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(GZ-7-2016)
Kommunalverbände
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Kommunen als unverzichtbare Partner
 

Dokumentation des DStGB zur Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt

Globale Partnerschaft muss lokal gelebt werden – dabei kommt es auf die Kommunen an. Mit der Dokumentation „Kommunale Entwicklungszusammenarbeit“ wollen die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt und der Deutsche Städte- und Gemeindebund Kommunen neugierig machen, motivieren und ermuntern, sich entwicklungspolitisch zu engagieren.

Wie Dr. Gerd Landsberg, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in einem Vorwort betont, muss entsprechend ihrer Bedeutung für die Entwicklungszusammenarbeit die Stimme der Kommunen auch international Gehör finden. Der DStGB sehe es als seine Aufgabe an, hierzulande für die Bedeutung kommunalpolitischen Engagements in der Entwicklungspolitik zu werben, um eine möglichst vielfältige Vertretung deutscher Kommunalpolitiker in europäischen und internationalen Gremien zu gewährleisten. Landsberg: „Die kommunale Entwicklungszusammenarbeit ist und bleibt eine freiwillige Aufgabe. Umso bedeutender sind finanzielle und inhaltliche Hilfestellungen von Bund und Ländern.“

Vernetzung vor Ort

Laut dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller können Städte, Gemeinden und Kreise als bürgernächste öffentliche Ebene einen wichtigen Beitrag leisten, „indem sie eine Plattform für das vorhandene Engagement von Schulen, Kirchen, Wirtschaftsunternehmen, aber auch der örtlichen Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, Eine-Welt-Vereine, Migrantinnen- und Migrantenorganisationen oder Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen bereitstellen, die vielfältigen Aktivitäten untereinander vernetzen, in der Kommune bekannt machen und so auch für neues Engagement werben“.

In der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit seien Kommunen ein wichtiger Partner, urteilte Müller. Derzeit unterhielten über 500 Städte, Gemeinden und Kreise in Deutschland Beziehungen zu Kommunen in Asien, Afrika und Lateinamerika und engagierten sich mit (Projekt-)Partnerschaften für eine nachhaltige Entwicklung. Die Expertise von Kommunen zur lokalen Selbstverwaltung sei bei den Partnern gefragt, denn gut funktionierende Verwaltungen würden von vielen Menschen als das Fundament der Gesellschaft gesehen – überall auf der Welt. Mit dem Programm „Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte“ (NAKOPA) erhielten deutsche Kommunen seit 2013 die Möglichkeit, Mittel für Partnerschaftsprojekte zu beantragen.

Gemeindegröße irrelevant

Zahlreiche Praxisbeispiele in der Dokumentation zeigen, dass Entwicklungspolitik nicht von der Größe einer Gemeinde abhängt und es neben den bedeutenden klassischen Städtepartnerschaften vielfältige weitere Be-tätigungsfelder gibt, um sich für eine gerechtere und nachhaltige Eine Welt einzusetzen.

„Nachhaltigkeit neu lernen”

Ob seiner zahlreichen Aktivitäten mehrfach ausgezeichnet wurde in den vergangenen Jahren die Stadt Neumarkt i. d. OPf. Wie einem Beitrag von Oberbürgermeister Thomas Thumann zu entnehmen ist, gehören zu den wichtigsten von der Stadt initiierten Maßnahmen zur Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) das städtische Förderprogramm „Nachhaltigkeit neu lernen“, die Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz, die Kampagne „Fairtrade-Stadt“ sowie Bildungsprojekte im Rahmen des Masterplans „100 % Klimaschutz“. Zudem habe Neumarkt im internationalen Kontext der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit am Projekt „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ teilgenommen.

Die Fairtrade-Kampagne in Neumarkt beinhaltet insbesondere auch eine breite Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Projekte wie der „Lernzirkel Nachhaltigkeit“, der „Parcours Rundum Fair“ sowie der neue Muster-Beschaffungskoffer, der nach ökosozialen Kriterien bestückt ist, erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Kampagne „Fairtrade Stadt Neumarkt“ wird mit weiteren Projekten fortgesetzt. Dazu gehört die Verteilung von Fairtrade-Fußbällen und -Handbällen an Schulen und in Sportvereinen. Mit dem neu konzipierten Eine-Welt-Festival, das bereits zweimal veranstaltet wurde und im Landesgartenschau-Park stattfindet, kann Neumarkt zudem eine Großveranstaltung bieten, die für den Fairen Handel und internationale Kooperationen wirbt.

