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(GZ-24-2016)
Kommunale Praxis
Deutscher Landkreistag:
 
Studie zur Integration von Flüchtlingen
 

Landkreis Hof als Beispiel für moderne Flüchtlingshilfe

Landkreise „können“ Integration. Dies zeigt eine vom Deutschen Landkreistag veröffentlichte Studie zum Thema „Integration von Flüchtlingen in ländlichen Räumen – strategische Leitlinien und Best Practices“. Darin werden die Praxiserfahrungen von 18 Landkreisen in den für die Integration wichtigen Handlungsfeldern Wohnen, Sprache, Arbeit und Ausbildung, Schule und Bildung, Ehrenamt sowie gesellschaftliches Zusammenleben dargestellt und anhand von guten Beispielen für andere Kommunen nutzbar gemacht. Als bayerischer Repräsentant stellte sich der Landkreis Hof für die Untersuchung zur Verfügung.

„Die Landkreise bringen die besten Voraussetzungen für Integration mit: Sie haben die dafür passenden Verwaltungsstrukturen, sind gleichzeitig aber noch nah genug an den Menschen vor Ort“, freute sich der Präsident des Deutschen Landkreistages, Landrat Reinhard Sager, über die Projektergebnisse. Wichtig sei, dass die Landkreise Integration strategisch angehen, organisieren und gestalten, um aus jedem zugewanderten Menschen eine Chance für den Landkreis und das Land zu machen.

150 Einzelinterviews

Das in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen Viventure durchgeführte Projekt zeigt, auf welche Weise Integration gelingen kann. Die Studie veranschaulicht in den maßgeblichen Handlungsfeldern der Integration – von der Sprache über den Arbeitsmarkt bis hin zum gesellschaftlichen Miteinander von Deutschen und Flüchtlingen – anhand guter Beispiele, wie Landkreise diese Aufgabe bewältigen – engagiert, pragmatisch und mit realistischen Erwartungen. „Damit will der Deutsche Landkreistag einen Beitrag auf dem Weg zu einer gelingenden Integration von Flüchtlingen leisten“, betonte Sager.

„Unser Ansatz bestand darin, direkt vor Ort in den Landkreisen genau hinzuschauen, was gut funktioniert und wo es strategische Hebel gibt“, erläuterte der DLT-Präsident. „Insofern haben wir gemeinsam mit der von uns beauftragten Agentur insgesamt 150 Einzelinterviews mit Landräten, Integrations- oder Flüchtlingsbeauftragten sowie mit Verantwortlichen von Integrationsprojekten geführt.“

Steigende Sozialausgaben und ihre Folgewirkungen

Sager zufolge haben die Landkreise „ein sehr ausgeprägtes Interesse an gelingender Integration. Und dies nicht nur, weil sie sie direkt von steigenden Sozialausgaben und sozialen Folgewirkungen betroffen sind.“ In den Landkreisen, Städten und Gemeinden fänden die Sprachkurse statt, sei für Wohnungen zu sorgen und die Heranführung an den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Hier seien die ehrenamtlichen Helfer zu koordinieren, der Besuch der Kindertageseinrichtung wie der Schule zu gewährleisten und die soziale, gesundheitliche sowie familiäre Betreuung anzubieten. „Integration ist seit Langem eine durch und durch kommunale Aufgabe“, erklärte der Präsident.

Freiräume zur eigenverantwortlichen Gestaltung

Dabei gebe es nicht das eine Programm oder die eine Strategie, führte Sager weiter aus: „Die Landkreise sind so unterschiedlich in ihren Strukturen, dass nur ein individuelles Vorgehen gelingen kann – dies ist im Rahmen des Projekts deutlich geworden. Was aber notwendig ist, sind Freiräume zur eigenverantwortlichen Gestaltung von Integration. Nur wenn politische, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen stimmen, kann Integration gelingen.“ In diesem Zusammenhang gelte es, kommunale Verantwortung zu stärken, z. B. bei der Frage der zu verbessernden Möglichkeiten der Landkreise, den Einsatz von Sprachkursen zu koordinieren.

VHS als Anlaufstelle

Wie Landrat Dr. Oliver Bär im Interview erläuterte, übernimmt im Landkreis Hof die VHS die Entwicklung und Koordination des Sprachkurs-Angebots für den gesamten Landkreis. Die VHS ist die zentrale Anlaufstelle für die Integrationskurse des BAMF, führt für alle im Landkreis zugelassenen Träger die verbindlichen Einstufungstests durch und übernimmt die Einteilung der Teilnehmer und die passende Zuweisung zu den jeweils beginnenden Kursmodulen. Die Interessierten werden von der Antragstellung bis hin zum Einstieg in einen Integrationskurs beraten. Darüber hinaus koordiniert die VHS auch die zugelassenen Träger, verwaltet die Wartelisten für alle Kurse und sorgt für eine planbare Durchführung der Kurse bei den einzelnen Trägern.

Neben den Integrationskursen des BAMF bietet die VHS Landkreis Hof auch ehrenamtlich geleitete Deutschkurse, Deutschförderung für Schulkinder und Sprachkurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Außerdem übernimmt sie den Unterricht zur Sprachvermittlung an dem Berufsschulzentrum Hof für das Berufsintegrationsjahr.

