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(GZ-11-2017)
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► Energiewende in Bürgerhand:
 
Solarregion Freisinger Land als Partner der Kommunen
 

Was im Pariser Klimaabkommen erst Ende 2015 beschlossen wurde, hat der Landkreis Freising bereits vor zehn Jahren konsequent in Angriff genommen: 2007 entschied der Freisinger Kreistag, dass der Landkreis bis zum Jahr 2035 die Energiewende geschafft haben soll. Konkret heißt dies, bis dahin den Energiebedarf auf 100 % Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser, Bioenergien und Geothermie) vollständig umzustellen. Aktuell werden bereits über 70 Prozent des verbrauchten Stroms aus Erneuerbaren Energien selbst erzeugt, wie aus der neuesten sogenannen 100 %-Broschüre, herausgegeben vom Landratsamt Freising, hervorgeht.

In der mittlerweile fünften Ausgabe von „Strom aus Erneuerbaren Energien“ wird ein umfassender Überblick über den Stromverbrauch im Landkreis, über die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien (EE) und über die Wege hin zu einer vollständig regenerativen Stromversorgung gegeben. Die Broschüre hilft, den Weg zu dokumentieren, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu finden.

In zwei neuen Kapiteln zu Elektromobilität und Energieeinsparung zeigen die Hauptautoren Raimund Becher und Andreas Henze, Mitglieder der 2004 gegründeten Solarregion Freisinger Land, konkrete Wege für die Kommunen auf. Die Solarregion ist der Markenname für die „Energiewende in Bürgerhand“: Die beiden Solarvereine – Sonnenkraft Freising und Solarfreunde Moosburg – sowie der Landkreis und je nach Thema weitere Umwelt- und Agendagruppen packen gemeinsam an, um die Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien möglichst rasch umzusetzen.

Sehr positiv auf die Machbarkeit der Energiewende wirkt sich nach Auffassung der Autoren dabei die sog. Sektorkopplung von Strom, Wärme und Mobilität aus. Der gesamte Endenergiebedarf in Deutschland würde dadurch von rund 2.400 Mrd. kWh um knapp ein Drittel auf rund 1.600 Mrd. kWh sinken und der Strombedarf sich in etwa auf 1.320 Mrd. kWh verdoppeln. Für den erhöhten Strombedarf sowie für die begleitende Speicher- und Netz-Infrastruktur seien entsprechende Ausbaupfade erforderlich und möglich. Landkreis und Kommunen sollten diesen Transformationspfad deshalb tatkräftig unterstützen. Ohnehin, so prognostiziert Raimund Becher von den Solarfreunden Moosburg, werde die Bundespolitik die Kommunen künftig verstärkt in die Pflicht nehmen. Diese müssten die Aufgabe annehmen, aktiv sein und sich eigene Ziele setzen.

Einen sportlichen Wettbewerb zwischen den Kommunen im Landkreis will die seit einigen Jahren stattfindende Solar-Kreisliga anregen; damit sollen die Dynamik und die Möglichkeiten der Erneuerbaren Energien auf spielerische Weise deutlich gemacht werden. Bewertet werden die in der Kommune installierte Photovoltaikleistung sowie die Fläche für thermische Solarkollektoren. Geehrt werden bei dieser Veranstaltung aber nicht nur die „Solarkreismeister“, sondern auch die 100 %-Gemeinden.

„Vor allem ländliche Gemeinden sind beim Strom auf dem Weg zur ‚Plus-Energie-Gemeinde‘“, heißt es in der Publikation. Elf Gemeinden im Landkreis versorgen sich inzwischen selbst mit mehr Strom aus Erneuerbaren Energien als sie verbrauchen. Wieviel man mit Photovoltaik erreichen kann, zeigt Attenkirchen, das sogar 31,2 % mehr Strom erzeugt als verbraucht. Insgesamt konnte die noch 2008 beträchtliche Stromlücke von über 420 Mio. kWh bis 2015 auf 239 Mio. kWh reduziert werden.

Die Energiewende stockt

Gleichwohl – und das ist die schlechte Nachricht – stockt die Energiewende sowohl im Landkreis als auch bundesweit. Die Wasserkraft schwankt zwar, ist aber nicht in Gefahr. Ein weiterer Ausbau ist dagegen kaum noch möglich, genauso wenig wie bei der Bioenergie. Dort muss ohne Anschlusslösung im EEG ab 2021 sogar mit starken Rückgängen gerechnet werden.

Wirklich kritisch aber sei der bundesweit massive Rückgang des Zubaus bei der Photovoltaik seit 2013 und aktuell bei der Windkraft. „Der Gesetzgeber und die Staatsregierung haben die Bürger als Macher und Motor der Energiewende mit neuen Vorschriften im EEG – vor allem den Ausschreibungen – und mit der 10 H-Regelung ausgebremst. Dabei wären gerade diese gefragt, um die ‚Arbeitspferde‘ Wind und Solarenergie auf den meist privaten Grundstücken umzusetzen“, heißt es. Die ökologische Krise werde sich zweifellos in den nächsten Jahrzehnten verschlimmern, weil im System Erde viele Verzögerungseffekte wirken. „Auch an Klima-Flüchtlinge in großen Mengen werden wir uns gewöhnen müssen, wenn wir nicht schnell und energisch handeln.“

„Ohne einen weiteren starken Zubau bei Sonne und Wind wird auch der Landkreis sein Energiewendeziel verfehlen“, lautet die Warnung der Mitglieder der Solarregion. Der Landkreis habe zwar beim Strom schon einiges erreicht, doch Wärme und Verkehr träten auf der Stelle. Lippenbekenntnisse reichten nicht mehr aus, um den bereits spürbaren Klimawandel aufzuhalten. Daher sollten Landkreis und Kommunen jetzt gezielte politische, planerische und unternehmerische Impulse setzen.

Zehn Jahre nach dem wegweisenden Energiewendebeschluss seien konzertierte Anstrengungen für einen Umsetzungsplan dringend geboten. Die Energiewende dürfe nicht stecken bleiben. Sie dürfe nicht als Zwang, sondern müsse als Chance gesehen werden, um die katastrophalen Folgen einer Klimaüberhitzung abzuwenden. Es gebe nichts Globaleres als das Klima, weshalb die Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien jede Anstrengung wert sei. „Wir, die Solarregion Freisinger Land, verstehen uns dabei als Partner der Kommunen, Bürger und Unternehmen - ehrenamtlich und jeden Tag“, unterstreicht Andreas Henze.

DK

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