Im Rahmen des Förderprogramms „Masterplan 100 % Klimaschutz“ führt die Stadt Neumarkt mehrere Projekte im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz durch. Hier zählt der im Jahr 2015 neu eingeführte und mit 10.000 Euro dotierte Neumarkter Klimaschutzpreis zu den Besonderheiten. Zum anderen wurden neue Angebote und Aktionen umgesetzt, wie etwa der Aktionstag „Heizen mit regenerativen Energien“, der an zwölf Standorten in Stadt und Landkreis stattfand, oder die Glühbirnen-Austauschaktion vor dem Rathaus, bei der innerhalb von zwei Stunden 1.000 neue LED-Lampen an die Passanten ausgegeben wurden.

Ebenso eine Besonderheit ist das städtische „Faktor 10-Förderprogramm“ für energieeffizientes Bauen und Sanieren, in dessen Rahmen bisher eine Fördersumme in Höhe von rund einer Million Euro von den Bürgern in Anspruch genommen wurde.

Neumarkt ist auch international engagiert. So beteiligt sich die Stadt am Projekt „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Neumarkt ist in diesem Rahmen eine 18-monatige Projektpartnerschaft mit der südafrikanischen Gemeinde Drakenstein eingegangen. Beim Auf-taktworkshop im März 2014 in Somerset West/Kapstadt und während Fachexkursionen vor Ort sammelten Neumarkt und Drakenstein erste Bausteine für ihr gemeinsames Handlungsprogramm, das im Rahmen der Klimapartnerschaft bis Oktober 2015 entwickelt wurde.

Nachhaltige Entwicklung

Schwerpunkte des Handlungsprogrammes sind das Engagement im Rahmen des UNESCO-Weltaktionsprogrammes für Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Unterstützung von jungen Menschen in Bezug auf berufliche Bildung und soziales Engagement, die Förderung des Fairen Handels, Renaturierungsprojekte sowie die Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.
Die Gemeinde Herrsching am Ammersee wiederum ist unter dem Motto „Globales Lernen an Schulen und Kindergärten“ eine Partnerschaft mit Chatra in Indien und Ravina-Romagnano in Italien eingegangen. Nach den Ausführungen von Zweitem Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann wurden die Schulpartnerschaften durch die Indienhilfe e. V. Herrsching vermittelt und werden von ihr bis heute inhaltlich betreut. Die Indienhilfe wurde dafür von der UNESCO als UN-Dekade-Projekt Bildung für Nachhaltige Entwicklung 2006-2007 ausgezeichnet.

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten und bearbeiten Themen wie Kinderarbeit, Fairer Handel und Millenniums-Entwicklungsziele; daraus folgen verschiedene Projekte und Maßnahmen. So entstand etwa die „Eine-Welt-Rallye“, die, wie andere derartige Schüleraktivitäten auch, im Ferienprogramm der Gemeinde Herrsching angeboten wird.

Hilfsprojekte

Aus einem gemeinsamen Besuch von Delegationen aus Chatra und Ravina-Romagnano in Herrsching haben sich vor einigen Jahren auch Verbindungen unter den beiden Herrschinger Partnergemeinden und in der Folge kleine Hilfsprojekte entwickelt. Die Schulpartnerschaften zwischen Ravina-Romagnano und Herrsching beziehen Chatra insofern immer wieder ein, indem die Herrschinger Schulen die Verhältnisse in Chatra thematisieren.

Die Gemeinde beteiligt sich an den Kosten für die Pflege der Orts-partnerschaften und ausgesuchte Projekte der Schulpartnerschaften. Sie unterstützt die Anschaffung von Bildungsmaterialien für die „Eine Welt“-Bildungsarbeit bzw. zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Der Bürgermeister sowie Mitglieder des Gemeinderates beteiligen sich außerdem an verschiedenen Schulaktionen. Zusätzlich stellt die Gemeinde der Organisation CISV International, einer Non-Profit-Organisation für internationale Kinder- und Jugendbegegnungen, Räumlichkeiten für internationale Treffen von Jugendlichen in Herrsching zur Verfügung. Sie leistet auch dadurch einen Beitrag zur Völkerverständigung, der Horizonterweiterung und zur „Eine Welt“-Bildungsarbeit.

DK

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