Gesamtkoordination

Der Landkreis Hof geht hier einen eigenständigen Weg in der Beauftragung der VHS mit der Gesamtkoordination für die Sprachförderung von Asylsuchenden im Landkreis. Bär zufolge zeigen die Erfahrungen, dass dies ein erfolgsversprechender Ansatz ist, der zum einen die Verwaltung des Landkreises entlastet, zum anderen aber die vorhandenen Strukturen und die Expertise der VHS nutzt: „Die VHS Landkreis Hof ist die größte VHS im ländlichen Raum in Bayern und hat sich seit 25 Jahren auf den Bereich Integration spezialisiert – diese Erfahrung ist sicher einer der Erfolgsfaktoren für diesen Weg.“

Neben den vorbereitenden Kursen an Berufsschulen ist auch die Eingliederung der Flüchtlinge in deren Regelunterricht eine Aufgabe, der sich die Landkreise stellen. Denn ebenso wie an Grund- und weiterführenden Schulen bedarf es hier einer besonderen Anstrengung. Der Landkreis Hof hat hierfür eine Berufsintegrationsklasse eingeführt:

Berufsintegrationsklassen stellen ein zweijähriges Vollzeitangebot dar und sind in Bayern flächendeckend eingeführt. Sie sollen den Schülern Grundlagen für ein selbstständiges, wirtschaftlich unabhängiges Leben vermitteln und die Integration in die Gesellschaft erleichtern. Da eine Grundvoraussetzung hierfür die berufliche Etablierung am Arbeitsmarkt ist, soll der Besuch der Berufsintegrationsklassen den erfolgreichen Verlauf einer Berufsausbildung bzw. den erfolgreichen Besuch weiterführender Schulen ermöglichen.

Unabhängig von der vorliegenden Klassenform wird der Unterricht unter organisatorischer Leitung der jeweiligen Beruflichen Schule sowohl von den Lehrkräften der Schule als auch von Lehrkräften eines Kooperationspartners durchgeführt. Eine sozialpädagogische Betreuung der Schüler durch Fachkräfte ist in jeder Klassenform vorgesehen.

Auch wenn die Umsetzung der Wohnsitzauflage wegen der positiven Effekte für die Integration notwendig ist, stellt sie Landkreise doch vor eine große Herausforderung, denn in vielen Landkreisen ist nicht genügend bezahlbarer Wohnraum vorhanden. Zwar stehen bundesweit bei einem derzeitigen Bestand von 40, 5 Mio. Wohnungen ca. 1,7 Mio. Wohnungen leer, die Bautätigkeit ist aber nichtsdestotrotz seit mehreren Jahren aus unterschiedlichen Gründen auch unabhängig von der Zuwanderung durch Flüchtlinge hinter dem Bedarf an Wohnungen zurückgeblieben. In manchen Landkreisen ist der verfügbare Wohnraum tatsächlich so knapp, dass die anerkannten Schutzberechtigten zur Vermeidung von Obdachlosigkeit auch nach ihrer Anerkennung weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen.

Im Landkreis Hof haben die Bürger nun die Möglichkeit, über eine App verfügbaren Wohnraum an den Landkreis zu melden. Über die Web App können Bürger auch Unterkünfte für Asylbewerber bieten. Zur Unterbringung von Asylbewerbern mietet das Landratsamt Hof für den Freistaat Bayern Wohnraum. In Betracht kommen sowohl leerstehende Pensionen und Gasthöfe, aber auch Mehrfamilienhäuser und einzelne Wohnungen. Wichtig ist, dass die Unterkünfte über eine gute infrastrukturelle Anbindung verfügen, da die Asylbewerber auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Alle wichtigen Parameter werden über das Eingabeformular der Web App abgefragt und als Vorschlag zur Prüfung zu einem Mitarbeiter des Landratsamtes Hof im Fachbereich Bauwesen gesendet. So ist eine schnelle und direkte Kommunikation gewährleistet.

Kommunikationswege

Für die Weitergabe von Informationen an die ehrenamtlichen Helfer sind einige Portale auf den Internetseiten der Landkreise eingerichtet worden. Darüber hinaus wurden mittlerweile aber auch soziale Netzwerke entwickelt, die ähnlich wie Facebook oder vergleichbare Portale strukturiert sind und damit aktuelle Kommunikationswege abbilden. Ein weiteres digitales Kommunikationswerkzeug, das in den Landkreisen genutzt wird, sind Apps. Der Landkreis Hof hat eine Web App entwickelt, über die Informationen rund um das Thema „Flüchtlinge“ allgemein verständlich weitergegeben werden können.

Auch die Ehrenamtlichen im Landkreis werden so unterstützt: Sie kommen leicht an benötigte Informationen zu Sprachkursen und weiteren Maßnahmen und können diese Informationen gezielt an die Flüchtlinge weitergeben. Die App bietet Antworten auf die meistgestellten Fragen, die durch eine Suche schnell kategorisiert werden können.

Zudem werden die Ehrenamtlichen entlastet, weil sich die App mit relevanten Informationen auch direkt an Flüchtlinge richtet. So können relevante Stellen wie Rathäuser oder Ärzte direkt in der App gesucht und durch eine detaillierte Wegbeschreibung erreicht werden.

Wie Landrat Bär betonte, sei das Bedürfnis nach Information bei Bürgern, ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen groß. „Wir stillen dieses allgemeine Bedürfnis und geben ein Beispiel für moderne Flüchtlingshilfe. Landkreis Hof – wir sind Heimat.“

DK

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