Kommunale Praxiszurück

(GZ-20-2016)
Kommunale Praxis
Bürgerpreis des Bayerischen Landtags:
 
Gelebte Werte
 
„70 Jahre in guter Verfassung. Wir leben und gestalten Demokratie!“ lautete das Leitthema des im Münchner Maximilianeum verliehenen Bürgerpreises des Bayerischen Landtags. Unter dem Vorsitz von Landtagspräsidentin Barbara Stamm wählte die Jury aus 72 Bewerbungen die Preisträger aus. Diese erhielten ein Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro.

Der Bürgerpreis des Bayerischen Landtags 2016

Die Ausgezeichneten zusammen mit dem Ehrengast und der Landtagspräsidentin.

Landtagspräsidentin Stamm sah in dem diesjährigen Motto die Chance zur Besinnung auf die wesentlichen Werte unserer Gesellschaft, die in Bayerns Verfassung festgeschrieben sind: „Frieden, Freiheit und Demokratie erscheinen uns heute beinahe selbstverständlich. Aber die Werte der Verfassung müssen auch gelebt werden, und dafür setzen sich zahlreiche Gruppierungen und Bündnisse in Bayern ehrenamtlich ein. Das ist auch bei den vielen hervorragenden Bewerbungen zum diesjährigen Bürgerpreis sichtbar geworden.“

Würde des Menschen

Ehrengast Dr. Hans-Jochen Vogel, ehemaliger SPD-Parteivorsitzender und Münchner Oberbürgermeister, verwies im Gespräch mit dem bekannten Münchner Schauspieler Udo Wachtveitl darauf, dass „wir heute Menschen auszeichnen, die nicht nur reden, sondern sich für die Demokratie einsetzen. Und das brauchen wir.“ Auf die Bedeutung der Verfassung eingehend, meinte Vogel: „Vieles von dem, was zu Recht am deutschen Grundgesetz geschätzt wird, stand vorher schon in der Verfassung Bayerns. Vorweg der Satz ‘Die Würde des Menschen ist unantastbar’. Ebenso übrigens das Recht auf politisches Asyl.“

Netzwerke

Mit dem ersten Preis bedacht wurde die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg. Dabei handelt es sich um eine bundesweit einzigartige Netzwerkorganisation. Sie vereint zivilgesellschaftliche Organisationen und Gebietskörperschaften in der Arbeit gegen Rechtsextremismus und für die im Grundgesetz verankerten gesellschaftlichen Werte. Insgesamt sind 315 Organisationen Mitglied in der Allianz.

Die Tätigkeit erstreckt sich auf das gesamte Gebiet der Metropolregion. Beispielhafte Aktivitäten sind etwa Aktionen bei rechtspopulistischen/-extremen Aufmärschen, Bildungsprojekte/-veranstaltungen für Multiplikatoren sowie Langzeitprojekte wie eine „Gastro-Initiative“, bei der Gastronomen und Brauereien über rechtsextreme Gruppen informiert und über rechtliche Möglichkeiten zur Verhinderung von entsprechenden Veranstaltungen aufgeklärt werden.

Völkerverständigung

Den zweiten Preis erhielt die Schul- und Jugendarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., München. Der Verein betreibt seit langem eine völkerverständigende und friedenspädagogische Jugendarbeit, in dem er Jugendliche aus der ganzen Welt zusammenbringt und aktiv Erinnerungskultur betreibt. Die Jugendlichen kommen in internationalen „Camps“ zusammen, die der Landesverband Bayern organisiert und setzten sich dort unter anderem mit den Themen Krieg und Gewaltherrschaft auseinander. Um die Erinnerung an die Kriegstoten lebendig zu halten, beschäftigen sich die Jugendlichen in den Camps auch intensiv mit Materialien (Fotos, Briefe etc.) über die Toten. Eine weitere Aktion des Jugendarbeitskreises Bayern ist die gemeinsame Arbeit auf Kriegsgräberstätten, wo die Jugendlichen unter anderem Grabsteine beschriften.

Über einen ebenfalls zweiten Preis konnte sich der Verein Cadolzburger Burgfestspiele freuen. Bereits 2015 brachte dieser unter großem ehrenamtlichem Einsatz das Musical-Stück „Mademoiselle Marie“ zur Aufführung, das das deutsch-französische Verhältnis thematisiert. Mit insgesamt 24 Vorstellungen wurden rund 14.000 Besucher erreicht. Im Rahmen des deutsch-französischen Friedensfestes in Oradour-sur-Glane – einem Ort, an dem die SS im Zweiten Weltkrieg ein schreckliches Verbrechen verübte – soll das Musical erneut und bei freiem Eintritt in Frankreich zur Aufführung gebracht werden.

Dritte Preise bekamen Radio LORA, München und Radio Z / R.A.D.I.O. e.V., Nürnberg, überreicht. LORA München ist seit 1993 ein unabhängiges, nicht-kommerzielles Community Radio (Bürgerradio). Sein Themenspektrum reicht von Wirtschaft und Sozialem über Ökologie und Gesundheit bis hin zu Eine Welt und multikulturellem Miteinander sowie Kultur.

Unabhängiges Radio

Bei LORA München engagieren sich über 250 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Knapp 50 Vereine und Initiativen gestalten ein regelmäßiges Programm. Das Radio bietet den verschiedensten gesellschaftlichen Organisationen eine Plattform und hat eigens zwei Redaktionen für Menschen mit Behinderung und drei Redaktionen für vielfältige sexuelle Orientierungen. Darüber hinaus ermöglicht der Radiosender eine Ausbildung für Jugendliche und Erwachsene und arbeitet mit Migrantinnen und Migranten zusammen.

Ein nichtkommerzielles und unabhängiges Radioformat, das sich alleine dem gesellschaftlichen Mehrwert verschrieben hat, ist auch Radio Z aus Nürnberg. Durch die ehrenamtliche Mitarbeit wird bürgerschaftliches Engagement gefördert und trägt zu demokratischer Teilhabe und Medienvielfalt bei. Bei Radio Z bekommen Minderheiten eine Stimme, zum Beispiel mit dem Projekt „Radio Ohrenblicke“, bei dem Blinde und Sehbehinderte Radiosendungen gestalten oder bei „Refugees Welcome“, bei dem Flüchtlingen eine medienpädagogische Fortbildung angeboten wird.

Der Sonderpreis ging schließlich an die Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus „Wunsiedel ist bunt“. Sie bringt die verschiedenen Akteure gegen Rechtsextremismus zusammen, vernetzt sie und stärkt dadurch ihr Engagement. So findet über die Initiative ein Austausch zu aktuellen Tendenzen und Entwicklungen der rechten Szene in der Region Wunsiedel statt.

Wunsiedel ist seit der Errichtung der Grabstätte von Rudolf Heß im Jahr 1987 ein Ort für Aufmärsche Rechtsextremer, auch wenn die Grabstätte zwischenzeitig aufgelöst wurde. Die Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus organisiert außerdem Aktionen wie den Spendenlauf „rechts-gegen-rechts“ oder die jährlich stattfindende Protestaktion gegen die rechte Szene.

 
DK

GemeindeZeitung

Kommunale Praxis

AppStore

facebookTwitterGoogle+YouTube

Google Play

© Bayerische GemeindeZeitung

Hinweis zu Cookies

Die Bayerische GemeindeZeitung möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Sie können Cookies blockieren und löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen entsprechend ändern. Weitere Informationen finden Sie im Impressum.

Weiter