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(GZ-7-2017)
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Langmatz-Breitband-Symposium und Open House in Garmisch-Partenkirchen:
 
Digitalisierung erfordert schnelleren Ausbau der Breitbandnetze

Bereits im sechsten Jahr in Folge bot die malerische Alpenkulisse der Zugspitzregion den attraktiven Rahmen für eine der wichtigsten Veranstaltungen der Glasfaserbranche: Das von der ortsansässigen Langmatz GmbH ins Leben gerufene und jährlich einmal stattfindende Breitband-Symposium. Mehr als 400 Teilnehmer aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kamen dieses Jahr zusammen, um sich im Kongress-Haus von Garmisch-Partenkirchen zu spannenden Themen rund um die Entwicklung von Breitbandnetzen und deren Vermarktung auszutauschen und am Open House im Werk Oberau teilzunehmen.

Dort hatten die Besucher am zweiten Tag Gelegenheit, sich über alle Neuheiten zum Aufbau und Betrieb von Glasfasernetzen zu informieren und bei verschiedenen Workshops mitzumachen. Auch die Langmatz GmbH präsentierte in Oberau ihre aktuellen Entwicklungen, wie den neuen Glasfaserhaupt- und Netzverteiler sowie den kompakten Gf-AP, mit denen ein Netzausbau modular und wirtschaftlich erfolgen kann.

„Ich freue mich, dass die Resonanz zum Breitband-Symposium dieses Jahr so groß ist. Mehr als 400 Teilnehmer und 19 Partnerfirmen belegen die Attraktivität von FTTx“, erklärte Stephan Wulf, Vorsitzender der Geschäftsführung von Langmatz. Im Anschluss an seine Eröffnungsrede, in der er auch einen kurzen Rückblick in das für Langmatz besonders er-folgreiche Jahr 2016 gab – das Unternehmen konnte dank neuer Produkte und Märkte die 70 Millionen-Umsatzmarke knacken –, begannen die  Vorträge.

Nachfrage für FTTB/H hinkt hinterher

Wolfgang Heer, Geschäftsführer Bundesverband Glasfaseranschluss e.V. (BUGLAS), machte mit seinem Thema „Best Practice: Wie Wholesale auf FTTB/H-Netzen zu höheren Deckungsbeiträgen und besseren Netzauslastungen führt“, den Auftakt. Er wolle den Unternehmen, die Glasfasernetze errichten und betreiben, mit seinem Vortrag Anregungen geben, intensiver darüber nachzudenken, ob sich der FTTB/H-Ausbau (Fibre-to-the-Building, Fibre-to-the-home) dadurch beschleunigen lassen könnte, indem man nicht nur sein Netz gegenüber Privatkunden, Geschäftskunden und Wohnungswirtschaft vermarktet, sondern auch gegenüber den großen Vorleistungsnachfragern. Ein gemeinsames Vorgehen, das  Aufbau, Vertrieb und Vermarktung auf mehreren Schultern verteile, sei der einzige Weg, den Breitbandausbau zu beschleunigen, betonte er. In Deutschland sei mit einer Anbindung von 1,6 Prozent der Haushalte an FTTH/B die Nachfrage noch sehr gering und „hinkt hinterher“. Im EU-Durschnitt liegt dieser bei 9,4 Prozent. Es gebe aber derzeit einen Paradigmenwechsel: Marktteilnehmer erkennen, dass durch eine Kooperation von Wholesaler (ich habe ein Netz und biete ein Vorleistungsprodukt an) und Wholebuyer (ich kaufe ein Vorleistungsprodukt ein) es am Ende nur Gewinner gibt: die Infrastrukturanbieter, die Wholebuyer und die Endkunden – so sein Credo.

