Interviews & Gesprächezurück

(GZ-5-2016)
Interview mit Gunter Bauer, Bayerngas GmbH
 
► Günter Bauer, Bayerngas GmbH:
 
Klarer Mehrwert für den Kunden

Der Bayerngas-Konzern ist zurück auf der Erfolgsspur. 2016 strukturiert er sich neu und entwickelt sich zur Lösungsplattform für Energie. Welche Überlegungen diesem Schritt zugrunde liegen, darüber informierte Geschäftsführer Günter Bauer im Interview mit der Bayerischen GemeindeZeitung.

GZ: Herr Bauer, wie sieht die geplante Neustrukturierung konkret aus?

Bauer: Die Bayerngas GmbH wird Mitte des Jahres ihre Tochterunternehmen Bayerngas Vertrieb GmbH und Bayerngas Energy Trading GmbH verschmelzen. Der Name des zusammengeführten Unternehmens wird Bayerngas Energy GmbH sein. Ihr Profil ist eindeutig: Wir entwickeln uns zu einer Lösungsplattform für Energie, für physische Lieferung und hochwertige Dienstleistungen. Die Geschäftsführung der Gesellschaft teilen sich Dr. Thomas Rupprich, bisher Geschäftsführer der Bayerngas Vertrieb GmbH und Roland Jans, bisher Geschäftsführer der Bayerngas Energy Trading GmbH. Vor kurzem erst haben wir den neuen Namen und für was er steht auf der E-world in Essen bekanntgegeben.

GZ: Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Bauer: Den Überlegungen von Bayerngas liegen zwei Marktentwicklungen zugrunde: Erstens die immer weitergehende Komplexität im Markt mit dem Wunsch und der  Notwendigkeit bei den Kunden, sich auf das eigentliche Kerngeschäft fokussieren zu wollen und zweitens das Bedürfnis nach persönlicher Betreuung und entsprechend flexiblen Lösungen. Da der Blickwinkel auf den Kunden nun breiter wird, eröffnen sich für unser Unternehmen und unsere Kunden neue Chancen, unser Lösungsportfolio zu ergänzen. Die Produktgestaltungsalternativen steigen. In Zeiten engster Margen ist es enorm wichtig, dass die Entwicklung kundengerechter Lösungen zeitgerecht gelingt.

GZ: Der Einkauf hochwertiger Dienstleistungen für Energieversorgungsunternehmen hat sich als sinnvoll erwiesen. „Bayerngas Energy“ positioniert sich als Partner für diese Dienste. Was ist der Kern seiner Leistungen?

Bauer: Unser Unternehmen hat einen kommunalen Hintergrund und lebt entsprechend von der langfristigen, nachhaltigen Beziehung zum Kunden, die sich aus einem guten Service und einer optimalen Beratung nährt. Die kurzfristige Gewinnoptimierung ist für uns kein Geschäftsmodell.

Kern unserer Leistungen ist die Schaffung von Mehrwert für den Kunden. Gerade weil Prozesse, Gesetzestexte und Regularien stetig undurchdringlicher werden, sind Fairness und partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe unverzichtbar. Für uns gilt deshalb mehr denn je: Der Mensch, das komplexeste Element jeder Organisation, wird zum Erfolgsfaktor, indem er sein Wissen und seine Erfahrung anderen anbietet. Er wird zum Komplexitätsmanager.

GZ: Welche speziellen Fachthemen werden Sie anbieten?

Bauer: Eine wichtige Säule bei der Entwicklung von Energie-Lösungen ist beispielweise die Verdichtung und Aufbereitung von Markt- bzw. Preisinformationen. Wir bieten sowohl Methoden und Berechnungsmodelle als auch umfassendere Preisinformationen an.

GZ: Das Zauberwort lautet Kundenbindung. Zusätzlich zu ihren Gasprodukten wurden vermehrt Stromprodukte nachgefragt, um Energie aus einer Hand zu erhalten. Ihre Meinung?

Bauer: Diesen Wunsch unserer Kunden haben wir aufgenommen. In Folge dessen haben wir, wie Mitte 2015 angekündigt, den Aufbau eines Stromvertriebs vorangetrieben. Bereits seit Beginn dieses Jahres liefern wir den ersten Gas-Bestandskunden nun auch Strom. Analog zum Gas werden wir jetzt ein entsprechendes Stromdienstleistungsportfolio aufbauen.

