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(GZ-5-2019)
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► Regionalkonferenz in Bayreuth:

 

„Energiewende Oberfranken“

 

Die Regierung von Oberfranken stellte im Rahmen ihrer diesjährigen Regionalkonferenz „Energiewende Oberfranken“ eine Auswahl von Schwerpunkten der kommunalen Energiewende vor. Vertreter der oberfränkischen Kommunen und Stadtwerke, der IHK für Oberfranken Bayreuth und der staatlichen Behörden informierten sich darüber, wie die Umsetzung der Energiewende auf kommunaler Ebene gelingen kann. Hierfür hatte die Regierung zahlreiche Fachreferenten und Experten aufgeboten, mit denen die Teilnehmer intensiv diskutierten.

Regierungsvizepräsident Thomas Engel wies eingangs darauf hin, dass es häufig zu beobachten sei, dass kommunale Energiekonzepte, die der Freistaat Bayern fördert – unabhängig von ihrer Qualität – in der Schublade landeten. „Heute wollen wir zeigen, wie die Konzeptumsetzung – und damit die Energiewende insgesamt – auf kommunaler Ebene gelingen kann“, betonte Engel.

„Energieregion Südliche Fränkische Schweiz“

Nachdem Gerd Schneider, Bürgermeister der Gemeinde Memmelsdorf, gemeinsam mit Dominik Böhlein von der Energievision Franken GmbH in Weißdorf die erfolgreiche Umsetzung des Energienutzungsplans in Memmelsdorf präsentiert hatte, zeigten Michael Breitenfelder und Ralf Deuerling (ebenfalls Energievision Franken GmbH) anhand des interkommunalen Energiekonzepts „Energieregion Südliche Fränkische Schweiz“, dass auch eine frühzeitige Einbindung der Bürger vor Ort ein Erfolgskriterium darstellt.

Aus der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz heraus haben sich hierfür die Stadt Gräfenberg, die Märkte Hiltpoltstein und Igensdorf sowie die Gemeinde Weißenohe zusammengeschlossen. Die Bedeutung der meist aufwändigen Datenerhebung dürfe dabei keinesfalls unterschätzt werden, um Potenziale in allen Sektoren – Strom, Wärme und Mobilität – sichtbar zu machen, hob Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern GmbH in Kulmbach hervor. Eine gute Datengrundlage sei zudem die Voraussetzung für weiterführende Fördermaßnahmen und lohne sich daher mehrfach.

Im Rahmen von Energiekonzepten wird die Kläranlage in aller Regel als größter Einzelstromverbraucher in der Gemeinde identifiziert. Stefan Bleisteiner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg zeigte auf, welch großes Potenzial zur Energieeinsparung, aber auch zur Energieerzeugung in den Kläranlagen steckt – zum Beispiel durch Verstromung des Faulgases. Dieses Potenzial sei in vielen bayerischen Kläranlagen noch ungenutzt.

Sein Fazit: Kommunen können einen Beitrag zur Energiewende leisten und Kosten sparen, wenn sie die Energie im Abwasser nutzen und den Energiebedarf der Abwasseranlagen optimieren. Der Grundsatz müsse lauten, Anforderungen an die Abwasserreinigung nicht den Zielen der Energieeffizienz unterzuordnen. Auch unter dieser Prämisse seien bei Kläranlagen noch energetische Optimierungen möglich. Energiecheck und Energieanalyse seien sinnvolle Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz auf Abwasseranlagen. Die Abwasserbeseitigung stelle nicht nur eine lästige Pflicht dar, sondern biete auch Gestaltungsmöglichkeiten.

Wie die Umsetzung in der Praxis auch wirtschaftlich funktioniert, demonstrierte Matthias Kraft von der Firma BAUR CONSULT in Pegnitz anhand zahlreicher Beispiele wie dem Ausbau und der Erweiterung der vorhandenen Kläranlage in Trockau im Jahr 2012. Der Ausbau der Kläranlage (Ausbaugröße: 1.600 EW) wurde durch die gestiegene Abwasserbelastung und die erhöhten Anforderungen an die Ablaufqualität des Abwassers notwendig. Planungsziel war, eine energetisch weitest gehende optimierte Anlage zu konzipieren.