Wo sich die Branche nach einem Jahr Bundesförderung befindet, verortete Christoph Bechtel, Projektleiter bei der GEO DATA GmbH, in seinem munteren Vortrag „Wo sich Wunsch, Planung und Realität ein Stelldichein geben“. Dass es seit dem November 2015 in Deutschland, dem Start der Bundesförderung für Infrastrukturprojekte mit einem heutigen Volumen von vier Milliarden Euro, mit dem Ausbau der Breitbandnetze nicht mehr so ruhig zugeht wie zuvor, schilderte er aus der Perspektive eines Planers.

Der Frage, ob es sich bei den Digital Natives (deutsch: digitaler Ureinwohner), um die Gesellschaft von morgen handelt, ging Nico Meurer, Entwickler und Planer bei der Telekom Deutschland GmbH, nach. Als Infrastrukturanbieter zeigte er in seinem Referat aber auch auf, welche technischen Herausforderungen bestehen, die steigenden Datenvolumen zu beherrschen.

Laut Meurer baut die Telekom jährlich rund 30.000 Kilometer Glasfaser in Deutschland aus. Damit gehe eine zukunftsfähige Planung des IP-Backbone-Netzes einher, die hochperformante und leistungsfähige LS- und LE-Router erfordere.

Bei dem Vortrag von Gerhard Lehmann, Vertriebsleiter Opternus GmbH, ging es darum, wie eine höhere Bandbreite auf bestehenden Netzen mit dem Wellenlängenmultiplextechnikverfahren (WDM) zu erzielen ist. FTTB und FTTC sind aus seiner Sicht nur Übergangslösungen. Im Rahmen der WDM-Technik, bei der jeder Teilnehmer eine eigene Wellenlänge bekommt, sei bereits heute ein Übertragungssystem mit 10G (AON, PON) möglich. „Gigabit-Verbindungen nach Hause werden zuverlässig nur über Glasfaser möglich sein“, so Lehmanns Fazit.

Dass mit der vierten industriellen Revolution, Industrie 4.0, auch im Bereich Kabelverlegung eine neue Zeit angebrochen ist, schilderte Thomas Vetter, Geschäftsführer der Vetter GmbH. Auf Grund der Probleme, die bei der Verlegung von Glasfasern entstehen können, wie etwa der Qualität der Mikroröhrchenverlegung, der Einblasfähigkeit von Mini- und Mikrokabeln, der verwendeten Technik sowie der Frage der Erfahrung und praktischen Fähigkeiten des Teams, entspreche nur ein vollautomatisches Kabeleinblasgerät dem Anspruch von Industrie 4.0.

Nachhaltiges Produkt

Bereits vor über zehn Jahren wurde bei Langmatz begonnen, über die ökologische Weiterentwicklung von Material und Alternativen für fossile Rohstoffe nachzudenken, berichtete Josef Lohr von Langmatz in seinem Vortrag. Daraus entstand 2010 in Zusammenarbeit mit dem SKZ (Das Kunststoff-Zentrum) ein von der Bayerischen Forschungsstiftung gefördertes Projekt, das die Einsatzmöglichkeiten von naturfaserverstärktem Kunststoff für nachhaltige Infrastrukturprodukte untersuchte.

Nach fünf Jahren Forschungszeit sei daraus ein kurz vor der serienreife stehendes Produkt entstanden: Ein nachhaltiger Kabelschacht aus „Ecopolytec“, einem Verbundstoff, der einen Anteil von 45 Prozent Holzfasern hat. Der Schacht aus WPC (Wood-Plastic-Composite) hat nicht nur die gleiche Stabilität wie ein Schacht aus PP-Compound, sondern zusätzlich eine unschlagbare Ökobilanz.

Einen interessanten Einblick in die Dynamik der boomenden Gaming-Branche und deren Anforderungen an starke Breitbandnetze gewährte schließlich Tobias Haar, Vorstandssprecher des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU). Schnell wurde dabei deutlich, warum die Computer- und Video-Spiel-Branche idealer Weise Gigabit-Netzwerke braucht.

RED

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