Interviews & Gesprächezurück

(GZ-1/2-2015)
Interview mit bayernwerk natur
 
► Dr. Alexander Fenzl:
 
Bayernwerk Natur GmbH - Neue Gestaltungsspielräume für Kommunen

Die Bayernwerk Natur GmbH - bis Juli 2013 E.ON Bayern Wärme GmbH - mit Sitz in Unterschleißheim ist eine 100-prozentige Tochter der Bayernwerk AG, deren Geschäftsfeld sich auf die dezentrale Energieerzeugung und Energieeffizienz erstreckt. Mit Investitionen in die dezentrale Erzeugung werden hier ganz konkret Schritte unternommen, um Energieeffizienz und den Anteil regenerativer Energien am gesamten Energieverbrauch zu steigern. Über die Ausgestaltung dieser Maßnahmen und die daraus resultierenden Chancen speziell für Kommunen informierte Dr. Alexander Fenzl, Mitglied der Bayernwerk Natur-Geschäftsführung (Ressort Kaufmännische Funktionen und Vertrieb), im Gespräch mit GZ-Chefredakteurin Anne-Marie von Hassel.

GZ: Die Energiewende stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Es werden neue Ansätze gesucht und es müssen neue Kompetenzen aufgebaut werden. Wie definiert Bayernwerk Natur seine Rolle in diesem Gefüge?

Fenzl: Grundsätzlich bemerken wir auch im operativen Geschäft, dass die Thematik Energiewende in den Mittelpunkt der Gesellschaft und der Politik gerückt ist. Unser umfangreiches Know-how, das wir seit vielen Jahren im Bereich dezentraler Erzeugung, Energieeffizienz, regenerativer Energie und auf dem Wärmesektor aufbauen konnten, ist nun umso mehr gefragt. In den vergangenen Jahren konnten wir daher zahlreiche Projekte umsetzen. Aktuell betreibt Bayernwerk Natur rund 150 dezentrale energieeffiziente und regenerative Erzeugungsanlagen in den unterschiedlichen Regionen Bayerns.

Breit gefächertes Portfolio

GZ: Das Portfolio der Bayernwerk Natur GmbH ist breit gefächert. Was sind ihre Kern-Geschäftsfelder?

Fenzl: Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse, Biogas und Geothermie waren bislang unsere wesentlichen Geschäftsfelder. Die Bayernwerk Natur möchte ihren Beitrag zur Gestaltung der Energiezukunft in Bayern ausweiten und dezentrale Energielösungen künftig verstärkt auch im kommunalen Umfeld besetzen. Aktuelle Schwerpunkte unserer unternehmerischen Aktivitäten sind die Planung, der Bau und der Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen. KWK ist hocheffizient, umweltschonend, senkt den Energieverbrauch und die Betriebskosten. Deshalb ist diese Technologie optimal für viele Branchen mit hohem, gleichmäßigem Strom- und Wärmebedarf.

Nähe zum Kunden

GZ: Aufgrund ihrer Verbrauchsstruktur sind doch gerade Krankenhäuser eine inte-ressante Zielgruppe…?

Fenzl: Exakt. Mit der E.ON Energie Deutschland (EDG) sind wir im vergangenen Jahr gemeinsam auf Krankenhäuser in Bayern zugegangen, um sie über die Potentiale einer effizienten Energieerzeugung und die damit verbundenen Chancen zu informieren. Diese partnerschaftliche Nähe zum Kunden hat gefruchtet. Bayernweit konnten wir so bei über 20 Krankenhäusern die Energie- und damit die Kostenbilanz deutlich und nachhaltig optimieren. In der Gesundheitsbranche ist es besonders wichtig, Energie zu jeder Zeit gesichert zu erhalten. Zugleich zwingen Kostendruck und gesetzliche Vorgaben zu wirtschaftlichem Handeln. Wir begleiten unsere Kunden auf dem Weg zu einer optimalen Energielösung.

GZ: Können Sie ein Beispiel nennen?

Fenzl: Aktuell setzen auch die Waldburg-Zeil Kliniken mit Hauptsitz in Isny im Allgäu auf diese innovative Technologie. Gerade eben wurde in Oberammergau eine BHKW-Anlage offiziell in Betrieb genommen. Bei der Projektierung wurde die Erfahrung der Bayernwerk Natur als Partner sehr geschätzt. Die modernen und wirtschaftlich arbeitenden Anlagen steigern wie gesagt die Effizienz der Klinikbetriebe. Zudem sind sie mit ihrem hohen ökologischen Standard ein wichtiger Beitrag zur Energiewende vor Ort.

Vorzeigeprojekt im oberbayerischen Moosburg

GZ: Wie sieht es mit weiteren Vorzeigeprojekten aus?

Fenzl: Vor kurzem haben wir gemeinsam mit Clariant, einem weltweit führenden Unternehmen für Spezialchemikalien, eine neue Energiezentrale am Standort in Moosburg bei Landshut offiziell in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um ein absolutes Leuchtturmprojekt. Clariant kann durch die neue, innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage pro Jahr rund 4.000 Tonnen CO2 einsparen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der dezentralen Energieversorgung.

Die Bayernwerk Natur GmbH ist Eigentümer der neuen Energiezentrale und hat in deren Errichtung rund fünf Millionen Euro investiert. Die Zusammenarbeit mit Clariant, dem Betreiber der Anlage, ist langfristig angelegt und sichert so die Wettbewerbsfähigkeit des Clariant-Standortes in Moosburg – also ein in mehrfacher Hinsicht nachhaltiges Projekt.

