Kommunalverbändezurück

(GZ-7-2019)
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► Konferenz „Land.Zuhause.Zukunft“ der Robert Bosch Stiftung in Berlin:

 

Vielfalt kann ländliche Räume stärken

 

Vorhandene Potenziale besser erschließen und neue Bewohner gewinnen, ist angesichts des demografischen Wandels das Ziel zahlreicher Kommunen in ländlichen Regionen. Eine Möglichkeit ist die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Welche Chancen und Herausforderungen hierfür bestehen, zeigte die Konferenz „Land.Zuhause.Zukunft“ in Berlin.

Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Flüchtlinge, Migration und Integration verwies auf bezahlbaren Wohnraum auf dem Land und die oft besseren Chancen auf einen Arbeitsplatz in mittelständischen Betrieben. Trotzdem zögen Neueinwanderer früher oder später tendenziell lieber in Städte. Die Argumente für die Stadt seien weitgehend einheitlich: Dort gibt es etablierte und herkunftsbezogene Netzwerke und Angebote.

Integrationsmaßnahmen

Derartige Angebote und Strukturen könnten in ländlichen Gebieten durch eine übergreifende Zusammenarbeit von verschiedenen Trägern übernommen werden, so Widmann-Mauz. Konkrete Integrationsmaßnahmen, wie Sprachkurse für unterschiedliche Zielgruppen, oder Angebote für Frauen und Eltern spielten eine enorme Rolle. Die Politikerin schlug vor, den Kommunen möglichst viel Kompetenz bei den Kursen zu geben. „Die Akteure vor Ort kennen Angebot und Nachfrage am besten.“

Lebensverhältnisse lebenswert gestalten

Der Bund investiert 2019 über 720 Millionen Euro in Integrationskurse. Zusätzliche Integrationsmaßnahmen werden mit 227 Millionen Euro bezuschusst. Allerdings beeinflusst nicht allein das Geld den Erfolg von Integrationskursen. Widmann-Mauz zufolge hängt erfolgreiche Integration im ländlichen Raum maßgeblich davon ab, ob es insgesamt gelingt, hierzulande gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Denn warum sollten Geflüchtete oder Neuzuwanderer dort wohnen oder bleiben, wo Einheimische seit Jahren wegziehen?

Fragen und gute Ideen für die vielfältigen Herausforderungen bearbeitet die Robert Bosch Stiftung in ihrem Förderprogramm „Land.Zuhause.Zukunft – Integration und Teilhabe von Neuzuwanderern in ländlichen Räumen“. Dafür führte die Stiftung 2017 knapp hundert Interviews mit unterschiedlichen Akteuren in sieben Landkreisen. In sechs Landkreisen werden nun bis Juni 2019 verschiedene Ansätze in der Praxis ausprobiert.

Zielgruppe für die Pflege

Der Landkreis Coburg beschäftigte sich beispielsweise mit dem Schwerpunkt Flüchtlinge und Migranten als Zielgruppe für die (Alten-)Pflege. Schnell zeigte sich, dass viele kleine Träger überfordert sind, den Menschen beim Ankommen zu helfen. „In der Regel endet die Anwerbung bei der Anwerbung“, so das Zwischenfazit der Teilnehmer. Dabei ist Integration mehr als Integration in den Arbeitsmarkt. „Interkulturelle Integration heißt für uns aber auch, dass wir bei einer 60-Betten-Einrichtung einen Kosovaren, einen Philippiner, einen Syrer und einen Vietnamesen beschäftigen. Da fragt man sich, wie wir das Thema kulturelle Öffnung im Alltag umgesetzt bekommen, auch bei den pflegebedürftigen Menschen“, stellte Martina Berger vom Landratsamt Coburg fest. Eine Idee sei, alle Pflegekräfte aus dem Landkreis an einen Tisch zu bringen und zusätzlich die einheimische Bevölkerung auf die Zuwanderung vorzubereiten.

Mehr Entscheidungsbefugnisse

Im Rahmen der Berliner Konferenz wurden in diversen Workshops praxisbezogene Wünsche und konkrete Empfehlungen formuliert. Deutlich war die Forderung nach mehr Entscheidungsbefugnissen, zumal es nicht den einen ländlichen Raum gibt, der stellvertretend für alle steht, sondern die Anforderungen in jedem Landkreis unterschiedlich sind. Beim Thema Integrationspolitik und Integrationskonzepte wurde beispielsweise deutlich, dass mehr Kompetenzen für kommunale Integrationszuständige gewünscht sind, zum Beispiel bei der Jugendarbeit. Für die Fachkräftesicherung im ländlichen Raum ist ein Ausbau der Infrastruktur unverzichtbar. Und bei Orientierungskursen für Zuwanderer sollten gemeinsame Werte und ein pluralistisches Bild vermittelt und keine normative Nachhilfe in Sachen Wertevermittlung gegeben werden.

Professorin Dr. Petra Bendel von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schlug ein europaweites Matching-Verfahren vor. Kommunen könnten auf freiwilliger Basis vorab ein Integrationsprofil erstellen und dieses mit den Bedürfnissen, Kenntnissen und Fähigkeiten der Geflüchteten in den Hotspots in Griechenland und Italien abgleichen. „So kann man auch viel besser darauf eingehen, was die einzelnen Menschen möchten, können und wo sie leben wollen.“ Dies würde zudem die Innovationskraft der Kommunen stärken, Strukturen verstetigen und die Mitsprache fördern.

DK

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