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(GZ-6-2016)
Kommunale Praxis
► Landestagung „Kommunale Jugendpolitik”:
 
Gut angekommen – gut aufgenommen!
 

Kommunale Konzepte zur Integration junger Flüchtlinge in Gemeinden, Städten und Landkreisen.

Gelingende Integration ist ein gesellschaftliches und politisches Schlüsselthema unserer Zeit. Die Herausforderung durch hunderttausende Flüchtlinge, die hierzulande eine Heimat suchen, hat eine wegweisende Phase der deutschen Geschichte eingeläutet. Insbesondere junge Menschen haben im vergangenen Jahr in Bayern und bundesweit Zuflucht gefunden. Rund ein Drittel aller nach Deutschland geflüchteten Menschen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Angesichts dieser Herausforderungen müssen die Kommunen wirkungsvoll handeln.

Anlässlich der 6. gemeinsamen Landestagung von Bayerischem Jugendring, Bayerischem Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag wurden gute Erfahrungen gelingender Integration vorgestellt. Im Mittelpunkt der Grundlagendarstellungen und der Präsentation  von Praxisbeispielen standen nachhaltig wirkende, systematische Konzepte für die interkulturelle Integration in Gemeinden, Städten und Landkreisen. Die Tagung bot zudem Raum für Fragen und ermöglichte einen konstruktiven Austausch.

„Fit für die Zukunft“

Benachteiligten Jugendlichen den Start ins Berufsleben ermöglichen: Das ist das Ziel der Initiative „Fit für die Zukunft“, für die vor kurzem die Bayerische Staatsregierung und die Arbeitsverwaltung den Startschuss für sechs neue Modellregionen gaben. Eine davon ist der Landkreis Mühldorf am Inn, der bereits im Rahmen der Bewerbung zum Qualitätssiegel Bildungsregion mit Vorzeigeprojekten zur Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt überzeugen konnte.

Übergangsmanagement

Ausschlaggebend für die Auszeichnung als Modellregion waren die Aktivitäten des Landkreises im Bereich Übergangsmanagement, berichtete Landrat Georg Huber. Ein zentraler Bereich sei dabei der Übergang Schule/Beruf. Im Rahmen dieser Engagements wurde im Landkreis Mühldorf beispielsweise eine Jugendberufsagentur gegründet. Dabei handelt es sich um eine Kooperation von Landkreis, Bundesagentur für Arbeit, Jobcenter und Staatlichem Schulamt. Die Koordination der Jugendberufsagentur hat laut Elisabeth Huber (Landratsamt Mühldorf a. Inn) das Team von „Lernen vor Ort“ im Landkreis übernommen.

Für Landkreischef Huber ist die Jugendberufsagentur für den Landkreis Mühldorf a. Inn eine „große Chance“. Gerade der Fachkräftemangel und der demographische Wandel machten es notwendig, allen Jugendlichen eine passende Perspektive vor Ort zu bieten. „Wir möchten alle Jugendlichen – besonders aber auch diejenigen, die sozial und bildungsmäßig benachteiligt sind – auf dem Weg von der Schule in den Beruf stark unterstützen. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern ist es unsere Aufgabe, getreu dem Motto ‚Keiner darf verloren gehen‘, einen gelingenden Übergang für die jungen Menschen zu gestalten. Ziel ist es, noch enger und schulterschlüssiger zusammenzuarbeiten, sich noch intensiver zu vernetzen und die notwendigen Strukturen zu schaffen, um noch mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.“

„Flüchtlinge Willkommen“ lautet das von Kreisjugendpfleger Traugott Goßler vorgestellte Jugendprojekt des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Speziell Kinder und Jugendliche unter den Asylbewerbern stehen im Fokus des Anfang 2015 gestarteten Projekts der Kommunalen Jugendarbeit und des Kreisjugendrings. Sport- und Musikvereine, Schulen, kirchliche Gruppen oder andere ehrenamtlich Tätige können finanzielle Unterstützung für ihre Projekte beantragen.
Die Voraussetzung: Es muss sich um eine Aktion handeln, die junge Menschen der Region mit Flüchtlingen zusammenbringt. Es geht darum, die Willkommenskultur im Landkreis zu stärken. Die Initiatoren von „Flüchtlinge Willkommen“ wollen eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen.

Auch in den kommunalen Verwaltungen nimmt die Vielfalt an Menschen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, Lebensstilen, Arbeitsweisen und Identitäten langsam aber stetig zu. Ein kompetenter Umgang mit Vielfalt wird damit zu einem bedeutsamen Faktor zukunftsfähigen kommunalen Handelns.

Das Konzept Diversity hat laut Andreas Merx, Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Diversity Management, idm, zum Ziel, ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu schaffen und personale Vielfalt in Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Verwaltungen zu fördern. Es soll helfen, die eigenen Potenziale von Frauen und Männern, älteren und jüngeren Mitarbeitern, Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft und Religion, Menschen mit und ohne Behinderung usw. gezielt für eine produktive Organisationsentwicklung zu nutzen.

Organisationskultur

Ein wertschätzender Umgang mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten könne damit sowohl nach innen wirken – über Personalmanagement und Organisationskultur – wie auch nach außen im Sinne einer Orientierung an den Bedürfnissen von Bürgern und Kunden bei Informationen, Angeboten, Dienstleistungen und Projekten.

Wie funktioniert der Diversity-Ansatz? Zur Umsetzung dieser Ziele steht nach Merx‘ Worten eine breite Palette unterschiedlicher Maßnahmen zur Verfügung. Dazu zählten die gezielte Ansprache von Zielgruppen in öffentlichen Stellenanzeigen („Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind besonders erwünscht“), zielgruppenorientierte Anwerbungs- und Informationskampagnen, flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, Work-Life-Balance-Programme und zielgruppenspezifische Quoten (etwa zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen oder von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Ausbildung). Darüber hinaus stellten zielgruppenspezifische Angebote und Dienstleistungen wie mehrsprachige Informationsblätter oder kostengünstige Dolmetscherpools mögliche Maßnahmen dar. 

DK

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