GZ: Bislang lag der Fokus überwiegend auf der Optimierung der Energieerzeugung. Wie aber ist es um den Ener-gieverbrauch bestellt? Gibt es auch hierzu Überlegungen bzw. neue Produkte?  

Fenzl: Ja, auch das haben wir im Fokus. Wir wollen dazu ein Energiemanagementsystem (EMS) nach ISO 50001 bei unseren Kunden implementieren. Ein EMS ist ein Instrument, das durch fortlaufende Optimierungen Energiekosten einspart. Ein praktiziertes EMS gibt dabei volle Transparenz über sämtliche Energieverbräuche und ordnet Energiekosten eindeutig zu. Mit diesem Instrument kann der Kunde mit Steuerrückerstattungen rechnen. 

„KWK-App“ im Visier

2015 wollen wir zudem eine Anwendungssoftware für eine transparente Darstellung anlagenbezogener Energieströme entwickeln, also umgangssprachlich eine „KWK-App“. Diese Applikation soll die Transparenz der Energieverbräuche per Knopfdruck sicherstellen. 

Wir wollen einerseits den Kunden auf der Verbrauchsseite betreuen und andererseits die Voraussetzungen dafür schaffen, dass er das System steuern kann. Dies ist in Bayern einmalig.

GZ: Wärmeenergie ist flexibel in der Anwendung. Um sie effizient einzusetzen, muss die in dezentralen Anlagen erzeugte Wärme nicht zwingend direkt vor Ort genutzt werden, sie kann auch über Fernwärmenetze verteilt werden. Zählt die Fernwärmeversorgung auch zu ihren Wachstumsfeldern? 

Fenzl: Absolut. Fernwärme ist eine der umweltschonendsten Formen der Energieversorgung von Ballungsräumen. Und so finden sich natürlich unter anderem im Münchner Einzugsgebiet Fernwärmekunden. Im letzten Quartal 2014 konnten wir Fernwärmeversorgungs- und Anschlussverträge für drei Wohnanlagen in Poing (Geothermie), Wohngebiet Seewinkel und eine Anschlusswerterweiterung einer bestehenden Gewerbeeinheit im Ortskern mit einer Leistung von in Summe 535 kW erfolgreich abschließen. 2015 wird Bayernwerk Natur allein in die Fernwärme bis zu 5 Mio. Euro investieren.

GZ: Dezentrale Energieerzeugung geht häufig Hand in Hand mit dem Betrieb eines sog. Arealnetzes...

Fenzl: Ja, aber Vorsicht mit Begriffen! Ein Arealnetz hat nichts mit lokaler Stromautarkie zu tun. Unter einem Arealnetz  versteht man ein Netz, dessen Zweck in der Versorgung der Stromverbraucher in einer abgegrenzten privaten Liegenschaft, also ohne Nutzung öffentlicher Flächen, liegt. Konkret heißt das: Ich stelle einem Mietshaus eine BHKW-Anlage zur Verfügung, so dass die Bewohner ihren eigenen Strom produzieren können. Genau dies ist meine Vision für die nächsten Jahre. Über dieses Thema denken wir nach.

Marksteine

GZ: Welche Marksteine wollen Sie außerdem setzen? 

Fenzl: In 2014 haben wir auch die regenerativen Energiequellen Wind und Kleinwasserkraft für uns entdeckt.

GZ: Gibt es schon konkrete Projekte?

Fenzl: Bayernwerk Natur hat zwei Kleinwasserkraftwerke lanciert: Mit den Stadtwerken Bad Tölz gibt es eine Absichtserklärung, an einem Werk in Farchet einen Querbau anzusetzen. Gleiches gilt für Baierbrunn, südlich von München gelegen. Dort wollen wir 2016 mit der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH aktiv werden. Mit unseren Vorhaben im Bereich der Kleinwasserkraft stoßen wir bei den Bürgermeistern insgesamt auf große Zustimmung. Wir rennen gleichsam offene Türen ein. Deshalb gilt es nunmehr, dieses Standbein gemeinsam mit weiteren Partnern aus der Branche voranzubringen und Potenziale zu erschließen. Die Kleinwasserkraft kann einen wertvollen Beitrag für die Energiezukunft leisten! Davon bin ich zutiefst überzeugt

GZ: Arbeitet Bayernwerk Natur auch bereits an der Standort- und Projektentwicklung regionaler Windprojekte?

Fenzl: Südlich von Bayreuth ist beispielsweise der neue Windpark Tannberg-Lindenhardt entstanden. Im Oktober 2014 haben die Bayernwerk Natur, die Regensburger REWAG und die Bayreuther BEW über eine gemeinsame Beteiligungsgesellschaft den Kaufvertrag für das mehr als 20 Millionen Euro umfassende Projekt unterzeichnet. Die vier Windkraftanlagen haben eine Leistung von je drei Megawatt und können insgesamt pro Jahr rund 27 Millionen Kilowattstunden umweltschonenden Strom aus Windkraft gewinnen, was dem Jahresbedarf von rund 6.000 Einfamilienhäusern entspricht. Das bedeutet eine Einsparung von über 14.000 Tonnen Kohlendioxid. 

GZ: Nehmen Sie dabei auch Bürgerbeteiligungsmodelle ins Visier?

Fenzl: Wir arbeiten daran. Solche Modelle kann ich mir sowohl bei der Windkraft als auch bei der Kleinwasserkraft vorstellen. Fakt ist: Jede Energieerzeugungsanlage ist profitabler als das Sparbuch. Zudem stärken Beteiligungsmodelle immer auch die Akzeptanz vor Ort. 

GZ: Herr Dr. Frenzl, vielen Dank für das Interview.

DK

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