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(GZ-21-2016)
Kommunale Praxis
Miteinander-Preis 2016:
 
Inklusive Projekte im Rampenlicht
 
Mit der Verleihung des bayerischen Miteinander-Preises 2016 des Bayerischen Sozialministeriums in München wurden besonders gelungene Projekte der Inklusion von Menschen mit Behinderung ausgezeichnet und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die positiven Beispiele demonstrieren anschaulich, was Inklusion bedeutet: Dass Menschen mit und ohne Behinderung miteinander leben und arbeiten, lernen und wohnen – und zwar von Anfang an.

„Egal, ob Kindergarten oder Unternehmen, Sportverein oder Musikgruppe - wenn Menschen mit und ohne Behinderung zusammen sind und sich so Barrieren in den Köpfen in Luft auflösen - dann wird Inklusion gelebt. Ich bin sehr stolz darauf, dass sich insgesamt fast 200 Projekte um den Miteinander-Preis beworben haben“, betonte Sozialministerin Emilia Müller. Aus jedem Regierungsbezirk wählte eine Jury unter Müllers Vorsitz ein Inklusionsprojekt aus, das mit 2.000 Euro prämiert wurde. Insgesamt ist der Miteinander-Preis mit 14.000 Euro dotiert.

Gebärdendolmetscher

Der Miteinander-Preis für den Regierungsbezirk Oberbayern ging an den inklusiven Chor „Oh Happy Day“ der Caritas-Kontaktstellen für Menschen mit Behinderung in Fürstenfeldbruck, Dachau und Erding. Die 150 Sänger, Tänzer und Percussionisten, die im Chor mitwirken, begeistern schon seit zwei Jahren bei großen Konzerten in Fürstenfeldbruck, Dachau und München die Zuschauer. Die 2.000 Euro Preisgeld möchte das Caritas-Projektteam unter anderem in die Finanzierung eines Gebärdendolmetschers investieren.

„Mittendrin!“

In Niederbayern setzte sich „mittendrin!“, ein Projekt der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V., durch. 2011 ging es an den Start und wurde bis Ende 2013 aus Mitteln des EU-„Leader“-Projekts „Bürgerschaftliches Engagement und Inklusion im Landkreis Kelheim“ gefördert. Nach Abschluss des Projektes etablierten sich die bis dahin bereits tätigen „mittendrin!“-Reporter unter dem Dach der Offenen Behindertenarbeit der KJF im Landkreis Kelheim weiter, begleitet und unterstützt von Sozialpädagogin Sabrina Härtel und der Redakteurin der Mittelbayerischen Zeitung Martina Hutzler. Die „mittendrin!“-Reporter recherchieren und bearbeiten für sie interessante Themen wie etwa Barrierefreiheit aus Sicht von Menschen mit und ohne Behinderung. Ihr Preisgeld wollen sie in die eigene journalistische Weiterbildung investieren.

Betreutes Wohnen

Für die Oberpfalz gewann das Projekt „Betreutes Wohnen in Familien für Menschen mit Behinderung“ der medbo den Miteinander-Preis. Beim Betreuten Wohnen in Familien (BWF) leben Menschen mit psychischer oder geistiger Behinderung bei Gastfamilien und bekommen durch eine Tagesstrukturierung Halt und Unterstützung im täglichen Leben und vor allem beim Bewältigen von Problemen. Die Gastfamilie unterstützt bei der Lebensführung, der Gestaltung persönlicher Beziehungen und der Freizeitgestaltung.

Welcher Bewohner zu welcher Gastfamilie passt, wählt ein multiprofessionelles Fachteam aus, das die Gastfamilie und den Bewohner permanent berät und begleitet. Im Moment leben rund um Regensburg 21 Bewohner in 18 Gastfamilien und weitere Familien stehen bereit, einen psychisch oder geistig behinderten Menschen bei sich aufzunehmen. Die Nachfrage beim BWF, sowohl von aufnahmebereiten Gastfamilien als auch von betroffenen Bewohnern, ist ungebrochen.

