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(GZ-12-2019)
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► 7. Bayerisches WasserkraftForum in Töging am Inn:

 

Lebensader Wasserkraft

 

7. Bayerisches WasserkraftForum

Kultstatus als Informationsveranstaltung und Dialogplattform im Freistaat genießt mittlerweile das jährlich stattfindende Bayerische WasserkraftForum der Bayerischen GemeindeZeitung. Knapp 150 politische und kommunale Entscheidungsträger, Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden und Medien sowie Fach- und Führungskräfte aus Wasserkraftunternehmen nahmen am 7. WasserkraftForum in Töging am Inn teil. Als Medienpartner fungierte einmal mehr TV Bayern Live.

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Insgesamt präsentierten 21 Partner und Aussteller den Gästen ihre Innovationen und Angebote. Außerdem standen hochinformative Fachvorträge auf der Agenda.

Die Referenten Rudolf Escheu/ Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Detlef Fischer/Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – VBEW, Georg Loy/VERBUND Innkraftwerke GmbH, Maximilian Faltlhauser/HSI HYDRO ENGINEERING GMBH, Bernhard Zimmerling/Geppert GmbH, Peter Reiter/seamtec GmbH sowie Gregor Overhoff / Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, informierten die zahlreichen Besucher über die Potenziale der Wasserkraft, deren Einsatz für das Gelingen der angestrebten Energiewende unverzichtbar ist.

Neue Großbaustelle

Zudem hatten die Tagungsteilnehmer die einmalige Gelegenheit, die Baustelle des VERBUND-Wasserkraftwerks in Töging noch vor dem offiziellen Richtfest nach der Sommerpause zu besichtigen. Am Vorabend des WasserkraftForums hatte der GZ-Partner VBEW bereits einen informellen Abend als „Get-together“ veranstaltet. „Die wirklich einzige nachhaltige, CO2-freie, grundlastfähige Energiequelle ist nach wie vor unsere heimische, bayerische Wasserkraft, die mengenmäßig zuverlässig das abfedern kann, was uns durch die Schließung der Kernkraftquellen wegfällt“, erklärte GZ-Verlegerin Anne-Marie von Hassel in ihrer Begrüßung. Seit Jahrtausenden stellten die Gewässer die Lebensadern der menschlichen Zivilisation dar.

Korrektur alter Fehler

Aus Praktikabilitätsgründen, falsch verstandenem Hochwasserschutz und egoistischem Eigennutz zur Landgewinnung seien allerdings in den vergangenen 200 Jahren Flüsse eingemauert und begradigt worden. Diese Sünden der Vergangenheit würden heutzutage gerade seitens der großen, aber auch der kleinen Wasserkraft unter enormem finanziellem Aufwand korrigiert.

Das Mekka der Wasserkraft

„Töging ist das Mekka der Wasserkraft in Deutschland“, hob Altöttings Landrat Erwin Schneider in seinem Grußwort hervor. Die Wasserkraft sei Lebensader und Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis.

Nach Schneiders Angaben existieren im Landkreis Altötting 54 Wasserkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 222 Megawatt. Mit einer Leistung von 85 Megawatt sei das Töginger Kraftwerk heute bereits das leistungsstärkste in ganz Deutschland. Mit der grundlegenden Erneuerung des 95 Jahre alten Kraftwerks werde eines der größten Wasserkraftprojekte im Freistaat auf den Weg gebracht. Der Spatenstich soll nach der Sommerpause erfolgen.

Grundlage des Projekts ist eine Vereinbarung der VERBUND Innkraftwerke GmbH und des Freistaats Bayern zur Erweiterung und Effizienzsteigerung des Innkraftwerks Jettenbach/Töging. Die Leistung des Kraftwerks wird für 250 Mio. Euro jetzt auf 118 Megawatt gesteigert und ermöglicht damit eine Stromerzeugung von 700 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit können rund 200.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Allein dieses Vorhaben sichert 14 Prozent der Ertragssteigerung, die Bayern im Rahmen der Energiewende aus Wasserkraft anstrebt.

Durch die Wasserkraft werden Schneider zufolge nur ca. 25 Prozent des Strombedarfs im Landkreis Altötting abgedeckt, verbrauche doch gerade die dort ansässige chemische Industrie ein Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Versorgungssicherheit und marktgerechte Preise seien deshalb entscheidend für das Chemiedreieck. Aus Sicht des Landrats ist es notwendig, in die Entwicklung und den Bau von Speichermöglichkeiten zu investieren – Stichwort Pumpspeicherkraftwerke.

Große Zustimmung der Töginger Bürgerschaft

Der gastgebende Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst verwies auf die große Zustimmung der Töginger Bürger zur Erweiterung des Innkraftwerks. Schließlich seien die Bürger mit der Wasserkraft aufgewachsen und fest mit dem Standort verwurzelt. Des Weiteren seien zahlreiche Töginger beim VERBUND beschäftigt, so dass Investitionen in die Wasserkraft positiv gesehen werden. Bürgerbeteiligung in Form von z.B. Bürgersprechstunden werde groß geschrieben. Die Stadt Töging unterstütze diese vom VERBUND initiierten Aktionen, so Windhorst.

Lobende Worte für das Töginger Projekt fand auch Ministerialdirigent Rudolf Escheu vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, der einen kurzen Überblick über die aktuelle Energiepolitik in Bayern lieferte.

Nach dem geplanten Abschalten der Kernkraftwerke und dem avisierten Kohleausstieg bis 2038 sei das Fernziel eine weitgehend CO2-freie Stromerzeugung, betonte Escheu. Bis dahin werde man Reservekraftwerke auf fossiler Basis einsetzen, darunter – geht es nach Bayerns Energieminister Aiwanger – auch so manches gasbetriebene KWK-Kraftwerk, da dieses bessere Wirkungsgrade aufweise als reine Stromerzeugungsanlagen.

Waren erneuerbare Energien im heutigen Ausmaß vor Jahren noch kaum vorstellbar, sind sie inzwischen schon ein Stück weit Realität. Das aktuelle bayerische Energieprogramm weist das Ziel aus, bis 2025 einen erneuerbaren Energie-Anteil am gesamten Endenergieverbrauch von 20 Prozent zu erreichen. „Erfreulicherweise sind wir bereits bei 21 Prozent“, stellte Escheu fest. Bei der Stromerzeugung lieferten die Erneuerbaren bereits 45 Prozent und hätten damit die Kernkraft in Bayern längst überholt.

Escheu zufolge ist die Energiewende allein nicht mit der Umstellung der Stromproduktion auf Erneuerbare zu schaffen. Auch deren Anteil bei den Sektoren Wärme und Verkehr müsse deutlich gesteigert werden. Gerade letzterer verzeichne die größten Defizite. Gerade einmal 5 Prozent des Kraftstoffverbrauchs werden durch Erneuerbare Energien gedeckt.

Informationen im Netzwerk Doku in GZ Nr. 12
In Ausgabe 12/2019 der GZ, die am 21. Juni erscheint, erscheint die Dokumentation der Veranstaltung.
Im GZ-Netzwerk www.anmelden.gemeindezeitung.bayern stehen die bereits freigegebenen Vorträge zum Download bereit.

Weitere Informationen unter: www.bayerisches-wasserkraftforum.de
Programm als PDF-Download

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