Im Übrigen ist auch die 2015 angekündigte Belieferung ausländischer Standorte von Gas-Bestandskunden erfolgreich gestartet: Wir liefern bereits Gas in die Niederlande und nach Belgien. Diese gewachsene Marktverankerung der Bayerngas ist das Feld, auf dem die neuen Produkte und Dienstleistungen wachsen können. Mit der Aufnahme von Stromprodukten und der Belieferung ausländischer Standorte haben wir zusätzliche Flexibilität generiert, die für unsere Kunden effizienzsteigernd wirkt. An diesem Punkt wird „Bayerngas Energy“ nahtlos anknüpfen.

GZ: Durch den Speicherbetrieb leistet Bayerngas einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Ist dieser Betrieb rentabel? Wie sieht es mit der Krisenvorsorge aus?

Bauer: Ja, wir leisten diesen Beitrag. Versorgungssicherheit wird den Speicherbetreibern innerhalb der aktuellen Marktsystematik jedoch nicht vergütet. Wir haben es mit einer Entkopplung zu tun: Händler betrachten einen Speicher lediglich als Instrument, um auf Preisbewegungen reagieren zu können. Als Unternehmen, das auf mehreren Wertschöpfungsstufen tätig ist, ist unser Blick aber auch auf das große Ganze gerichtet. Grundsätzlich kämpfen wir für eine strategische Reserve. Und das aus gutem Grund, denken wir nur an Februar 2012 zurück, als der Süden einer ernsten Engpasssituation ausgesetzt war.

GZ: Als „Heilsbringer“ in der Energiedebatte fällt auch immer wieder der Begriff „Power2Gas“. Was halten Sie - von dieser Idee?

Bauer: Bei den derzeitigen Preissignalen ist dieser Prozess absolut unwirtschaftlich. Ohne Subventionen ist ein derartiges Projekt im großtechnischen Stil für niemanden attraktiv. Prinzipiell aber ist die Idee eine Zukunftsoption. Pilotanlagen gibt es ja bereits.

GZ: Die Bayerische Staatsregierung hat in Verhandlungen erreicht, dass zusätzliche Gaskraftwerke im Freistaat entstehen können. Ist das nicht ein Signal dafür, dass Gas langfristig als Partner der Erneuerbaren gesehen werden kann?

Bauer: Erdgas schließt einen Teil der Lücke, die durch das Abschalten von Atomkraftwerken bis 2022 entsteht und gleicht zudem die hohen Schwankungen bei der Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie aus. Ein Gaskraftwerk ist aus technischer Sicht ideal. Die bayerische Staatsregierung hat sich dafür stark gemacht. Dies begrüßen wir sehr.

GZ: Kommen wir noch zu einem aktuellen Projekt: Bayerngas erkundet in Brandenburg Erdgasvorkommen. Von dem Ergebnis macht das Unternehmen eine mögliche Förderung abhängig. Wie ist der Stand der Dinge?

Bauer: Seit 2013 wurden zahlreiche Untersuchungen und Analysen durchgeführt. Derzeit werten wir die Daten aus. Wie es weitergeht, wird sich im Laufe dieses Jahres entscheiden.

GZ: Die Bayerngas GmbH ist Ende vergangenen Jahres aus dem Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ausgetreten. Können Sie die Gründe darlegen?

Bauer: Wir haben damit die Konsequenz aus der fehlenden Unterstützung bei gaswirtschaftlichen Themen und der schwachen Wirkung des Verbandes bei der Verankerung der Gaswirtschaft als wichtige Stütze einer zukunftsfähigen Energiepolitik gezogen.

Bayerngas ist eines der wenigen deutschen Unternehmen, das auf allen Wertschöpfungsstufen Gas tätig ist. Deshalb sucht es auch nach übergreifenden Lösungen. Angesichts der zunehmenden regulierungs- und marktbedingten Segmentierung des Energiegeschäfts ist es dem BDEW aus unserer Sicht jedoch nicht gelungen, die Breite der Branche zu spiegeln und die Interessen über die einzelnen Wertschöpfungsstufen hinweg schlagkräftig zu vereinen.

GZ: Herr Bauer, vielen Dank für das Interview.

 
Günter Bauer im Gespraech mit Stanzi

Constanze von Hassel (Bayerische GemeindeZeitung) gemeinsam mit Günter Bauer (Bayerngas GmbH).

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