„Der Bezirk Oberpfalz unterstützt die Inklusion psychisch behinderter Menschen. Deshalb bin ich als Bezirkstagspräsident stolz auf die engagierten Familien und das Team der medbo, die für ihren großartigen Einsatz ausgezeichnet wurden“, freute sich Bezirkstagspräsident Franz Löffler. „Letztendlich gehört dieser Preis den Familien und unseren Bewohner, die täglich das Miteinander praktizieren“, gab medbo Mitarbeiterin Nicole Radlinger das Lob weiter. Das Preisgeld soll laut Radlinger den Gastfamilien und deren Bewohnern zu Gute kommen, denn finanzielle Engpässe kommen beispielsweise bei der Dauer des Probewohnens vor.

Barrierefreie Führungen

Das „Klein Eden“ Tropenhaus am Rennsteig GmbH, Tettau, errang für Oberfranken den Miteinander-Preis. Dort werden tropische Früchte und Tilapias, eine Barsch-Art, gezüchtet. Möglich wird dies mit der Nutzung der Abwärme eines nahe gelegenen Glasindustriebetriebes. Dieses Projekt mit Modellcharakter wurde in der fränkischen Rennsteigregion in Zusammenarbeit mit dem ökologisch-botanischen Garten der Universität Bayreuth verwirklicht. Ziel ist, intelligente ökologische Kreisläufe und nachhaltiges Wirtschaften erlebbar zu machen. Hierzu bietet das Tropenhaus „Klein Eden“ barrierefreie Führungen für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen an.

In Mittelfranken setzte sich ACCESS Integrationsbegleitung gGmbH, Erlangen und Nürnberg, mit dem Projekt „Inklusion erlangen“ durch. Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung geschieht in diesem Fall durch Informationsveranstaltungen, Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Gremienarbeit und die Arbeit mit Betroffenengruppen im Landkreis und in der Stadt Erlangen. Dabei geht es beispielsweise darum, notwendige barrierefreie Gestaltungen des öffentlichen Raums oder die Einrichtung bzw. Erweiterung inklusiver Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten für Krippen-, Kindergarten- und Schulkinder durchzusetzen. Im Bereich Bildung und Freizeit werden örtliche Anbieter bei der Umsetzung barrierefreier Angebote unterstützt.

Circuscamps

Im unterfränkischen Erlenbach am Main wiederum hat sich der Verein Kinder- und Jugendcircus Blamage e. V. die Aufgabe gestellt, durch seine Angebote die motorischen, kreativen, künstlerischen und sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung zu fördern. In den bayerischen Oster-, Pfingst- und Sommerferien veranstaltet der Circus einwöchige inklusive Circuscamps. Dabei tauchen ca. 45 Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung aktiv in die Circuswelt ein. Sie werden von ehrenamtlichen Fachkräften des Circus Blamage betreut und trainieren täglich verschiedene Künste, wie z. B. Trapez, Clownerie, Trampolin, Pyramiden, Fakir oder Jonglage, um am Ende der Woche der Öffentlichkeit ihr Können im Circuszelt zu präsentieren. Im Circus steht nicht die Behinderung im Vordergrund, jeder bringt seine Talente ein und trägt so zum großen Ganzen bei.

Im Regierungsbezirk Schwaben wurde schließlich die Staatliche Realschule Meitingen für das vorbildliche Projekt „Gemeinsam Türen öffnen“ ausgezeichnet. Hier lernen Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung zusammen. Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich gratulierte: „An der Dr. Max-Josef-Metzger-Realschule setzt sich die gesamte Schulfamilie dafür ein, dass alle jungen Menschen eigenverantwortlich an unserer Gesellschaft teilhaben können. Zentral ist hierbei der inklusive Ansatz der Schule: Der Unterricht und das Schulleben sind auf die Vielfalt aller Schülerinnen und Schüler und ihre jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet. Jedes Talent kann so individuell gefördert werden.“

DK

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