehn Prozent im versorgten Gebiet. Man sieht, das Vertrauen der Verbraucher in unser Handeln und unsere Ziele wächst kontinuierlich.

GZ: Der Wettbewerb um Energiekunden verschärft sich zusehends – wie begegnen Sie aktuell dieser Situation?

Nunn: Der erfolgreiche Kurs der Ammer-Loisach Energie zeigt, wie wichtig es ist, beim Thema Energieversorgung sowohl auf die Umwelt als auch auf spezielle regionale Bedürfnisse zu achten. Unsere Eigenständigkeit und der damit verbundene Gestaltungsfreiraum machen die Ammer-Loisach Energie zu einem Stromanbieter mit Charakter, der mit Herz und gutem Gespür für die Region auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht. Wir handeln partnerschaftlich, kalkulieren fair und fördern ökologische wie soziale Projekte. Wir sehen, dass das ankommt und von den Menschen honoriert wird. Darauf und auf die Nähe zu unseren Kunden setzen wir jetzt und auch in Zukunft.

GZ: Welche Marksteine will das Unternehmen in Zukunft setzen?

Nunn: Wir wollen die regionale Energieversorgung in Zukunft weiter ausbauen. Und wir haben nach wie vor ein großes Interesse an einer Lösung, um die regionale Wasserkraft zur Stromerzeugung nutzen zu können. Im Hinblick auf zukünftige Erzeugungs- und Infrastrukturprojekte ermöglicht uns der Zusammenschluss in der Ammer-Loisach Energie eine heutzutage so dringend benötigte strukturierte und zugleich aus den Bedürfnissen der Region heraus entwickelte Herangehensweise.

GZ: Wie bewerten Sie grundsätzlich die Chancen der Ammer-Loisach-Energie GmbH auf dem hart umkämpften Energiemarkt?

Nunn: Das Marktumfeld ist natürlich kein einfaches. Aber der Erfolg der vergangenen drei Jahre, vor allem der Zuspruch und die Akzeptanz unserer Kunden sind ein Beleg dafür, dass das Konzept der ökologischen Energieversorgung aus regionaler Hand ein erfolgreiches und vor allem zukunftsfähiges ist. Das Prinzip des regionalen Wirtschaftskreislaufs ist die Basis für diesen Erfolg.

GZ: Herzlichen Dank für das Gespräch.

DK

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