Kläranlage Trockau

Die Kläranlage Trockau wurde im Rahmen eines innovativen Ausbaukonzepts modernisiert und während des laufenden Betriebs beispielsweise mit zwei Behandlungsanlagen im Aufstaubetrieb erweitert. Der bei der Abwasserbehandlung entstehende Klärschlamm wird nicht mehr vor Ort behandelt, sondern in der Kläranlage in Pegnitz energetisch genutzt. Die Modernisierung der Anlage in Trockau ist ein wichtiger Schritt beim Umstieg auf eine effiziente, energiesparende Abwasserreinigung im Stadtgebiet. So bleiben die Betriebskosten weiterhin gering. Insgesamt wurden für den Umbau 1,4 Millionen Euro investiert. Im Rahmen des Innovationspreises Abwasser 2012 erhielt die Stadt Pegnitz für die Umplanung und Erweiterung der Kläranlage Trockau eine Sonderförderung.

Laut Michael Eckardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Rödental, ist das Know-how vorhanden, man muss es nur den richtigen Leuten vermitteln. In der oberfränkischen Stadt wird beispielsweise der Klärschlamm mit einer Presse entwässert und anschließend von der Sonne getrocknet. Dies spart hohe Entsorgungsgebühren und liefert nebenbei einen hervorragenden Brennstoff.

Elektromobilität

Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Schadstoff- und Dieseldiskussion legen auch die Kommunen ihr Augenmerk zunehmend auf die Elektromobilität. Guido Weißmann von der Kompetenzstelle Elektromobilität Bayern in Nürnberg bezeichnete die gängigen Vorurteile als „Fake-News“. Im Betrieb seien Elektroautos beispielsweise wirtschaftlicher und langlebiger als die herkömmlichen Verbrenner. Claus Schwarzmann, Bürgermeister des Marktes Eggolsheim, bestätigte dies. Sein kommunaler Fuhrpark fährt bereits seit einigen Jahren elektrisch, mittlerweile sind sechs E-Fahrzeuge im Einsatz.

Wie man mittels Fuhrparkanalyse die Möglichkeiten zur Umrüstung ermittelt und welche kommunalen Elektro-Fahrzeuge es derzeit auf dem Markt gibt, darüber informierte Annette Schwabenhaus aus Lappersdorf, freiberufliche Beraterin für Elektromobilität (HWK). Wissenswertes über die Ladetechnik vermittelte Bernd Zeilmann, Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Bayreuth.

Ergänzt wurde die Expertenrunde durch Frank Berlips von der Energievision Frankenwald e.V. in Kronach (Projekt „E-Lenker sind Zukunftsdenker“), Andreas Eichhorn von der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung (Projekt „landmobile“) und Robert Martin, unter anderem Geschäftsführer der Klimaallianz Bamberg und der Regionalwerke Bamberg GmbH, der mit seinem 10-Punkte-Programm (zum Beispiel Einführung eines landkreisweiten kommunalen Carsharings) Maßstäbe gesetzt hat.

„WUNsiedler Weg“

Marco Krasser, Geschäftsführer der Stadtwerke Wunsiedel GmbH, stellte schließlich mit dem „WUNsiedler Weg“, der Gesamtkonzeption der Energiewende und ihrer Umsetzung in der Stadt Wunsiedel, ein best-practice-Beispiel aus Oberfranken vor, das Besuchergruppen aus aller Welt anzieht. Statt „Energiewende“ spricht Krasser lieber von „Energiezukunft“. Und diese müssten auch die vielen dezentralen Energieerzeuger wie die Kommunen mitgestalten. 

Mit dem „Wunsiedler Weg Energie 2.0“ wird eine konsistente Klima- und Energiestrategie bis 2030 umgesetzt. Ziel ist eine weitgehend unabhängige Energieversorgung für die Region und der Ausbau der Stützfunktion für das übergeordnete Netz. Dafür werden die erneuerbaren Energien vor allem mit Bürgerbeteiligungsmodellen ausgebaut und durch mehrere Biomasse-BHKW hohe Regelleistungskapazitäten geschaffen, um Schwankungen in Netz auszugleichen und die Wärmeversorgung zu garantieren.

So werden alle Erzeuger, Speicher und Verbraucher über das eigene glasfaserbasierte Kommunikationsnetz verbunden, um den Energiebedarf untereinander abzustimmen. Eine Vielzahl von Energieeffizienzmaßnahmen sowie das Engagement für den Ausbau der Elektro- und Gasmobilität runden den ganzheitlichen Ansatz der SWW Wunsiedel GmbH ab.

DK

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